Der Mitgliederbestand der SVP Oberengstringen liegt bei über 60 Personen. Trotzdem findet die Partei keine neuen Vorstandsmitglieder. Sollte sich daran bis zur nächsten Parteiversammlung nichts ändern, muss sogar die Auflösung der Ortspartei ins Auge gefasst werden, schreibt der Vorstand in einer Mitteilung.

Fünf Rücktritte

Das Nachwuchsproblem war denn auch das grosse Gesprächsthema an der letzten Generalversammlung Ende Mai. Nachdem bereits Vizepräsident Paul Oswald wegen Wegzugs aus der Gemeinde die Partei verlassen hat und Eliane Rothenberger sowie Paul Simonian zurückgetreten sind, haben nun auch Kassier Beat Aeschbach und Präsidentin Eveline Stählin ihren Rücktritt bekannt gegeben. Allerdings ist es der Parteileitung nicht gelungen, der Generalversammlung Nachfolger zu präsentieren. Die Zurückgetretenen haben sich deshalb bereit erklärt, bis zur Parteiversammlung im November im Vorstand zu verbleiben, um die Nachfolge zu regeln.

Viel Aufwand ohne Bezahlung

«Es ist heutzutage generell schwierig Personen zu finden, die sich engagieren», sagt die scheidende Präsidentin Eveline Stählin. Komme dazu, dass in der SVP Oberengstringen eine gewisse Überalterung festzustellen sei. «Wir haben viele verdiente Mitglieder, die ihren Beitrag für die Partei geleistet haben. Es fehlt der Nachwuchs», so Stählin.
Ein anderes Problem sieht die Präsidentin darin, dass sich immer weniger Leute exponieren wollen. «Auch das ist ein generelles Problem», hält Stählin fest. Überdies übe man ein Vorstandsamt unentgeltlich aus.

Der Aufwand könne womöglich ein weiterer Grund sein, dass sich niemand melde, so Stählin. «In einem normalen Jahr beträgt das Arbeitspensum um fünf Prozent. In einem Wahljahr liegt es bei rund zehn Prozent», sagt sie. Ein solches steht nun an. Anfang 2014 finden in den Gemeinden Gesamterneuerungswahlen statt. «Bisher ist es uns immer gelungen, unsere Sitze zu ersetzen. Derzeit müssen wir einen Sitz in der Rechnungsprüfungskommission verteidigen», sagt Stählin. Auch das werde wohl nicht einfach werden.

«Mein Rücktritt ist definitiv»

Sicher ist, dass Stählin nicht auf ihren Entscheid zurückkommen wird. «Mein Rücktritt ist definitiv. Ich habe eine neue berufliche Herausforderung angenommen und bin daher nicht mehr so präsent in Oberengstringen wie früher», sagt sie. Ein Parteipräsident müsse im Dorf vernetzt sein, gerade auch bei der jüngeren Generation.Das sei wichtig.

Die Option, die Ortspartei aufzulösen, falls sich bis im November keine neuen Vorstandsmitglieder finden, sei denn auch ernst gemeint. «Wir haben unsere Hoffnung aber noch nicht aufgegeben und arbeiten intensiv daran, geeignete Kandidaten zu finden», sagt Stählin. Zudem habe man auch ins Auge gefasst, Kontakt mit der SVP Unterengstringen aufzunehmen, um über einen Zusammenschluss zu diskutieren.

Auflösung wäre «verkraftbar»

Sollte eine Auflösung unausweichlich sein, würde das Parteivermögen der Bezirkspartei übergeben. «Natürlich wäre die Auflösung einer Ortssektion für die Partei verkraftbar. In der Gemeinde würde aber eine Kraft verloren gehen, die auch ausserhalb des politischen Betriebs bei Veranstaltungen mitarbeitet. Ich denke zum Beispiel an die 1.-August-Feier, die von den Ortsparteien organisiert wird», so Stählin.