Bruno-Weber-Park
Die Umnutzung des Wassergartensaals sorgt für Kritik: «Nichts anderes als eine Zerstörung»

Alt SP-Grossrat Martin Christen findet es inakzeptabel, dass Teile des Wassergartensaals nun für Büros genutzt werden – der Stiftungsrat beschwichtigt.

Sophie Rüesch
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Alt SP-Grossrat Martin Christen findet es inakzeptabel, dass Teile des Wassergartensaals nun für Büros genutzt werden.

Alt SP-Grossrat Martin Christen findet es inakzeptabel, dass Teile des Wassergartensaals nun für Büros genutzt werden.

Sophie Rüesch

«Dafür haben wir keine 16 000 Unterschriften gesammelt», sagt Martin Christen enttäuscht. Der Alt-SP-Grossrat aus Spreitenbach führte im Herbst 2014, als der Skulpturenpark bei Dietikon tief in der Krise steckte, das «Komitee zur Rettung des Bruno Weber Parks» an. Mit «dafür» meint er den Umstand, dass der vor wenigen Jahren eröffnete Wassergartensaal durch den Ende 2014 eingesetzten neuen Stiftungsrat teilweise umgenutzt wurde: Von der Saalfläche ist nur noch gut die Hälfte öffentlich zugänglich; der Rest wird zurzeit als Büro und Atelier für Restaurations- und Inventarisierungsarbeiten genutzt. Auch ein drei auf sechs Meter grosses Modell des Skulpturenparks aus dem Jahr 1991 wird dort instandgestellt.

In der Umnutzung sieht Christen «nichts anderes als eine Zerstörung dieses einzigartigen Saals, der nur dank namhafter Beiträge» der öffentlichen Hand und privater Gönner realisiert werden konnte. Der «überhaupt nicht zwingende Umbau», so Christen in einem Schreiben an die Limmattaler Zeitung, stelle eine «Respektlosigkeit gegenüber Bruno Webers Werk und Maria Anna Weber» dar; die Witwe des 2011 verstorbenen Dietiker Künstlers war nämlich massgeblich an Bau und Gestaltung des Saals beteiligt.

Stiftungsratspräsidentin Isabelle Cart verteidigt die Massnahmen: Der Wassergartensaal könne zurzeit ohnehin nicht für die rein flächenmässig möglichen 200 bis 300 Besucher geöffnet werden, da der Park bei grösseren öffentlichen Veranstaltungen seit Jahren mit Reklamationen von Anwohnern kämpft. Das weiss auch Martin Christen. Doch er glaubt, dass man mit den Anrainern eine Lösung finden könnte. «Auch der Spreitenbacher Gemeinderat, der die Bewilligungen erteilen müsste, wäre gesprächsbereit», so Christen. Zurzeit kann die öffentlich zugängliche Raumhälfte von 70 bis 100 Leuten genutzt werden. Auch für Marketingzwecke wird sie eingesetzt. «Es ist wichtig, dass wir potenzielle Gönner an einem Ort empfangen, an dem der Bezug zu Bruno Webers Werk gegeben ist», so Cart.

Geld lieber für Park ausgeben

Auch die Büronutzung stelle keinen Anlass zur Empörung dar. «Wir haben dort nicht übermässig viel Platz», sagt Stiftungsratsmitglied Eric Maier. Ihnen sei es aber wichtig, die Planungen und Restaurationen vor Ort vorzunehmen. Externe Büros sind für sie keine Option; nicht zuletzt würde eine Raummiete zusätzliches Geld kosten, das besser in den Park investiert werde.Alle baulichen Massnahmen – etwa die Raumabtrennungswände oder die «in Leichtbauweise zugedeckte» Wanne im hinteren, linken Teil des Saals – seien zudem reversibel. «Auch wenn wir den Raum gegenwärtig anders nutzen müssen, ist er jederzeit in den Originalzustand rückführbar», betont Cart.

Doch für Christen, der die Arbeit des neuen Stiftungsrats abgesehen von dieser Umnutzung als «sehr gut» bezeichnet, ändert das nichts. «Bruno Weber hätte niemals toleriert, dass in seinem Wassergartensaal Büroräume untergebracht werden», sagt er. Als Provisorium möge das gerade noch zähneknirschend «tolerierbar» sein. Doch daraus dürfe nie ein Definitivum entstehen.

Das sei zurzeit auch nicht geplant, entgegnet Maier. Ganz ausschliessen könne man es hingegen auch nicht. Es sei eine rollende Planung – «mit grösster Rücksicht und Ehrfurcht vor dem Gesamtkunstwerk des Bruno-Weber-Parks», wie Maier betont.