Der Übergang vom Outback zur Küstenregion von Queensland ist unglaublich. War das Land eben noch staubtrocken und nur mit ein paar Büscheln von vertrocknetem Gras bedeckt, ist nun alles grün.

Flüsse und Bäche führen wieder Wasser, von Felskanten stürzen sich Wasserfälle in die Tiefe. Wie sehr ausreichende Niederschläge eine Landschaft verändern können, bekommen wir hier vor Augen geführt. Auf den Feldern wachsen Zuckerrohr, Bananen, Mangos. Gut genährte Milchkühe grasen auf saftig grünen Wiesen.

West-Ost-Durchquerung vollbracht

Nur noch einige Kilometer sind zu fahren und wir haben die Küste erreicht, die uns mit türkisblauem Wasser, grünen Kokospalmen und schneeweissem Sand erwartet. Ein Ozean liegt vor uns, der Pazifik. Begeistert stürzen wir uns in die Fluten. Unsere West-Ost-Durchquerung des Kontinents ist vollbracht.

In Airlie Beach versuchen wir uns als Seeleute. Für drei Tage haben wir auf einem Zweimaster-Segelschiff angeheuert. Den Skipper finden wir am Anfang nicht sehr vertrauensvoll. Er erweist sich aber später auch in stürmischen Zeiten als zuverlässig. Und diese kommen prompt, sobald wir den schützenden Hafen verlassen haben. Unser Segeltörn führt uns zu den verschiedenen Inseln der Whitesunday Gruppe im Great Barrier Reef. Ihren Namen erhielten sie von Kapitän Cook, der sie an Pfingsten des Jahres 1770 entdeckte.

Wenn möglich segelt unser Skipper im Schutze der Inseln. Oft aber geht es über das offene Meer. Dann haben wir das Gefühl, auf einer Achterbahn unterwegs zu sein und werden immer blasser. Zum Glück kommen auch immer wieder Buchten mit ruhigem Wasser. Dort können wir ausgiebig schnorcheln oder Seekajak fahren.

Die Inseln und die Strände sind traumhaft, doch die wahre Pracht versteckt sich unter der Wasseroberfläche. Hier liegen die schönsten und farbenprächtigsten Korallengärten, grosse Schwärme prachtvoller Fische schwimmen dazwischen und auf dem Grund liegen bunte Seesterne. Die Unesco hat dieses grösste Riff der Erde zum Weltnaturerbe erklärt.

Rodeo: mehr als nur Wettbewerb

In Murrurundi, einem kleinen Städtchen im Hinterland, geht das Leben das ganze Jahr über seinen gewohnten Gang. Doch an diesem Wochenende ist ein Rodeo angesagt. Von weit her kommen die Farmer und Pferdezüchter angereist. Wir merken schnell, dass ein Rodeo mehr als nur ein Wettbewerb ist: Es ist ein gesellschaftliches Ereignis. Man trifft sich, Neuigkeiten und Erfahrungen werden ausgetauscht, Beziehungen geknüpft und vielleicht sogar die eine oder andere Ehe angebahnt.

In Australien wird am Anfang jeder Veranstaltung die Nationalhymne gespielt. Alle Zuschauer stehen stramm, Reiter mit Fahnen der Gliedstaaten umkreisen die Arena. Und dann geht es los, sechs Disziplinen stehen auf dem Programm. Zuerst fängt ein Stockmann (so wird der Reiter hier genannt) hoch zu Ross ein Kalb mit dem Lasso ein. Dann steigt er ab und bindet ihm die Beine zusammen. Die besten brauchen dafür gerade einmal zehn Sekunden.

Noch kürzer dauert das «steer wrestling», das Niederringen eines jungen Stieres. Der Stockmann stürzt sich im vollen Galopp von seinem Pferd auf das Tier, packt es an den Hörnern und zwingt es zu Boden. Beim Rennen um aufgestellte Fässer quer durch die Arena beteiligen sich auch Frauen. Und sie stehen ihren männlichen Kollegen an Schnelligkeit und Geschicklichkeit in nichts nach. Dagegen bleibt das Reiten auf ungezähmten Pferden eine reine Männersache.

11 Sekunden für den Sieg

Der Höhepunkt eines Rodeos ist und bleibt aber das Reiten auf Bullen. Wenigstens ein paar Sekunden auf dem Rücken der kräftigen Stiere zu sitzen und nicht mit seinen Hufen oder Hörnern Bekanntschaft zu machen, verlangt eine grosse Portion Mut und viel Geschick. Der Sieger schafft es, ganze 11 Sekunden oben zu bleiben. Jeder Auftritt - auch wenn er nur zwei bis drei Sekunden dauert - wird von den Zuschauern frenetisch beklatscht. Für die Australier sind die Bullenreiter die wahren Helden eines Rodeos.