Zehn Jahre lang führte Dina Thoma als Wirtin das Restaurant «Stürmeierhuus». Nun hat sie genug: Per Ende Oktober kündigte sie den Mietvertrag mit der reformierten Kirche, der das Gebäude gehört. Der Grund: Das Wirten habe sie sehr viel Energie gekostet, erklärt Thoma auf Anfrage: «Ich will deshalb aufhören, bevor ich körperliche Schäden davontrage.»

Als ihre Vorgänger, das Ehepaar Holbein, 2004 nach nur vier Jahren aufgaben, kam in Leserbriefen Kritik auf. Unter anderem habe die Vergaberegelung für die Säle in den zwei Geschossen über dem Restaurationsbetrieb zu Reibereien zwischen dem Wirteehepaar und der Reformierten Kirchenpflege geführt, hiess es damals. Diese Räumlichkeiten nutzen reformierte Kirche, katholische Kirche und Stadt als Gemeinschaftszentrum. Sie sind betrieblich vom Restaurant im Erdgeschoss getrennt.

Das Reglement der Saalvergabe habe sie während der vergangenen zehn Jahre nie gestört, sagt Thoma: «Ich hatte mit der reformierten Kirchenpflege keine Probleme.» Wenn es wegen der Vermietung der Säle zu Knatsch gekommen sei, so seien die Mieter dafür selbst verantwortlich gewesen, erklärt die 61-Jährige.

Das Problem: Bei der Saalnutzung haben die Kirchen und die Stadt ein Vorrecht. Vereine und Privatpersonen können aber einen Saal für ein Bankett mieten und das Catering des Restaurants Stürmeierhuus in Anspruch nehmen. Wenn Gäste auf Thoma zukamen, um einen Anlass zu organisieren, musste die Wirtin allerdings erst mit der reformierten Kirche abklären, ob am betreffenden Datum überhaupt ein Saal frei ist. Einzelne Interessenten sind ihr aber zuvorgekommen und haben bei der reformierten Kirche einen Raum reserviert, ohne dass Thoma davor Abklärungen für die Rekrutierung des zusätzlichen Personals oder betreffend die vorhandenen Kapazitäten hätte vornehmen können. «Wenn Gäste uns und die Kirche so gegeneinander ausspielten, hatte das teilweise unangenehme Folgen für uns», sagt Thoma.

Das Problem mit der bestehenden Betriebsregelung im Stürmeierhuus sei, dass in der Schlieremer Bevölkerung die Vorstellung bestehe, dass das Gebäude — und damit auch der Restaurationsbetrieb — der Kirche und deshalb den Stadtbewohnern gehöre. «Dabei vergessen viele, dass wir einen normalen Mietvertrag mit der reformierten Kirche haben und als Betrieb autonom funktionieren», so Thoma.

Das Restaurant bleibt ab Anfang Oktober bis auf weiteres geschlossen. Die Kirchenpflege will für das Restaurant so rasch wie möglich eine gute Nachfolgeregelung treffen, wie Jean-Claude Perrin, der Ressortvorsteher Liegenschaften der reformierten Kirche sagt. Bevor nach einem neuen Mieter gesucht wird, will er eine Auslegeordnung zur künftigen Ausrichtung des Restaurants machen. «Dabei soll auch abgeklärt werden, wie Probleme bei der Saalvermietung künftig verhindert werden könnten», sagt Perrin.

Eine mögliche Lösung könnte etwa darin bestehen, dass die Vergabe der Säle künftig nur noch über das Sekretariat der reformierten Kirche läuft und der neue Wirt bei Bedarf hinzugezogen wird. Oder umgekehrt könnte auch der Mieter des Restaurants «Stürmeierhuus» die Säle selbstständig verwalten — unter der Bedingung, dass den Kirchen und der Stadt weiterhin das Nutzungsvorrecht eingeräumt wird.

Wird Betriebskonzept Pflicht?

Die Neuorientierung, welche Perrin der Kirchenpflege vorschlagen wird, schürft aber tiefer: «Im Raum steht etwa die Frage der Betriebsform und ob das Restaurant einem Betriebskonzept unterstellt werden soll», sagt er. Bisher konnten die Betreiber vollumfänglich selber schalten und walten. Ausserdem wünscht sich Perrin einen Kriterienkatalog, nach welchem Bewerbungen von potenziellen Mietern verglichen werden können.

Und wann werden die Schlieremer wieder im «Stürmeierhuus» einkehren können? «Die Kündigung ist eben erst eingetroffen. Ein Wiedereröffnungsdatum kann zu diesem Zeitpunkt keinesfalls festgelegt werden», sagt Perrin. Denn: Die Abklärungen, welche die Kirchenpflege nun vornehmen müsse, dauerten «sicher eine gewisse Zeit».