Fantasy

Diese Autorin hat ihren eigenen Krieg im Kopf: «Ich traue mich, böse zu sein»

Für ihren Fantasy-Roman legte sich Sabrina Witzig das Pseudonym Severn A. Lee zu.

Für ihren Fantasy-Roman legte sich Sabrina Witzig das Pseudonym Severn A. Lee zu.

Sabrina Witzig unterrichtet an der Kantonsschule Limmattal in Urdorf und schreibt nebenher eine sechsteilige Fantasy-Roman-Reihe unter dem Pseudonym S. A. Lee. Mit ihrer Geschichte will sie sich von anderen Schweizer Autorinnen und Autoren abheben.

An der einen Wand im Wohnzimmer eines Dielsdorfer Wohnblocks stehen zwei Bücherschränke. Deren Inhalte sind fein säuberlich getrennt: Im rechten Regal ist hochstehende Literatur eingereiht wie etwa Homers «Odysee» oder Reclam-Bücher auf Latein. Links befinden sich Werke von Neil Gaiman und George R. R. Martin, «Herr der Ringe» und «Harry Potter» in sieben Sprachen.

Zuoberst, prominent platziert, steht ein Buch mit dem Titel «Die Chroniken der drei Kriege». Die Autorin: Severn A. Lee. Ihr richtiger Name: Sabrina Witzig. Wirre Korkenzieherlocken, Nasenpiercing, bunte Armbänder. So präsentiert sie sich im Alltag.

Im Alter von acht Jahren schrieb Witzig ihre erste Geschichte, mit 21 Jahren war der erste Roman vollendet, in den nächsten sieben Jahren folgten vier weitere. «Die Chroniken der drei Kriege» besteht aus sechs Teilen, zwei Bände davon hat der deutsche Aavaa-Verlag bereits veröffentlich: «Das Drohen der silbernen Sichel» und «Der Herr des schwarzen Schwertes».

Die Einbände der beiden Bücher, die bei Witzig zu Hause stehen, sind unifarben, eines Rot, das andere Blau. «Ein wenig langweilig, oder?», sagt die Autorin und stellt die Bücher zurück ins Regal. Doch sie freut sich. In wenigen Tagen erscheint ihre Geschichte in einer Neuauflage – samt überarbeitetem Cover.

Der Einband passt nun besser zur Geschichte

Grund dafür ist, dass die Eisenmann Media einige vielversprechende Autoren des bisherigen Aavaa-Verlags übernommen hat – eine von ihnen ist Sabrina Witzig. «Für mich ist das eine grosse Ehre», sagt die 31-Jährige. Nach einigen Kürzungen – um den Roman «chli kompakter» zu machen – werden «Die Chroniken der drei Kriege» unter dem XoXo-Verlag neu veröffentlicht. 

Das Cover ist nun düsterer, ein flammendes, schwarzes Schwert und goldene Lettern prangen darauf. «Ich finde es viel cooler», sagt Witzig stolz. «Die Grafikerin des Verlags hat sich mit mir in Verbindung gesetzt und ich durfte sogar meine Meinung einbringen.» So passe der Einband nun besser zur Geschichte. «Ich hoffe dadurch auf ein grösseres Publikum», sagt Witzig. «Das alte Cover war weniger ansprechend, jetzt nehmen sicher mehr interessierte Leser mein Buch in ihre Hände.»

Band 1 und Band 2 erscheinen Ende Februar. Aber auch die weiteren Bände sollten nicht mehr lange auf sich warten lassen – geschrieben sind sie nämlich schon. «Ich habe die Welt im Kopf», sagt Witzig. «Und von dort bringe ich sie aufs Papier.» Sie habe sich deshalb nie bewusst für das Schreiben entscheiden müssen, es sei einfach «immer schon da» gewesen. «Ich musste mich nur mit den Grenzen meiner Welt beschäftigen, mich fragen, was möglich ist und was nicht.»

Alles andere habe sich während des Schreibprozesses ergeben. Und Schreibblockaden? Witzig stöhnt und verwirft die Hände. Welcher Autor kennt das nicht? «Ich gehe spazieren, gehe reiten, Bogenschiessen, einfach etwas anderes machen», sagt Witzig. «Aber letztlich musst du dich einfach wieder an die Arbeit setzen und das tun, was du tun musst: Schreiben.»

Figuren sollen mehrere Facetten haben

Die Handlung ihres Romans spielt auf dem fiktiven Kontinent Paradon. Das einstige Grosskönigreich liegt nach dem Tod der ehemaligen Herrscherin in Trümmern. Ein Friedensvertrag hält die Länder zusammen, doch ein Land begehrt auf. Es droht Krieg. Der junge Kirin soll als Kämpfer instrumentalisiert werden, gerät aber während seiner Reise immer mehr zwischen die Fronten, sodass er bald Freund nicht mehr von Feind unterscheiden kann.

«Klingt nach einer relativ konventionellen Handlung», sagt Witzig. Dann grinst sie verschmitzt und verspricht: «Ist es aber nicht.» Sie sei gegen solche Klischees. Die Figuren in ihrer Geschichte sollen mehr Facetten haben als nur Gut und Böse, sollen in Schattierungen auftreten und Fehler begehen. «Jede Figur soll eine Persönlichkeit sein», sagt Witzig. Damit wolle sie aus dem unendlich grossen Pool an Fantasy-Romanen herausstechen.

«Als Fantasy-Autorin tut man sich schwer»

Zudem dürfen ihre Leser am Ende jedes Bandes kein Happy End erwarten. «Ich traue mich, böse zu sein», sagt Witzig. Eine Aussage, die nur schwer mit ihrem zierlichen Äusseren vereinbar ist. Sich von der Masse abheben sei eine grosse Herausforderung.

«Schweizer Autoren schreiben normalerweise Krimis oder Dramas», sagt Witzig. «Als Fantasy-Autorin tut man sich in diesen Kreisen schwer.» Noch schwieriger sei es, sich als Frau zu behaupten. «Da gibt es viele Vorurteile», sagt Witzig und verdreht die Augen. «Es gibt einfach eine Überzahl an schnulzigen Fantasy-Romanen.»

Und genau das soll ihre Geschichte nicht sein – nicht schnulzig, nicht stereotypisch. Momentan schreibt Witzig auch noch die Vorgeschichte, die bis zu 8000 Jahre vor «Die Chroniken der drei Kriege» spielt. Aber auch etwas anderes ist in Planung: Ein Urban-Fantasy-Roman über eine Frau, die in eine magische Welt eintaucht. «Ich habe noch nie über eine weibliche Hauptfigur geschrieben», sagt Witzig. «Das wird bestimmt spannend. Und ich lasse meine Vorliebe für den schwarzen britischen Humor einfliessen.»

Pseudonym soll der Autorin etwas Anonymität geben

Wenn Witzig gerade nicht schreibt, unterrichtet sie an der Kantonsschule Limmattal in Urdorf. Die Stelle als Vertretungslehrerin hat sie noch bis im April. Aber sie hofft auch danach noch als Lehrerin tätig sein zu können. Es sei ein kreativer Beruf, den sie gerne ausführe. Auch wenn sie in Zukunft einmal vom Schreiben leben möchte.

Ihr Beruf als Lehrerin sei mitunter ausschlaggebend gewesen, weshalb sich Witzig als Autorin das Pseudonym S. A. Lee zulegte. «Ich möchte nicht, dass sich meine Schüler gezwungen fühlen, meine Bücher zu lesen.» Hand aufs Herz, schön wäre es doch schon? «Klar fände ich es cool, wenn sie meine Bücher mögen würden», sagt Witzig. «Aber letztlich haben meine beiden Berufe nichts miteinander zu tun.»

Der Nachname ihres Pseudonyms stammt von einem Onkel, der vor Jahren nach Australien auswanderte. Weil sich «Leuenberger» dort nicht gut aussprechen liess, verkürzte er seinen Nachnamen zu «Lee». Der Name Severn sei angelehnt an die englische Version von Sabrina. Und das Kürzel A.? «Das steht eigentlich für Ava, aber das habe ich hauptsächlich drin, weil viele Fantasy-Autoren ihre Namen so abkürzen», sagt Witzig und lacht.

Sie schätzt die Anonymität, selbst wenn sie nicht immer gegeben ist. «Einer meiner Schüler hat mich kürzlich gegoogelt und ist dann auf meine Autoren-Seite gestossen», sagt Witzig. Ein ganz so grosses Geheimnis ist die Verbindung zwischen Sabrina Witzig und Severn A. Lee wohl doch nicht.

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