Birmensdorf IGSHS Oberbirmensdorf
Die Stimmung in Oberbirmensdorf bleibt angespannt

Auch wenn Waffenstillstand herrscht - der Konflikt zwischen der Gemeindeverwaltung und den Oberbirmensdorfer Quartieren ist noch nicht beigelegt. Einige Quartierbewohner fühlen sich noch immer nicht in die Dorfgemeinschaft integriert.

Florian Niedermann
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Jadwiga Cervoni und Peter Brunschweiler kämpfen weiter für die Integration ihres Quartiers in die Dorfgemeinschaft

Jadwiga Cervoni und Peter Brunschweiler kämpfen weiter für die Integration ihres Quartiers in die Dorfgemeinschaft

Limmattaler Zeitung

Ein Teil der Bewohner in Stöcken, Haslen und Sternen fühlt sich auch zwei Jahre nach ihrem Abspaltungsversuch noch immer nicht in die Dorfgemeinschaft integriert. «Wir fühlen uns von Gemeindepräsident Werner Steiner zwar ernst genommen», erklärt Jadwiga Cervoni, die Präsidentin der Interessengemeinschaft Stöcken - Haslen -Sternen ( IGSHS ), «unseren Ideen gegenüber legt man aber oft eine ablehnende Haltung an den Tag.»

Viele Versprechen, die den Quartierbewohnern von der Verwaltung gemacht worden seien, würden «wieder versanden», sagt Cervoni.

Noch keine «Gmeind» im Sternen

So habe Steiner (SVP) im Sommer 2010 etwa versprochen, künftig ab und an auch eine Gemeindeversammlung in Oberbirmensdorf durchzuführen. «Dazu ist es aber bis jetzt nie gekommen», erklärt Peter Brunschweiler von der IGSHS . Der Gemeindepräsident habe auf ihre Anfrage erklärt, dass eine «Gmeind» in Oberbirmensdorf nur Sinn mache, wenn dabei ein Traktandum behandelt werde, das diese Quartiere betreffe.

Cervoni glaubt aber, dass es im Interesse der Verwaltung wäre, «normale» Gemeindeversammlungen in ihrem Quartier abzuhalten: «Die Dorfbevölkerung würde sicher zahlreicher erscheinen als sonst, damit wir hier oben nicht über die Geschicke der gesamten Gemeinde entscheiden.»

Laut Steiner wird es dennoch auch in Zukunft nicht zu ordentlichen Versammlungen in Oberbirmensdorf kommen. Der Grund: Im Normalfall werde gleichzeitig mit der Gemeindeversammlung die Kreisgemeindeversammlung etwa der Sekundarschulgemeinde Birmensdorf-Aesch durchgeführt. «Wir können die Aescher schlecht zwingen, dazu etwa in den Sternen zu pilgern.»

Versprechen nicht vergessen

Die IG spricht von weiteren durch sie aufgegriffenen Themen, die durch die Gemeinde einfach nicht mehr angesprochen worden seien. So habe man etwa versprochen, dass man nach der Einführung der Tempo-30-Zone einen Erfahrungsaustausch mit den Einwohnern organisieren werde oder dass eine neue Altglassammelstelle installiert werde. «Diese Themen kamen bis heute nicht mehr auf den Tisch», erklärt Cervoni.

Steiner versichert, dass man diese Versprechen auf der Verwaltung nicht vergessen habe. Aus organisatorischen Gründen habe man aber noch keine konkreten Schritte einleiten können. «Ein Erfahrungsaustausch zum Thema Tempo 30 macht erst Sinn, wenn dieses in allen vorgesehenen Quartieren eingeführt worden ist», so Steiner.

Auch wolle man mit der Realisierung einer neuen Glassammelstelle noch abwarten, weil die Verwaltung derzeit ein Gesamtkonzept für die Glasentsorgung der Gemeinde erarbeite.

Für heftige Diskussionen sorgten vor zwei Jahren die Fahrkosten, die Eltern von Schulkindern aus den drei Oberbirmensdorfer Quartieren für den Schulweg mit dem Postauto bezahlen müssen. Die Primarschule lenkte schliesslich ein und erstattete diese Kosten zurück.

Die Sekundarschulpflege beharrte hingegen auf dem Standpunkt, dass die Luftlinien-Distanz aus den drei Quartieren zum Schulhaus gemäss einem 2011 ausgearbeiteten Entschädigungs-Reglement nicht ausreiche, um Vergütungsansprüche geltend zu machen.

Dieses Problem dürfte sich nun bald in Luft auflösen, wie Steiner erklärt: «Die Sekundarschule Uitikon strebt eine Fusion an. Die entsprechende Abstimmungsvorlage wird derzeit ausgearbeitet.» Eine Entschädigung der Fahrkosten erübrige sich dann, weil wohl ein Schulbus organisiert werde, so Steiner.

«Seit 2010 herrscht Status quo»

Die Unzufriedenheit der IGSHS beruht allerdings nicht nur auf den genannten Punkten. «Im Prinzip herrscht in der Beziehung zwischen der Gemeinde und unseren Quartieren seit 2010 der Status quo», sagt Brunschweiler. Die IG habe deshalb weitere Vorhaben definiert, die zur Integration der Quartiere in die Gemeinde erreicht werden müssten.

Dazu gehöre etwa die Schaffung einer Begegnungszone, wie sie in den meisten anderen Quartieren auch vorhanden sei, eine Senkung des Steuerfusses unter 100 Prozent oder auch ein weiteres Podiumsgespräch mit Vertretern der Gemeinde, so Brunschweiler.

Steiner betont, er verweigere sich einem öffentlichen Gespräch nicht, würde aber eine persönliche Unterhaltung mit Vertretern des IG-Vorstandes vorziehen. «Das wäre sicher zielgerichteter und konstruktiver. An Podien kommen kaum sachliche Diskussionen zustande.» Nach Ansicht der Verwaltung kann von einer Vernachlässigung der Oberbirmensdorfer Quartiere keine Rede sein. «Wir sind in diesem Teil des Dorfes genauso aktiv, wie in allen anderen», erklärt Steiner.