Dietikon
Die vielen Überbauungen machen dem Waldkauz zu schaffen

Im Dietiker Honeret-Wald leben nur noch wenige Waldkauz-Paare – viele Überbauungen machen den Tieren zu schaffen. Der Vogelschutzverein Dietikon lud zur jährlichen Eulenbalz. Die Exkursion fand bei tiefen Temperaturen statt. Auch der Waldkauz fror.

Kathrin Fink
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In Dietikon kämpfen die Waldkäuze derzeit genauso wie die Menschen mit den frostigen Temperaturen. Ihre Artgenossen in Südamerika haben es da gemütlicher.

In Dietikon kämpfen die Waldkäuze derzeit genauso wie die Menschen mit den frostigen Temperaturen. Ihre Artgenossen in Südamerika haben es da gemütlicher.

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Ein eisiger Wind weht am Freitagabend vor dem Eingang zum Honeret-Wald in Dietikon. Vier gut eingepackte Gestalten wollen heute die Eulen beim Balzen beobachten. Die Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Dietikon, Christa Glauser, leitet die Exkursion: «Die Eulenbalz hat Tradition in unserem Verein, das machen wir seit 50 Jahren.»

Im Honeret-Wald ist nur noch eine Eulen-Art anzutreffen, der Waldkauz. Und dieser mag die eisigen Wetterverhältnisse genauso wenig wie der Mensch. Christa Glauser sagt gleich zu Beginn, die Suche werde heute schwierig: «Tiefe Temperaturen und Wind haben sie wirklich überhaupt nicht gerne.»

Auf der Suche nach dem Waldkauz im Dietiker Honeret-Wald.

Auf der Suche nach dem Waldkauz im Dietiker Honeret-Wald.

Kathrin Fink

Die Gruppe läuft tief in den Wald hinein, bleibt an gewissen Punkten stehen und hört Christa Glausers Erzählungen über verschiedene Eulen-Arten zu. Wenn die Eulen-Expertin einen Platz als geeignet ansieht, nimmt sie ihre Pfeife aus der Jackentasche und ahmt den Ruf des männlichen Waldkauzes nach.

Da im Januar und Februar Balzzeit ist, müssten so die Weibchen angelockt werden. Aber auch die Männchen kämen, um zu schauen, welche Konkurrenten sie beim Umgarnen der Weibchen eventuell vertreiben müssen. Doch die wenigen Käuze, zirka drei Pärchen, die noch im Honeret-Wald leben, lassen auf sich warten.

Christa Glauser erklärt unterdessen, wie Eulen jagen, was sie essen und wie sie ihre Jungen aufziehen. Sie hat extra Eulenfedern als Anschauungsobjekt mitgenommen. Die pelzige Struktur und die unebenen Enden sorgen für einen absolut lautlosen Flug – und Angriff. Beim zirka dritten Versuch, die Käuze anzulocken, glaubt Christa Glauser etwas gehört zu haben. Die Gruppe ist mucksmäuschenstill und horcht in den dunklen Wald hinein. Nach einigen Sekunden einigt man sich, dass das Geräusch wohl eher von einem knarrenden Baum kam, als von einer Eule. Doch Christa Glauser gibt nicht auf.

Als sie noch Kind war, hätte man in diesem Wald sehr schnell und einfach Käuze angetroffen. Aber die vielen Überbauungen im Raum Dietikon machen es dem Waldkauz und anderen Eulen-Arten schwer. «Sie bräuchten mindestens eine Baumlänge Platz um den Waldrand», sagt Glauser. Der Waldrand ist ein beliebtes Jagdgebiet von Eulen, das durch zu nahes Bauen verloren geht.

Das ist wohl auch das Fazit des Abends: Es gibt zu wenig Käuze und die, die noch da sind, frieren genauso, wie die Menschen, die nach ihnen suchen. Der Waldkauz zeigt sich in dieser Nacht nicht. Der Frust der Gruppe hält sich allerdings in Grenzen, lockt doch zu Hause ein warmes Bett ohne Schneeteppich.