Dietikon

Die Zentrumsvereinigung wird sich auflösen — die Entscheide der Stadt brachen dem Verein das Genick

Der Bau der Limmattalbahn macht den Dietiker Detaillisten derzeit das Leben schwer. Nun löst sich auch noch das Sprachrohr des Dietiker Zentrums auf. Bild: Colin Frei (11. Oktober 2019)

Der Bau der Limmattalbahn macht den Dietiker Detaillisten derzeit das Leben schwer. Nun löst sich auch noch das Sprachrohr des Dietiker Zentrums auf. Bild: Colin Frei (11. Oktober 2019)

Die Vereinigung Zentrum Dietikon wird sich voraussichtlich im Januar auflösen. Mitten in der Limmattalbahn-Bauzeit verliert das Gewerbe sein Sprachrohr. Schuld trägt vor allem die Stadt. Der Schritt war absehbar ­– und wird doch bedauert.

Lange wurde darüber gemunkelt, nun herrscht traurige Gewissheit: In der Einladung zur ausserordentlichen Generalversammlung der Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD) vom 28. Januar steht unter Traktandum 5 die Auflösung der VZD. Die Zukunft des Vereins stand schon seit einem Jahr auf dem Spiel.

Schuld daran ist die Stadt: Zuerst hat sie den Aufgabenbereich der Standortförderung im Zentrum übernommen, dann strich sie dem Verein die Finanzierung der Geschäftsstelle. Anscheinend bedeuten diese Umstände nun definitiv den Genickbruch.

Märkte werden von der Stadt durchgeführt

Vollständig entschieden wird die Auflösung aber erst durch die Generalversammlung im Januar. Doch für Präsident Elio Frapolli ist der Schritt nur eine logische Schlussfolgerung: «Wir haben keine Aufgabe mehr.» Fiirabigmärt, Frühlingsmarkt, Herbstmarkt, Weihnachtsmarkt und Frischmarkt: Sie alle werden nun von der Stadt durchgeführt.

Die Märkte waren unter anderem das Rückgrat des Vereins. Sabine Billeter, die Leiterin der Geschäftsstelle, steckte viel Herzblut und Schweiss in deren Durchführung. «Sie machte einen Knochenjob», weiss Frapolli.

Indem die Stadt der Vereinigung den jährlichen Beitrag von 40'000 Franken strich, kann Billeters Stelle nicht mehr finanziert werden. Und ohne diese Stelle kann die VZD ihre Funktion nicht mehr wahrnehmen.

Mit Billeter verliert das Zentrum auch jemanden, der die kleinen Sörgeli und Ängstli des Dietiker Kleingewerbes kennt. «Die Stadt wird unsere Aufgabe zwar weiterführen», sagt Frapolli. «Aber sie wird das nicht im gleichen persönlichen Rahmen tun können.»

Die Limmattalbahn ist ein ­Prüfstein für die Detaillisten

Die Stadt hätte sich eine Zusammenarbeit vorstellen können, Standortförderer Adrian Ebenberger hätte auch gerne in den Vorstand der VZD Einsitz genommen. Doch weil Frapolli und weitere Vorstandsmitglieder demissionieren, brauchte die Zentrumsvereinigung weitere Mitglieder, die aufs neue Jahr den Vorstand gebildet hätten. Gefunden wurde aber niemand. «Wir werden von der Stadt wie ein Quartierverein behandelt», sagt Frapolli. «Das macht uns nicht mehr attraktiv genug für neue Vorstandsmitglieder.»

Zudem halte sich der Optimismus bei den Ladenbesitzern wegen der Bauerei und der Parkplatzsituation stark in Grenzen. Dass keine motivierten Leute gefunden wurden, bedauert der Präsident am meisten. Gerade in der Zeit der Limmattalbahn-Bau-Problematik wäre eine starke Positionierung der Zentrumsvereinigung wichtig gewesen.

Doch die Stadt hat eigene Ideen, wie das Gewerbe die zweieinhalb Jahre während des Baus überbrücken soll. Die Limmattalbahn wird zwar neues Leben in die Innenstadt bringen, aber davor bringt der Bau viel Lärm und erschwerte Verkehrsbedingungen – für Dietiker Detaillisten ein Prüfstein.

Die Stadt hat deshalb im Sommerhalbjahr 2019 den Ideenwettbewerb «Mitenand für Dietike» gestartet. 26 Projektideen sind eingegangen, sechs werden umgesetzt. Darunter beispielsweise die «Dietiker Wäppli» oder die «lange Bank für Dietikon».Während der Weihnachtszeit läuft nun auch die Aktion «Adventsfenster im Zentrum». In Ergänzung zu den Märkten wird die Stadt zudem auch im nächsten Jahr wieder ein Sommerfest durchführen.

«Das könnte die Chance für einen Neubeginn sein»

Die Standortförderung steht in engem Kontakt mit den Detaillisten, wie Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) sagt. «Wir haben festgestellt, dass die Sinnfrage nach der VZD gestellt wird, es an diversen Orten aber auch zu einem Generationenwechsel kommt», sagt Bachmann. «Das könnte die Chance für den Beginn einer neuen Organisation mit neuer Ausrichtung und neuen Ideen sein.» Die Stadt werde ihr bisheriges Engagement sicherlich aufrechterhalten.

In Bezug auf die Zentrumsbelebung fordert Bachmann aber auch die Beteiligung der Grundeigentümer, Detaillisten und Konsumenten. «Nur gemeinsam wird es uns gelingen, das Zentrum in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.» Bachmann ist zuversichtlich, aber auch wehmütig: «Wir bedauern den Entscheid der VZD.»

Vereinsvermögen geht an den Gewerbeverein Dietikon

Noch ein Jahr lang wird die Zentrumsvereinigung bestehen. Dies wegen der momentan laufenden Gutscheine, die das Zentrum während dem Bau der Limmattalbahn attraktiver machen sollen. Im Januar 2021 wird die Vereinigung dann liquidiert. Das restliche Vereinsvermögen von knapp 3000 Franken geht an den Gewerbeverein Dietikon, mit dem die Vereinigung in engem Kontakt steht. «Ich finde es schade, dass es so weit kommen musste», sagt Alfons Florian.

Er blickt aber auch in die Zukunft: «Wir eruieren derzeit zusammen, was mit dem Vermögen geschehen soll», sagt der Gewerbevereinspräsident. «Wir wünschen uns beide, dass das Geld in den Mitgliederbeitrag derjenigen fliesst, die von der VZD neu zu uns kommen oder die bereits Doppelmitglieder sind.» Zudem hofft Florian, dass ein Detaillist in den Vorstand kommt, um die Sorgen des Zentrums stärker in den Fokus des Gewerbevereins zu rücken.

Auch VZD-Präsident Frapolli konzentriert sich lieber auf die Zukunft: «Der Ball liegt nun bei der Stadt. Wir haben abgeschlossen.» Es sind klare Worte, ohne viel Bedauern, ohne grosse Emotionen. «Was will man machen? Ich bin Realist», sagt Frapolli. «Ich hoffe einfach, die Stadt realisiert ihre Aufgabe, das Zentrum zu beleben und den Leerbestand zu füllen. Das Zentrum muss ein Ankerpunkt für den regionalen Einkauf sein.»

Meistgesehen

Artboard 1