Weihnachten

Die Vorbereitungen für das Festmenü beginnen bereits im Sommer - so fiebern die Italiener den Feiertagen entgegen

David Serratore freut sich auf das kalabrische Festmahl.

David Serratore freut sich auf das kalabrische Festmahl.

Die kalabrische Weihnacht ist geprägt von grossen Portionen und Teiggebäck. Der Dietiker David Serratore weiss, auf was es beim italienischen Fest ankommt.

Die Italienerinnen und Italiener gehören zu den am stärksten vertretenen ausländischen Bevölkerungsgruppen im Bezirk Dietikon. Interessant ist dabei, dass viele von ihnen aus demselben Ort oder derselben Region stammen. Dietikon stellt zum Beispiel die Hochburg der Sanpietresi dar. Die Wurzeln von rund 1500 hier wohnhaften Italienern liegen im kalabrischen Dörfchen San Pietro a Maida, das selbst nur etwa 4000 Einwohner zählt.

Einer davon ist der ehemalige Präsident des Kartells der Ortsvereine Dietikon David Serratore. Damit die Kultur des Heimatdorfes seiner Eltern nicht vergessen geht, gründete der Dietiker mit Mario Gullo 2009 den Verein Associazione Sanpietresi. «Der Verein ist aber auch ein Ausdruck von Dankbarkeit an die Schweiz. Speziell gilt unser Dank dem Limmattal und Dietikon dafür, dass unsere Eltern und die erste Generation so gut aufgenommen wurden», sagt Serratore. Insgesamt hat die Associazione Sanpietresi rund 200 Mitglieder. «Bis vor einigen Jahren haben wir für die ökumenische Kirche Dietikon Freiwilligenarbeit geleistet und für ältere Menschen gekocht.»

«Zeppole» werden an Weihnachten bei den Sanpietresi aufgetischt.

«Zeppole» werden an Weihnachten bei den Sanpietresi aufgetischt.

Die ganze Familie an einen Tisch bringen

Kochen und Essen spielt in Italien eine bedeutende Rolle, so auch bei den Sanpietresi, die sich vor allem in der Weihnachtszeit manifestiert. Das Festmenü ist so wichtig, dass die Vorbereitungen dafür bereits im Sommer beginnen. «Wir stellen Würste und Salami wie etwa die Soppressata, Käse, Pasta oder Wein selbst her», verrät Serratore. Die Weihnachtsmenüs- und die -festlichkeiten würden von Familie zu Familie variieren. «Im Zentrum steht aber klar das Familienerlebnis. Man versucht alle zusammenzutrommeln und an einen grossen Tisch zu bringen, um gemeinsam die schwere kalabrische Küche zu geniessen», sagt der 38-Jährige und lacht. Kalabrien sei bekannt für seine grossen Portionen. «Man isst tendenziell viel zu viel und sitzt stundenlang am Tisch. Weihnachten ist ein Kampf für die Leber.»

Eine typische Weihnachtsspeise aus San Pietro a Maida sind die «Zeppole». «Das ist ein frittiertes Gebäck aus Mehl, Kartoffeln und Hefe, das man salzig gefüllt mit Sardellen und Rohwurst oder süss gefüllt mit Rosinen und Zucker darüber essen kann», sagt Serratore. Auch an anderen Orten Italiens wird das Gebäck in diversen Formen oder zusätzlich mit Vanillesauce und Amarenakirschen angeboten. Besonders seien die Umzüge in der Weihnachtszeit in San Pietro a Maida. «Man geht mit Zampogne, italienischen Sackpfeifen, die früher vornehmlich von Hirten benutzt wurden, spielend durch das Dorf», sagt Serratore. Zudem gebe es ein Weihnachtsdörfchen. «Dort zeigt man altes Handwerk, zum Beispiel wie man Brot herstellt und setzt weniger auf den Verkauf von Produkten.» Serratore wird die Weihnachtszeit wie üblich in San Pietro a Maida bei seinen Eltern, die wieder ins Heimatdorf zurückgezogen sind, verbringen. «Ich freue mich auf meine Familie und das viele Essen.»

Autor

Sibylle Egloff

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