Nach 32 Jahren versammeln sich am Samstag auf dem geschichtsträchtigen Wagi-Areal wieder Menschen von nah und fern, um die Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren hochleben zu lassen. Die Wagi, wie sie noch immer genannt wird, prägte die Stadt. Jetzt ist sie mit einem eigenen Museum in Schlieren präsent und lädt zu einer Exkursion in die Vergangenheit ein. So kehrt die Wagi nach der aufsehenerregenden Schliessung zurück nach Hause.

Der Verein Historic Schlieren, der das historische Erbe des Unternehmens betreut, errichtete mehr als nur einen Ausstellungsraum. «Es war uns wichtig, dass der Raum einen musealen Charakter erhält», sagt Patrick Bigler, Projektleiter des Vereins. Die Rede ist von 120 Quadratmetern im dritten Stock an der Wagistrasse 13, auf denen das Museum nach einem Konzept des Vereins entstand. Zu diesem Zweck wurden die Wände grau gestrichen und die Fenster verdunkelt, damit Spots die Bilder und Ausstellungsstücke ideal beleuchten. Zusätzlich wurden zwei Plattformen errichtet, ein Podest und eine Galerie, die den Raum in die Höhe erweitern.

Der schnellste Lift der Welt

Das Ressort Aufzüge, für das Vereinsbeisitzer Erwin Hadorn verantwortlich ist, dominiert den Bereich beim Eingang. Zu sehen ist etwa der alte Antrieb des einst schnellsten Lifts der Welt aus dem Atomium in Brüssel. «Schlieren stach damit 1958 die Konkurrenz aus und war so an der Weltausstellung präsent», sagt Hadorn mit Stolz. Die berühmten Wagons hingegen sind mit diversen Modellen und Informationen zur langen Geschichte des Schienenfahrbaus auf dem Podest präsent.

Auf der Galerie sind Fotografien, Dokumente zur Firmengeschichte oder Utensilien aus allen Epochen ausgestellt. Besonders stolz ist Bigler auf eine Lokomotivlampe aus dem Jahr 1895. «Viele zeigten bereits Interesse an ihr, aber wir wollen die Lampe behalten.» Im Museum findet auch das Archiv des Vereins Platz, sowie weitere Informationen zu den Arbeitsfeldern der Wagi, wie die Fahrtreppen oder den Flugzeugbau. Auch ein Modell der Fabrikanlage ist zu sehen.

Geöffnet wird das Museum an ausgewählten Tagen, die auf der Webseite des Vereins ausgeschrieben sind. Gruppen oder Schulklassen können auch einen Termin ausserhalb der Öffnungszeiten vereinbaren. Vereinsmitglieder werden jeweils anwesend sein und Führungen übernehmen. Im Museum sorgen zusätzliche Informationstafeln für das nötige Wissen.

Wagi-Speisewagen geplant

Damit zur Eröffnung alles bereit ist, legten Bigler und Hadorn Nachtschichten ein. Aber von Müdigkeit fehlt bei ihnen jede Spur. «Wir freuen uns sehr auf diesen Tag, schliesslich haben wir lange darauf hingearbeitet», so der Projektleiter. Finanziell unterstützt wird das Museum von Schindler, dem ehemaligen Konkurrenten der Wagi, der Gewerbe- und Handelszentrum Schlieren AG sowie von der Stadt, deren Präsident Toni Brühlmann-Jecklin die Eröffnungsrede halten wird.

Der Verein Historic Schlieren hat noch grosse Pläne. «Wir können nur einen Bruchteil unserer Sammlung zeigen», so Bigler. Daher werde das Wagi-Museum einem stetigen Wandel unterworfen. Im Besitz ist man mittlerweile von einem 1912 erbauten SBB C3 Wagon. «Wir wollen ihn renovieren und zu einem Speisewagen mit Gastronomieangebot ausbauen, der dann auf dem Wagi-Areal stehen soll.» In spätestens drei Jahren soll es soweit sein.