Dietikon
Die Überlandstrasse kann nicht tiefergelegt werden

Die Dietiker Überlandstrasse kann nicht auf dem ganzen Abschnitt zwischen Bunkerkreuzung und SBB-Unterführung tiefergelegt werden, da das Projekt die Grundwasserversorgung gefährden würde.

Bettina Hamilton-Irvine
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Nur bei der Bunkerkreuzung soll die Überlandstrasse auf einer kurzen Strecke unterirdisch geführt werden. MKE

Nur bei der Bunkerkreuzung soll die Überlandstrasse auf einer kurzen Strecke unterirdisch geführt werden. MKE

Als das Thema der möglichen Absenkung der Überlandstrasse im Dietiker Parlament behandelt wurde, ergab sich aus mehr als einem Grund eine ungewöhnliche Diskussion. Ungewöhnlich deshalb, weil sich mit Gemeinderat Samuel Spahn für einmal ein Grüner für eine Strasse starkmachte. Ungewöhnlich aber auch, weil sich das Parlament für einmal sehr einig war: Nicht weniger als 24 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte aus allen Parteien ausser der AL hatten Spahns Vorstoss unterzeichnet. Und auch der Stadtrat brauchte gar nicht erst überzeugt zu werden: Er erklärte sich sofort bereit, das Postulat anzunehmen.

Genehmigung ist nicht möglich

Sein Auftrag: Er sollte sich beim Kanton Zürich für eine Tieferlegung der Überlandstrasse zwischen der Bunkerkreuzung beim Zentrum Dreispitz und der Bahnunterführung vor dem Limmatfeld einsetzen. Das hat er zwar getan. Doch angesichts der harmonischen Übereinstimmung des Gemeinderats und Stadtrats ist das Resultat dieser Überzeugungsarbeit ernüchternd.

Denn: Eine Tieferlegung der Überlandstrasse im entsprechenden Abschnitt wäre «nicht genehmigungsfähig», da sie den Grundwasserstrom unterbrechen und somit die Grundwasserversorgung gefährden würde, wie die Exekutive im gestern veröffentlichten Postulatsbericht erklärt.

Dies hat einen relativ einfachen Grund: Die Überlandstrasse befindet sich zwischen der Bunkerkreuzung und der SBB-Unterführung bezüglich Grundwasser in einem heiklen Gebiet. Denn die Strecke befindet sich teilweise in einer Grundwasserschutzzone, in der ein Bauverbot gilt. In diesem Abschnitt quert nämlich der Reppisch-Grundwasserstrom die Überlandstrasse.

Grundwasser ist für Dietikon zentral: Nahezu 100 Prozent des Wasserbedarfs werden so gedeckt. Rund 60 Prozent davon stammen aus dem Pumpwerk Langacker, das sich in der Nähe der Überlandstrasse befindet. Dieses versorgt nebst Dietikon auch Schlieren, Geroldswil, Oetwil und Weiningen mit Wasser. Das Bauprojekt würde den natürlichen Wasserkreislauf und die Qualität des Grundwassers beeinträchtigen.

Trotzdem wird die Überlandstrasse zumindest direkt bei der Bunkerkreuzung voraussichtlich kurz unterirdisch geführt werden müssen, da sich dort die geplante Limmattalbahn und die Strasse kreuzen. Da dies auf dem gleichen Niveau nicht möglich ist, hat das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) dafür eine Ausnahmebewilligung in Aussicht gestellt – obwohl die Unterführung bereits im Grundwasser zu liegen kommt.

Ausnahme ist nicht möglich

Für den gesamten Abschnitt scheint eine solche Ausnahmebewilligung aber nicht möglich. Gemäss Bericht des Stadtrats kann sie «nur erteilt werden, wenn der Eingriff ins Grundwasser so klein wie möglich gehalten wird, er zwingend ist und ein öffentliches Bedürfnis vorliegt». Zudem darf das Bauwerk auf keinen Fall unter dem Grundwasserspiegel zu liegen kommen, was bei diesem Projekt aber der Fall wäre.

Das eigentliche Ziel des Postulats – dass das Niderfeld nicht von der Überlandstrasse abgetrennt wird – sieht der Stadtrat aber trotzdem als erreichbar an. «Es soll eine städtebaulich mögliche Lösung gefunden werden», schreibt er. Dazu soll einerseits die Überlandstrasse nicht zu stark belastet und andererseits das Niderfeld durch Schallschutzmassnahmen geschützt werden.