Der Stellenwert der Bildung in Urdorf sinke, die Transparenz in der Schule gehe verloren und das Doppelmandat als Gemeinderat und Schulpräsident sei für Berufstätige nicht mehr zu bewältigen. So düster zeichnet die Urdorfer Schulpflege das Szenario, falls die Einheitsgemeinde kommt. Die Initiative des ehemaligen SVP-Gemeinderats Jürg Pauli und seiner 27 Mitunterzeichnern verlangt jedoch genau diese Fusion von politischer Gemeinde und Schulgemeinde bis im Januar 2016.

Ende Februar dieses Jahres reichten Pauli und seine Mitunterzeichner die Initiative ein. Schulpräsident Stefan Zehnder gab sich bereits damals kritisch (Ausgabe vom 28. Februar). Er sehe nicht mehr Potenzial in einer Fusion als vor zehn Jahren, als das Begehren letztmals scheiterte.

Gemeinde wusste von nichts

Eine Abstimmungsparole wollte Zehnder damals jedoch keine fassen, da die Form der Umsetzung, die von Gemeinderat und Schulpflege erarbeitet würde, noch abgewartet werden müsse. Vergangene Woche aber veröffentlichte die Schulpflege eine Medienmitteilung, in der sie sich dezidiert gegen die Einheitsgemeinde ausspricht. Durch die Fusion würden kaum Synergien geschaffen, die Schulpflege würde zu einer Kommission degradiert und für die Stimmbürger gehe die Transparenz verloren, moniert die Schulpflege.

Für den Vertreter der Initianten Jürg Pauli ist diese voreilige Beschlussfassung unverständlich. «Unsere Initiative verlangt die Schaffung von Grundlagen für die Diskussion über eine Einheitsgemeinde. Die Ablehnung der Schulpflege überrascht mich, da bis heute noch keine Diskussionsgrundlagen vorliegen», sagt er. Zu den einzelnen Kritikpunkten der Schulpflege will Pauli nicht detailliert Stellung nehmen. «Ich sage nur, dass es für diese Kritik noch zu früh ist. Dis Diskussion soll dann geführt werden, wenn die Grundlagen einer Einheitsgemeinde stehen», so Pauli. Er gibt jedoch unumwunden zu, dass ihn die «fehlende Gesprächsbereitschaft» bei der Schulpflege enttäusche. Denn: «Die jetzige Situation mit den beiden Gremien ist unbefriedigend.»

Auf der Gemeinde gibt man sich überrascht vom Statement, das die Schulpflege veröffentlichte. Stableiter Patrick Müller sei davon ausgegangen, dass die Schulpflege ihren Standpunkt nicht vor der Aufnahme der vereinbarten koordinierenden Gespräche zwischen Gemeinderat und Schulpflege kommunizieren würde. «Die gemeinderätliche Arbeitsgruppe wird nun das weitere Vorgehen zu beraten haben», sagt er weiter. Diese Arbeitsgruppe wird von Finanzvorstand Thomas Hächler präsidiert, Einsitz darin haben Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP), Liegenschaftsvorstand Roland Stämpfli (SVP) sowie der Gemeindeschreiber Urs Keller und der Leiter Stab Patrick Müller selber.

Schulpräsident Stefan Zehnder hält die Veröffentlichung der Standpunkte des Gremiums für dringend nötig. Denn im Jahr 2015 sollen zwei Urnenabstimmungen durchgeführt werden, wobei die erste eine Revision der Gemeindeordnung zugunsten einer Einheitsgemeinde vorsieht. «Der Schulpflege schien es wichtig, ihre Position gegenüber der Einheitsgemeinde so früh wie möglich kundzutun», so Zehnder. Die Kritik von Initiant Pauli, dass dabei die Entscheidungsgrundlage fehle, teilt er nicht. «Für uns war es wichtig, diesen Grundsatzentscheid zu fällen und zu kommunizieren.»