Die Limmattalbahn bewegt – und bewegt sich. Ende des Jahres wird mit der Beendigung des Vorprojekts die erste Phase der Projektierung abgeschlossen. Wie geht es jetzt weiter? Dominik Brühwiler, Leiter Verkehrsplanung beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV), Georg von Graefe, Projektleiter öV des Kantons Aargau, sowie Daniel Issler und Julie Stucki von der Limmattalbahn AG luden gestern zum Hintergrundgespräch.

Welches ist der aktuelle Projektstand?

Das Vorprojekt, das seit Mitte 2010 läuft, wird Ende 2011 abgeschlossen. Derzeit ist das Projekt zur freiwilligen Vorprüfung unter anderem bei Gemeinden und den Kantonen. Nach Berücksichtigung der Stellungnahmen wird anfang 2012 beim Bund das Gesuch für die Infrastrukturkonzession eingereicht. Ebenfalls 2012 starten Bau- und Auflagenprojekt. Dabei wird der Kontakt mit den Landeigentümern des geplanten Trasseeverlaufes gesucht.

Warum kann eine Buslinie die Limmattalbahn nicht ersetzen?

Die Limmattalbahn soll zu 92 Prozent auf Eigentrassee fahren. Dadurch ist sie schneller und zuverlässiger als ein Bus, der sich in den normalen Verkehr einfügen muss. Den Bus auf einem Eigentrassee fahren zu lassen, ist laut den Verantwortlichen keine Lösung und nicht einmal viel billiger: «Schienen und Leitungen sind nicht die grossen Budgetposten, sondern der Landerwerb und die Gestaltung», so Dominik Brühwiler vom ZVV. Ausserdem würde die Limmattalbahn gegenüber einem Bus über eine doppelt bis dreifach so grosse Kapazität verfügen. Zudem sei der Komfort bei der Stadtbahn höher ebenso wie die Beliebtheit bei den Nutzern.

Warum braucht es das 2er-Tram?

Das Tram ersetzt die heute bestehenden Buslinien. Dafür braucht es kein zusätzliches Trassee. Limmattalbahn und 2er-Tram fahren auf denselben Gleisen. Das wichtige Gebiet zwischen Schlieren und Altstetten kann so besser an das Verkehrsnetz der Stadt Zürich angeschlossen werden.

Warum braucht es eine Limmattalbahn?

Die S-Bahn bleibt im Bereich öV die Hauptschlagader im Limmattal. Die Limmattalbahn ist als schneller Feinverteiler, also für kurze Distanzen gedacht. Sie fährt von Zürich Altstetten nach Killwangen-Spreitenbach und bedient auf der 13 Kilometer langen Strecke 27 Haltestellen in Altstetten und in den Gemeinden Schlieren, Urdorf, Dietikon, Spreitenbach und Killwangen. Sie soll die S-Bahn und das Strassennetz entlasten – nicht zuletzt im Hinblick auf das bis 2030 prognostizierte Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum von bis zu einem Drittel beziehungsweise zwei Dritteln (entlang der künftigen Linienführung, das heisst im 400-Meter-Einzugsgebiet).

Es sei der politische Wille der Kantone, den Mehrverkehr zu 50 Prozent auf den öV zu lenken, so Georg von Graefe. «Der öV ist aber nur attraktiv, wenn er pünktlich ist und die Anschlüsse gewährleistet werden können.»

Profitiert der Aargau oder Zürich mehr von der Limmattalbahn?

«Da in beiden Kantonen Stimmen laut würden, der jeweils andere Kanton würde mehr vom Projekt profitieren, sind wir wohl auf dem richtigen Weg», sagt Daniel Issler. Der Kanton Aargau ist zu einem Viertel, der Kanton Zürich zu drei Vierteln am Projekt beteiligt.

Rund einen Drittel der Kosten von 600 bis 700 Millionen Franken soll der Bund im Rahmen des Agglomerationsprogramms Limmattal übernehmen.

Wie passt die Limmattalbahn in die Gesamtverkehrsstrategie?

Die Limmattalbahn gilt als Teil der politischen Stossrichtung, das Limmattal in eine starke, einheitliche Stadtlandschaft mit hoher Lebensqualität zu verwandeln. Sie ist ausserdem das Kernstück des Agglomerationsprogramms Limmattal der Kantone Zürich und Aargau. Strategie der Kantone ist es, den Durchgangsverkehr auf die Überland- beziehungsweise die Bernstrasse zu verlegen und so die Zentren von Dietikon und Schlieren zu entlasten.

Warum gibt es heute kein ergänzendes Buskonzept?

«Ein Buskonzept, zehn Jahre im Voraus erstellt, wäre das Papier nicht wert», sagt Brühwiler vom ZVV, noch zu viel würde sich bis dahin ändern. Die Busanschlüsse würden aber auf die Limmattalbahn ausgerichtet.

Wann wird die Limmattalbahn eröffnet?

Im Jahr 2012 wird das Konzessionsgesuch eingereicht und das Bauprojekt gestartet. Anfang 2014 wird das Projekt öffentlich aufgelegt, die Plangenehmigung läuft. Ab 2015 läuft die Ausschreibung, ab 2017 soll das Projekt realisiert werden. In Betrieb genommen werden soll die Limmattalbahn 2020.

Wer steht hinter der Limmattalbahn AG?

Die Limmattalbahn wurde im März 2010 im Auftrag der Kantone Zürich und Aargau gegründet und besteht aus Verwaltungsrat und Gesamtprojektleitung. Diese arbeitet mit Experten, Stabstellen (Recht, Bauherrenunterstützung), Querschnittsmandaten (Gestaltung, Umwelt, Verkehr etc.), Behördendelegationen, Fachdelegationen und Interessengruppen zusammen.