Keine langen Hosen, keine schweren Schuhe, sondern leichte Badekleider: Jeannette Liniger und Tamara Kamm lassen es sich an diesem Abend nicht nehmen, die warmen Temperaturen im statt auf dem Wasser zu geniessen, auf dem sie zu zweit jeweils das Pontonierboot manövrieren. Die beiden haben allen Grund dazu, sich etwas zu gönnen. Schliesslich haben sie vor eineinhalb Wochen an der Schweizer Meisterschaft in Wallbach ihren Titel verteidigt. «Die Freude war riesig», schwärmt Liniger, «umso mehr, als dass wir vor dem Wettkampf so nervös gewesen waren.» Und Kamm fügt hinzu: «Wir haben mit bis zu vier Trainings pro Woche vor der SM einen grossen Aufwand betrieben und verspüren daher auch eine grosse Genugtuung.»

Die Titelverteidigung von Liniger und Kamm macht auch die Dietiker Pontoniere glücklich. Zwar starten die Schweizermeisterinnen für ihren Stammverein Aarwangen, trainieren aber regelmässig mit den Dietikern. «Wir sind froh, dass die Vereine das zulassen», sagt Kamm.
Überraschend kam die Titelverteidigung der beiden Bernerinnen jedoch nicht. Der Rhein, der durch Wallbach fliesst, ist mit 200 Metern ein sehr breiter Fluss, die Strömung ist nicht stark. Ideale Bedingungen für Liniger und Kamm, die in Aarwangen auf ähnlichen Gewässern den Pontoniersport entdeckt haben: «Wir sind uns solche Flüsse gewohnt», sagt Kamm.

Doch nicht nur an der Schweizer Meisterschaft konnten Liniger und Kamm in dieser Saison überzeugen. Auch am Glanzenburg-Cup und in Bex triumphierten die beiden – ebenso wie ihre Dietiker Trainingskollegen. In Bex holten Roland Keller und Marcel Kohler in der Kategorie C den Sieg, bei den Jungpontonieren gewannen Nicola Keller und Nuri Schmed in der Kategorie III. Exakt in denselben Kategorien siegten die Dietiker auch am Glanzenburg-Cup, nur schafften Urs Rufer und Philipp Knecht in der Kategorie D dort noch einen zusätzlichen Dietiker Triumph.

Enttäuschung in Wallbach

Sportlich gesehen war die Saison für den Dietiker Pontoniere also erfolgreich – wäre da nicht die Schweizer Meisterschaft gewesen. Denn die Ergebnisse der Männer am wichtigsten Wettkampf des Jahres enttäuschend. «Wir hatten uns schon etwas mehr erhofft», gibt Medienchef Ivo Isenring zu.

In keiner Kategorie konnte sich der Pontonierverein Dietikon durchsetzen, und das, obwohl die Dietiker Pontoniere vor einem Jahr in mehreren Kategorien den Titel gewonnen hatten. Für die Dietiker waren die Bedingungen auf dem Rhein ein grosser Nachteil. «Der Rhein fliesst deutlich langsamer als die Limmat», erklärt Isenring. «Und zudem ist er viel breiter. So gesehen wussten wir, dass es schwierig werden würde.» In Bex hingegen, wo man auf der Rhone gefahren sei, seien die Konditionen ähnlich wie auf der Limmat gewesen. «Deshalb haben wir dort viel besser abgeschnitten.»

Besonders in der Kategorie C, in der Roland Keller und Marcel Kohler starteten, habe man mit einem Podestplatz gerechnet, so Isenring. Keller hat gleich mehrere Gründe für das schlechte Abschneiden. «Wir konnten keine eigene Linie wählen», sagt er. «Und der Startplatz wird ausgelost, da hatten wir diesmal etwas Pech.» Immerhin bleibt Keller und Kohler ein schwacher Trost: Die Punktedifferenz zwischen dem Sieger und Rang 50 betrug nur zweieinhalb Punkte. «Daran sieht man, wie eng das alles war», sagt Isenring.

Doch nicht nur sportlich haben die Pontoniere aus Dietikon in dieser Saison eine Enttäuschung erlebt. In Bex hatten die Organisatoren in der Sektionswertung die Dietiker Pontoniere, die gewonnen hatten, schlicht vergessen. «Wir haben einen Platz unter den ersten zehn erwartet und dann gewartet und gewartet», sagt Keller. «Und als die Top-Ten ausgerufen worden waren und wir nicht darunter waren, haben wir gemerkt: Da konnte etwas nicht stimmen.» Zwar habe man die Siegerehrung bei der Schweizer Meisterschaft in Wallbach nachgeholt. «Aber diesen Moment des Erfolges hatte man uns genommen», beklagt Keller.

Trotz allem sind die Dietiker Pontoniere nicht betrübt. «Wir hatten bei der Schweizer Meisterschaft im letzten Jahr auch den Vorteil gehabt, dass wir auf einem Fluss fahren konnten, der ähnlich wie die Limmat ist», sagt Isenring. Und zudem hatten ja wenigstens die beiden Damen ihren Titel verteidigt. Haben die Pontoniere Dietikon noch nie mit dem Gedanken gespielt, die Schweizer Meisterinnen fix zu übernehmen? Isenring schmunzelt. «Wir versuchen dauernd, sie davon zu überzeugen.»