Den meisten fallen die dicken weissen Linien am Bahnhof Dietikon nicht auf. Für andere sind sie umso wichtiger, wie Andreas Kaufmann sagt: «Der Standort Dietikon ist für uns in den letzten vier Jahren immer besser geworden, nicht zuletzt dank der Leitlinien». Kaufmann ist Leiter des Ateliers und Begegnungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Dietikon. Zusätzlich sei Dietikon gut zu erreichen und liege optimal zwischen Zürich und dem Aargau.

Vielseitiges Angebot für Behinderte

In seiner Aufgabe als Leiter befasse er sich jedoch nicht nur mit der Administration. «Es sind teilweise Menschen mit sehr harten Schicksalen, denen wir hier begegnen». Dann gehe seine Arbeit als Leiter auch schon Mal in eine therapeutische Richtung. Es sei wichtig, dass die Betroffenen sich nicht zu Hause verstecken würden, sondern nach draussen gingen und da sei das Zentrum eine Anlaufstelle. Dieses gibt es nun seit vier Jahren.

Es ist einerseits dafür da, Menschen mit einer Sehbehinderung eine Plattform zur Beschäftigung zu bieten und andererseits auch ein Ort für Treffen und Gespräche. «Man kann sich austauschen und neue Leute kennen lernen», sagt Kaufmann. Die grosszügigen Räumlichkeiten im Industriegebiet bieten Werkstätte für jedes erdenkliche Handwerk. Von Töpfern über Lederverarbeitung bis zum gemeinsamen Kochen ist hier alles möglich.

Zwei Jahre bis es läuft

«Anfangs hatten wir einen harzigen Start, aber nun läuft es immer besser», sagt Kaufmann. Aus der Erfahrung anderer Institutionen habe man gewusst, dass es etwa drei Jahre dauern würde, bis alles rund laufe und genau so sei es gewesen. «Heute haben wir an den drei geöffneten Tagen der Woche im Durchschnitt etwa zehn Personen im Atelier.» Dies könne aber auch mal wesentlich mehr sein.

Auch was die Besucher am liebsten machen, wechsle häufig. «Momentan sind Mosaike sehr beliebt. Aber auch die gestrickten Finken, welche anschliessend in der Waschmaschine verfilzen, sind ein Renner.» Diese Finken werden nun auch verkauft, ansonsten wird alles für den Eigengebrauch der Besucher hergestellt. Auch das ständig wachsende Kursangebot – beispielsweise Yoga oder Malen – sei sehr gut besucht.

Auf Spenden angewiesen

Finanziert wird das Zentrum über Spenden und Gelder des Kantons, denn eine kommerzielle Produktion in den Werkstätten gibt es nicht. Und solange die Verwandten und Bekannten der Besucher noch Platz für neue Geschenke haben, wird dies laut Kaufmann auch nicht angestrebt. Der Leiter ist deshalb ständig um Spenden bemüht. «Viele der Gegenstände im Atelier wurden gespendet und ohne diese Unterstützung würde es uns nicht geben», sagt er.

Der Tag der offenen Tür findet am morgigen 23. Juni von 10 bis 17 Uhr statt.