Geroldswil
Die Tunnelbauer sind unter uns: Zu Besuch beim Mann in der Röhre

Unter der Limmattalstrasse wird eine neue Kanalisationsleitung verlegt – in einem speziellen Verfahren. Ein Augenschein vor Ort.

Sandro Zimmerli
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400 Tonnen Druck braucht es, um die Röhre unter der Strasse durchzustossen
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In der Röhre ist es sehr eng
Tunnelbau Geroldswil
Die Röhre hat einen Durchmesser von 1,5 Metern
Mit einem hydraulischen Löffel befördert ein Arbeiter im Rohr das Erdmaterial auf ein Förderband.

400 Tonnen Druck braucht es, um die Röhre unter der Strasse durchzustossen

Pietro Paladino

Viel sieht man nicht als Autofahrer. Ab und zu wechseln einige Bauarbeiter die Strassenseite. Ansonsten zeugen nur Absperrungen von der Baustelle auf der Höhe Limmattal- und Stettenstrasse in Geroldswil. Was sich einige Meter unter der Strasse tut, bleibt verborgen. Dabei lohnt ein Blick in den Untergrund. Die Gemeinde Geroldswil ist derzeit daran eine neue Kanalisationsleitung zu verlegen – und zwar in einem speziellen Verfahren.

Um die Strasse für die Arbeiten nicht aufreissen zu müssen, wird die Leitung hydraulisch mit 400 Tonnen Druck unter der Limmattal- und Stettenstrasse hindurchgestossen. Während dieses Vorganges sitzt ein Arbeiter im Rohr. Er befördert das Erdmaterial, das durch den Pressvorgang sukzessive in die Leitung dringt mit einem kleinen hydraulischen Löffel auf ein Förderband. Dieses führt den Schutt dann nach draussen ab. «In der Stadt Zürich kommt dieses Verfahren aufgrund der Dimensionen oft zur Anwendung. In einer kleinen Gemeinde wie Geroldswil ist es eher selten», sagt Pietro Paladino, Abteilungsleiter Bau und Werke der Gemeinde.

Dass man sich in Geroldswil dennoch für dieses Verfahren entschieden hat, ist rein praktischen Gründen geschuldet. «Würden wir die Leitung im offenen Graben verlegen, müsste die Limmattalstrasse einseitig gesperrt und der Verkehr via Lichtsignal über die Baustelle geführt werden», so Paladino. Dem Kanton sei es jedoch ein Anliegen gewesen, dass der Verkehr, insbesondere auch Busbetrieb zwischen Geroldswil und Oetwil, während der Bauarbeiten möglichst reibungslos abgewickelt werden könne.

Von 70 auf 150 Zentimeter

Mit der Verlegung des neuen Rohres behebt die Gemeinde einen Engpass im Kanalisationssystem. Nördlich der Limmattalstrassse, dort wo sich derzeit die Baugrube befindet, laufen gleich drei Leitungen zusammen. «Das alte Leitungsrohr, das das gesamte Abwasser weiter zum Regenklärbecken führt, hat einen Durchmesser von 70 Zentimetern. Bei heftigen Regenfällen reicht diese Kapazität nicht mehr aus», erklärt Paladino. Bei solchen Extrembedingungen würden pro Sekunde 5000 Liter durch das Rohr fliessen. Damit sei es voll und es komme zum Rückstau. «Das führt dazu, dass das Wasser Hauskeller überschwemmt», so Paladino. Das neue Kanalisationsrohr weise deshalb einen Durchmesser von 1,5 Metern auf.

Mit der Verlegung des neuen Rohrs werden die Arbeiten am Kanalisationssystem noch nicht beendet sein. Denn auch das aus den 1960er-Jahren stammende Regenklärbecken «Stetten», das sich südlich der Limmattalstrasse befindet, muss erneuert werden. Durch den Einbau einer Galerie soll es insbesondere besser zugänglich werden und dadurch einfacher zu unterhalten sein. Das Regenklärbecken, das bis 200 000 Liter Wasser fassen kann, spielt im Abwassersystem eine zentrale Rolle. Bei starkem Regenwetter hilft es, durch Zwischenspeicherung das Kanalnetz und die Kläranlage zu entlasten. Denn in solchen Fällen ist es aus Kapazitätsgründen nicht mehr möglich, dass das gesamte Mischwasser, also Regen- und Schmutzwasser, der Kläranlage der Limeco in Dietikon zugeführt werden kann.

«Bei starkem Niederschlag wird das Wasser im Regenklärbecken gesammelt. Durch den Anstieg des Wasserspiegels senken sich Schmutzpartikel ab», erklärt Paladino. Dadurch übernehme das Regenklärbecken auch eine gewisse Rückhalte- und Reinigungsfunktion. Erst wenn das Volumen des Beckens ausgenutzt sei, überlaufe es. Dieses Wasser fliesse dann in die Limmat. «Da feste Schmutzpartikel dabei weitgehend zurückgehalten werden und im Becken verbleiben, gelangt dadurch nur noch sehr gering belastetes Wasser in die Limmat», so Paladino. Dies geschehe allerdings höchst selten im Jahr. Das im Becken verbleibende Wasser werde nach dem Regen gedrosselt der Kläranlage zugeführt.

Die gesamten Sanierungsarbeiten sollen Ende Juli beendet sein. Insgesamt kosten sie rund 1,7 Million Franken. Etwa eine Million wird für die neue Kanalisationsleitung aufgewendet, der Rest für das Regenrückhaltebecken.