Limmattal

Die Widerständler freuen sich über ihren Sieg

Sanieren und ausbauen – diese neuen Pläne verfolgen die SBB mit der Dietiker Ortsgüteranlage. S. Rüesch

Sanieren und ausbauen – diese neuen Pläne verfolgen die SBB mit der Dietiker Ortsgüteranlage. S. Rüesch

Das Gateway ist am Ende – dafür wird die Kapazität der Ortsgüteranlage von 120 auf 300 Container täglich erhöht. Im Limmattal ist man erleichtert. Doch der angekündigte Ausbau der Ortsgüteranlage hinterlässt einen schalen Beigeschmack.

Die Meldung hat sich gestern wie ein Lauffeuer verbreitet – das Gateway Limmattal wird doch nicht gebaut. Auf der Redaktion der Limmattaler Zeitung erkundigten sich Neugierige, ob die Nachricht wahr sei. Sie ist es. Nach 15 Jahren der Diskussion und der Planung verzichten die SBB auf das 160-Millionen-Franken-Vorhaben beim Rangierbahnhof Limmattal. Dies gaben sie gestern bekannt.

Der Triumph

Entsprechend gross war die Freude im Limmattal, um nicht zu sagen riesig. Karin Boog, Präsidentin des Komitees «Gateway: so nicht!», das weit über tausend Personen aus der Region vertritt, sprach von einem «Triumph». Der jahrelange Kampf habe sich gelohnt. Otto Müller, Dietikons Stadtpräsident, spricht von einer «höchst erfreulichen Nachricht». Selbst der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker begrüsst den Abbruch des Projekts: «Es freut mich, dass mit dieser Lösung den Bedenken aus der Region Rechnung getragen wurde.»

Von «Bedenken» zu sprechen wie Stocker – ist untertrieben. Im Limmattal war über Jahre Widerstand angesagt. Noch mehr Verkehr und noch mehr Lärm wollte die ohnehin belastete Region nicht akzeptieren. Nicht nur wurde öffentlich gegen das Gateway Stimmung gemacht. Limmattaler Politiker war es 2006 gelungen, den SBB über den Kantonsrat Steine in den Schienenweg zu legen und einen Modalsplitt durchzusetzen. Dies mit der Konsequenz, dass beim Gateway 80 Prozent der Container per Bahn hätten weitertransportiert werden müssen. Branchenkenner zweifelten, dass die SBB dies hätten einhalten können – was das Projekt gefährdete.

Die Stadt Dietikon hatte da schon längst gedroht, bis vor Bundesgericht gegen das Projekt ankämpfen zu wollen. Auch die zweite Standortgemeinde Spreitenbach war dazu bereit. Schliesslich warben die Limmattaler für den Terminal in Rekingen am Rhein als Gateway-Ersatz.

Der Anfang vom Ende

Die SBB wollten lange nicht hören. Als im letzten Jahr dann die Transport- und Logistikbranche das Gateway ebenfalls ablehnte und das Bundesamt für Verkehr den Streithähnen daraufhin eine Mediation verordnete, war dies aber der Anfang vom Ende.

Die Folge: Die SBB haben ihre Terminalstrategie letztes Jahr an den zwei Konferenzen mit der Transport- und Logistikbranche abgeändert. Statt zwei Gateways – eines in Basel und eines im Limmattal – wird seither nur noch jenes am Rhein weiterverfolgt. Container sollen dort zwischen Schiff, Bahn und Lastwagen umgeladen werden können. In der übrigen Schweiz wollen die SBB regionale Terminals ausbauen. Das war bekannt.

Neu ist, dass die Planung für das Gateway Limmattal doch gestoppt wird. Denn bislang wollten die SBB das Projekt nur aufschieben – bis wirtschaftlich bessere Zeiten kommen. Die SBB begründeten ihren Verzicht gestern mit den Abmachungen der Terminalkonferenz.

Es ist aber auch das Eingeständnis, dass es ein Gateway im Limmattal nicht braucht. Lange hatten die SBB die sehr verhaltenen Wachstumsprognosen der Branche ignoriert und von zweistelligen Zuwachsraten im Containerverkehr geträumt. Das scheint nun korrigiert.

Doch zur containerfreien Zone wird das Limmattal nicht. Die SBB wollen nämlich die Ortsgüteranlage Dietikon ausbauen, wie sie gestern ebenfalls mitteilten. Das Projekt ist aber noch in der Ausarbeitungsphase.

SBB sorgen für Verstimmung

In Dietikon löst diese Ankündigung bei Stadtpräsident Otto Müller bereits wieder Verstimmung aus: «Ich halte es für sehr ungeschickt von den SBB, mit der Information des Gateway-Stopps gleich den Ausbau der Ortsgüteranlage zu kommunizieren.» Die SBB hätten die Sache ruhen lassen und dann mit dem konkreten Projekt an die Öffentlichkeit treten können, so Müller.

Die gemischten Gefühle im Dietiker Stadthaus verwundern nicht – und zwar wegen des an den Rangierbahnhof anschliessenden Entwicklungsgebiets Niderfeld. Einerseits ist Müller froh, dass das Gateway vom Tisch ist, was die Attraktivität des geplanten Stadtteils erhöht. Doch eine ausgebaute Ortsgüteranlage könnte diese bereits wieder schmälern. Kein Wunder verkündet Müller bereits jetzt: Sollte ein Projekt vorliegen, werde man es sehr genau studieren.

Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker hingegen unterstreicht die Notwendigkeit für den Ausbau der Ortsgüteranlage. Sie stelle für den Wirtschaftsstandort Zürich und für das Limmattal eine wichtige Drehscheibe für den kombinierten Verkehr dar. Ein Ausbau befriedige die steigende Nachfrage. Allerdings sei die Anbindung an das übergeordnete Strassennetz zu verbessern, so Stocker.

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