Bezirksgericht Zürich

Dieb stahl mehr als 800 Fahrräder um seine Drogensucht zu finanzieren

Velodieb Screenshot

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Um seine starke Drogensucht zu finanzieren, wurde ein Bündner zum Rekord-Velodieb im Limmattal. Zudem drang er in Zürich und Schlieren regelmässig in Keller ein und entwendete gleich kofferweise Wein- und Schnapsflaschen.

«Ich habe von diesem blöden Pulver nie genug gekriegt», sagte ein heute 39-jähriger Schweizer gestern vor dem Bezirksgericht Zürich. Nachdem seine Mutter im Mai 2011 als Opfer eines Gewaltverbrechens getötet worden war, tröstete sich der Limmattaler IV-Rentner mit dem exzessiven Konsum von Kokain über den tragischen Verlust hinweg - mit Mengen von 5 bis 10 Gramm pro Tag.

Er stahl auch Alkohol und ein TV

Um seine starke Drogensucht zu finanzieren, wurde der gebürtige Bündner zum Rekord-Velodieb in der Region. Zudem drang er in Zürich und Schlieren regelmässig in Keller ein und entwendete gleich kofferweise Wein- und Schnapsflaschen. In Schlieren war er besonders im März 2012 an der Zürcherstrasse, Güterstrasse und Ringstrasse aktiv, wo er auch ein teures Fernsehgerät entwendete.

Bei den Velodiebstählen ging der Täter so dreist vor, dass er selbst die Zürcher Polizei in Staunen versetzte. Zwischen Frühling 2011 und seiner Festnahme im Mai 2012 stahl er in Schlieren und Zürich über 800 Fahrräder.

Da der fleissige Langfinger alle geklauten Zweiräder verlud und einem Drogendealer aus Gambia überreichte, kam er nicht nur regelmässig zu Kokain, sondern leistete auch noch unfreiwillig Entwicklungshilfe. Denn der Westafrikaner hortete das Diebesgut im Kanton Thurgau in einer Scheune und verschiffte es regelmässig nach Afrika. Als die Fahnder das Versteck aushoben, stellten sie noch rund 130 Velos sicher.

Vor Gericht gab der Beschuldigte die Vorwürfe grundsätzlich zu und sagte, es seien ihm endlich die Augen aufgegangen. Als Tatmotiv gab er Schicksalsschläge an. Nur wenige Monate nach dem Tod seiner Mutter sei auch seine Ehefrau an einem Gehirntumor verstorben, erklärte er.

Drei Jahre Freiheitsentzug

Die Staatsanwaltschaft verlangte angesichts des Deliktbetrags von über 230 000 Franken sowie einem Sachschaden von rund 30 000 Franken eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der Milieu-Verteidiger Valentin Landmann hingegen setzte sich für eine viel mildere Strafe von zwei Jahren ein. Das Gericht legte zum Schluss drei Jahre unbedingt als Sanktion fest und ordnete eine ambulante Therapie an. «Sie haben eine unglaubliche Betriebsamkeit an den Tag gelegt», sagte der Gerichtsvorsitzende Alain Kessler.

Die Strafsenkung begründete das Gericht mit der schweren Kokainsucht und einer verminderten Schuldfähigkeit sowie den umfassenden Geständnissen des Diebes und seiner Kooperation mit den Untersuchungsbehörden. Verteidiger Landmann zeigte sich nach der Urteilseröffnung im Namen seines Klienten mit dem Entscheid einverstanden.

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