Keine Gnade für zwei über 100- jährige Bäume im Schlieremer Rietpark: Das Baurekursgericht hat dem Einspruch der Grundeigentümerin Geistlich Immobilia AG stattgegeben. Nun darf sie ihr laufendes Bauprojekt vorantreiben und einen Mammut- sowie einen Walnussbaum fällen. Die Stadt Schlieren hatte sich für deren Erhalt eingesetzt (die Limmattalerzeitung berichtete).
«Wir nehmen den Entscheid mit Erleichterung zur Kenntnis», sagt Martin Geistlich, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Das Gericht sei dem Argument gefolgt, dass die Sanierung des Bodens mit der Unterschutzstellung der Bäume verhindert worden wäre.

Der Boden ist stark mit Schwermetallen belastet und die Sanierung entspreche gemäss Urteil durchaus öffentlichem Interesse. «Auch wäre die langfristige Überlebenswahrscheinlichkeit der Bäume gemäss Fachexperten sehr klein gewesen, hätten wir den belasteten Oberboden ersetzt, wie von der kantonalen Fachbehörde verlangt.» Trotzdem wären für die Geistlich Immobilia AG hohe Folgekosten angefallen. «Die Unterschutzstellung der Bäume wurde deshalb vom Gericht als unverhältnismässig betrachtet», so Geistlich weiter.

Mit dem Entscheid kann alt Stadtrat Jean-Claude Perrin leben. Er kennt das Dossier gut, hatte er doch damals als Bauvorstand den Gestaltungsplan mit der Geistlich Immobilia AG ausgehandelt. Er hätte den Erhalt der beiden Bäume begrüsst, sagt aber: «Es geht mir nicht unbedingt um diese zwei Bäume, aber um deren Funktion: Wenn wir die Stadt immer mehr verdichten, dann müssen wir auch bei der Landschaft etwas bieten. Es braucht eine Naturverdichtung.» So könnten Bauminseln beispielsweise wegfallende Grünflächen ausgleichen.

Ersatzbepflanzung ist geplant

Laut Gerichtsbeschluss ist tatsächlich eine Ersatzbepflanzung für die dereinst gefällten Bäume vorgesehen, wie auch Martin Geistlich bestätigt. «Wir haben zusammen mit unserem Rekurs bereits ein Bepflanzungskonzept für den neuen Rietpark eingereicht, darin sind auch Ersatzbäume enthalten.» Es seien vor allem einheimische Arten vorgesehen. So gibt es auch wieder einen Walnussbaum, nicht aber einen Mammutbaum. «Dafür haben wir Ersatz aus der gleichen Familie gefunden.»

Nicht äussern zum jüngsten Entscheid des Baurekursgerichts will sich der Schlieremer Stadtrat. Es handle sich um ein laufendes Verfahren, wie es auf Anfrage heisst. Ebenfalls keine Auskunft geben will die IG Blutbuche, die sich seinerzeit für das Schicksal der Buche vom Schlieremer Stadtplatz eingesetzt hatte und erwirkte, dass sie versetzt wird. Offen bleibt, warum die Bäume im Rietpark keine Fürsprecher fanden. Gegen den Entscheid des Gerichts kann noch bis 2. Juli rekurriert werden.