Die zweite Etappe der Limmattalbahn von Schlieren nach Killwangen-Spreitenbach kann gebaut werden. Das kantonale Stimmvolk hat sich gestern klar dafür ausgesprochen: 82,91 Prozent lehnten die Volksinitiative «Stoppt die Limmatalbahn – ab Schlieren!» ab.

Damit hat die Zustimmung zu dem Gesamtverkehrsprojekt deutlich zugenommen. Bei der ersten Abstimmung vor drei Jahren erhielt es kantonsweit erst 64,5 Prozent Ja-Stimmen.
Ein markanter Meinungsumschwung erfolgte im direkt betroffenen Bezirk Dietikon: 2015 hatten im Limmattal 54,1 Prozent gegen die Limmattalbahn gestimmt. Jetzt wollten noch 36,1 Prozent der Limmattaler Stimmberechtigten das Grossprojekt stoppen. Mit anderen Worten: Die Mehrheit der Bevölkerung des Kantons Zürich steht nun flächendeckend hinter der Limmattalbahn. Alle Gemeinden lehnten die Stopp-Initiative ab.

Bei den direkt Betroffenen lag die Zustimmung zu der Initiative zwischen 24 Prozent im Zürcher Kreis 9 und knapp 48 Prozent in Dietikon. «Mit dieser zweiten positiven Abstimmung ist die Limmattalbahn irgendwie angekommen», sagte die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh vor den Medien.

Eröffnung Ende 2022

Die FDP-Regierungsrätin zeigte sich erfreut: «Das ist ein Resultat, das nicht nur der Zürcher Regierungsrat mit Spannung erwartet hat, sondern auch der Kanton Aargau», sagte Walker Späh. Denn bei einem Ja zur Stopp-Limmattalbahn-Initiative wäre die zweite Etappe von Schlieren bis Killwangen-Spreitenbach nicht mehr gebaut worden. Auch die angedachte Verlängerung nach Baden, für die die Aargauer Regierung bereits Planungsarbeiten aufgenommen hat, wäre hinfällig. Doch nun könne man vorwärtsmachen.

Die weitgehend gebaute erste Limmattalbahn-Etappe von Zürich Altstetten nach Schlieren Geissweid soll im September 2019 eröffnet werden. Für die zweite Bahnetappe nannte Walker Späh Dezember 2022 als Eröffnungstermin. Dann werde die Limmattalbahn mit insgesamt 27 Stationen im Viertelstundentakt von Zürich Altstetten bis Killwangen-Spreitenbach verkehren.

Kein Geld in den Sand setzen

Den Meinungsumschwung im Limmattal erklärte sich Walker Späh damit, dass es den Gemeinden gelungen sei, der Bevölkerung darzulegen, was es heissen würde, das Projekt auf halbem Weg abzubrechen. «Es ist nicht nur ein Verkehrsprojekt, sondern auch eine Frage der Siedlungsentwicklung.»

Mit dem Bau der Limmattalbahn und ergänzenden strassenbaulichen Massnahmen sollen die Ortszentren vom motorisierten Individualverkehr (MIV) entlastet werden. Einerseits durch bauliche Massnahmen innerorts, andererseits durch die Aufwertung bestehender Umfahrungsstrassen.

Das Abstimmungsergebnis zeigt laut Walker Späh auch, dass die Zürcherinnen und Zürcher kein Geld in den Sand setzen wollten, wurden doch bereits Beträge in zweistelliger Millionenhöhe für Planungsarbeiten ausgegeben. Und nicht zuletzt erweise sich der Kanton Zürich mit dem erneuten Ja zur Limmattalbahn als verlässlicher Partner gegenüber dem Bund, dem Aargau und den Bau- und Planungsfirmen, die seit Jahren an der Limmattalbahn arbeiten.

Die Gesamtkosten für das Projekt sind auf 755 Millionen Franken veranschlagt. Der Kanton Zürich hat für die zweite Etappe 382 Millionen Franken bewilligt, der Aargau 178 Millionen. Mit dem inzwischen zugesicherten 35-Prozent-Anteil des Bundes verringern sich die Kosten für die Kantone entsprechend.

Die zweite Volksabstimmung war nötig geworden, da Limmattaler Gegner des Grossprojekts eine Volksinitiative gegen den Bau der zweiten Limmattalbahn-Etappe lanciert hatten. Alle Parteien lehnten die Initiative ab.

Entsprechend einhellig fielen die Kommentare der Parteien zum gestrigen Abstimmungsergebnis aus: Die SP begrüsste es, «weil die Limmattalbahn ein zentraler Eckpfeiler des öffentlichen Verkehrs in unserem Kanton ist», wie sie in ihrem Communiqué schrieb. Die FDP zeigte sich «sehr froh, dass das Stimmvolk mit seinem Nein die Fortsetzung des kantonsübergreifenden Gesamtverkehrsprojekts sichergestellt hat, welches nur als Ganzes funktioniert und seine Wirkung entfalten kann.»

Die CVP gab sich erleichtert. Ihr sei von Beginn an bewusst gewesen, dass die Limmattalbahn auch Ängste in der Bevölkerung wecken würde. Doch das Projekt sei eine Investition in die Zukunft, entlaste die Strassen und habe genug Kapazität, um sich dem zu erwartenden Bevölkerungswachstum im Limmattal anzupassen.

Die SVP, wählerstärkste Partei im Kanton Zürich, hatte sich bei der Abstimmung 2015 noch gegen die Limmattalbahn ausgesprochen, war nun aber mehrheitlich dafür. Auf eine Medienmitteilung zum gestrigen Abstimmungsergebnis verzichtete sie. «Der Stimmbürger hat immer Recht. Jetzt soll die Bahn gebaut werden», sagte SVP-Kantonalparteipräsident Konrad Langhart auf Anfrage.

Stimmbeteiligung sank

SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein nahm als Vertreter der Limmattalbahn-Gegner Stellung. «Es ist bedenklich, dass eine grössere Anzahl von Leuten, die gegen die Bahn sind, resigniert haben und wahrscheinlich auch bei künftigen Abstimmungen nicht mehr teilnehmen. Weil sie sagen, unser Wählerwille wird nicht ernst genommen», sagte er. Darauf deute die im Bezirk Dietikon gesunkene Stimmbeteiligung hin: 2015 lag sie bei 45 Prozent, jetzt bei 40,1 Prozent – und damit knapp über dem kantonalen Durchschnitt von 39,3 Prozent.