Begegnungen
Die Urdorferin erteilt mit Freude Deutschkurse für Ausländer

Jutta Kempf schätzt die vielen freundlichen und motivierten Teilnehmer in ihren Kursen. Das Praktikum in einem Schweizer Heim für behinderte Kinder war Auslöser für sie, in Fribourg und Bern ein Studium in heilpädagogisch-psychologischer Richtung zu absolvieren.

Margret Stöcklin
Merken
Drucken
Teilen
Jutta Kempf zog 1985 nach Urdorf.

Jutta Kempf zog 1985 nach Urdorf.

Margret Stöcklin

Jutta Kempf sagt über sich, dass sie offen und freundlich auf andere Menschen zugehe, begeisterungsfähig und an vielem interessiert sei, besonders an fremden Kulturen, Sprachen, Geschichte, Literatur, Kunst und Musik. «Ich besuche am liebsten mit Freunden und Familie Ausstellungen, Konzerte und Museen. Diese Menschen bedeuten mir sehr viel. Und wenn ich in Urdorf auf der Strasse zufällig jemanden treffe, unterhalte ich mich gerne mit ihm», sagt Kempf, die 1950 in Norddeutschland geboren wurde.

Das Praktikum in einem Schweizer Heim für behinderte Kinder war Auslöser für sie, in Fribourg und Bern ein Studium in heilpädagogisch-psychologischer Richtung zu absolvieren. Bis zur Geburt ihres ersten Kindes war Kempf berufstätig. Danach brachte sie noch zwei weitere Kinder zur Welt. Als diese grösser waren, erwarb sie in Zürich einen Abschluss als Erwachsenenbildnerin und besuchte später Kurse zur Sprachförderung von Migranten. 1985 zog sie nach Urdorf in die Fadmatt-Heidenkellersiedlung, wo sie kontaktfreudige Nachbarn fand, die der Familie das Einleben erleichterten.

Viel Freiwilligenarbeit geleistet

«Wir fühlen uns in Urdorf und Umgebung wohl. Das Vereinsleben ist immer noch sehr aktiv. Das könnte sich jedoch ändern, weil es immer schwieriger wird, engagierte Leute für die Vorstandsarbeit zu gewinnen», sagt die dreifache Mutter, die lange Freiwilligenarbeit im Elternverein geleistet hat und Teil eines Teams beim Aufbau des Familienzentrums war. Dabei habe sie viele sympathische und hilfsbereite Menschen kennen gelernt und alle diese Begegnungen seien persönlich bereichernd gewesen.

Ohne die Unterstützung ihres Umfelds hätte sie sich vermutlich auch nicht so einsetzen können, weiss die 69-Jährige, die die positive Wirkung der Zusammenarbeit mit anderen hervorhebt. Sie will alle ermuntern, sich für die Gesellschaft, an welcher Stelle auch immer, persönlich zu engagieren. «Das Familienzentrum ist seit Oktober 2000 als Urdorfer Treffpunkt etabliert und offeriert regelmässige Angebote für Familien», sagt Kempf.
Hier habe sie immer wieder auch fremdsprachige Eltern getroffen, die mangels Deutschkenntnissen versuchten, sich mit Händen und Füssen oder auf Italienisch sowie in anderen Sprachen zu verständigen.

«Als mich eine Kollegin fragte, ob ich ihre Deutschkurse übernehmen wolle, erwies sich das für mich als Glücksfall», sagt Kempf, die seit 2003 im Auftrag der Gemeinde niederschwellige Deutschkurse im Rahmen der Erwachsenenbildung erteilt. Am Anfang wurden diese nur für Frauen angeboten. Bald kam die Kinderbetreuung dazu und später Integrations- und Konversationskurse, die auch Männern offen stehen. In diesem Semester führt Kempf sechs Kurse und ihre Kollegin weitere drei. Es geht darum, sich im Alltag besser zurechtzufinden. Darum werden mit Modellsätzen und Gesprächen typische Alltagssituationen geübt und Informationen über das Leben in der Schweiz, das Gesundheitswesen, die Gemeinde oder die Schule vermittelt.

Kempf versucht, die Teilnehmenden auf spielerische Weise zum freien Sprechen zu ermuntern und ihnen die Angst vor Fehlern zu nehmen. «Wir können alle über unsere Fehler lachen. Humor, Geduld, Respekt und Akzeptanz sind wichtige Bausteine in meinem Unterricht. Ich erlebe freundliche und motivierte Fremdsprachige, die auch angesichts hoher Hürden in der deutschen Sprache nicht den Mut verlieren und sehr dankbar für die Lernmöglichkeiten sind.»