Eigentlich hätte alles anders kommen sollen. Eigentlich hätten die Urdorfer Eishockeyaner letzte Saison die Klasse halten und in der 2. Liga bleiben sollen. Denn dort gehören sie laut ihrem Selbstverständnis hin. Eigentlich. «Es war immer unser Anspruch, in der 2. Liga zu spielen», sagte Präsident Thomas Leimgruber nach der Rückkehr in ebendiese 2. Liga im Frühling vor einem Jahr.

Leimgruber, er war Anfang der 1990er-Jahre ein junger, talentierter Goalie und spielte für Urdorf in der 1. Liga, sollte sich täuschen. Denn nach einer schwachen Spielzeit findet sich sein Klub nach nur einem Jahr im Oberhaus in der ungeliebten 3. Liga wieder.

Auf die Frage, ob das denn so schlimm sei, antwortet Lorenz Bertschmann, seit vier Jahren Urdorfs Sportchef: «Ja, aus sportlicher Sicht ist das sicher nicht ideal. Wir wollen mittelfristig wieder in der 2. Liga spielen und uns dort etablieren. Und so vor allem unserem Nachwuchs eine Perspektive geben.»

Der Feind wurde zum Partner

Doch um wieder ins Oberhaus zu kommen, muss man jetzt erst einmal eine Liga tiefer in die Gänge finden. «Wir wollen versuchen, möglichst schnell Tritt zu fassen und wenn möglich vorne mitzuspielen», so Bertschmann, «ein anderes Ziel habe ich dem Team für die neue Saison nicht bekanntgegeben.» Nur gut, dass Urdorfs Sportchef dieselbe Funktion auch beim 4.-Ligisten Limmattal Wings innehat. «Ja, das erleichtert einiges», meint er schmunzelnd.

Zum Beispiel, dass die beiden Teams gemeinsam das Sommertraining absolviert haben und dass jene jungen Spieler, die bei Urdorf keinen Platz finden, mit einer B-Lizenz bei den Wings spielen können. Und umgekehrt, dass Akteure wie Dennis Weiss oder Tobia Di Caprio von den Wings bei Urdorf 3.-Liga-Luft schnuppern dürfen.

Ein Sportchef, der bei beiden Klubs amtet, Spieler, die ungeniert hin- und herwechseln, dazu erhalten die Limmattal Wings Trainingseis in Urdorf – diese Sachen wären bis vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Vor allem, als die Wings noch unter dem Namen EHC Dietikon spielten und die Derbys zu tumultartigen Szenen führten. «Ja, es hat sich einiges verändert», sinniert Bertschmann. Und schiebt nach: «Vor allem zum Guten.»

Mit einer Auswärtspartie in Küssnacht am Rigi gegen Thalwil steigen die Stiere am kommenden Samstag, 29. September, in die neue Saison (Anpfiff um 20.15 Uhr). Das tun sie mit einem äusserst interessanten Spielermix. «Die meisten Akteure sind sehr jung», so Coach André Wismer, «wir haben viele eigene Junioren in der Mannschaft.» Komplettiert wird das Team von Oldies wie Patrick Stach, der bisher bei Urdorfs Senioren die Knochen hingehalten hat, oder Tomas Kout, dem 43-jährigen Rückkehrer. Wismer: «Kout hat seit fünf Jahren kein Eishockey mehr gespielt.» Der schweiz-tschechische Doppelbürger – Bruder des ehemaligen Nationalspielers Martin Kout – erlernte als Knirps das Hockey-ABC auf der alten, windigen Weihermatt-Kunsteisbahn und hat den Kontakt über all die Jahre stets gehalten.

Junge und Alte sollen ab Samstag also für positive Stimmung und vor allem Punkte sorgen. «Spieler im besten Eishockeyalter, jene um die 25, fehlen uns leider», bedauert Wismer. Wohlwissend, dass der EHC Urdorf als 3.-Liga-Verein halt nicht gerade zur ersten Adresse zählt, wenn ein Spieler einen Klubwechsel ins Auge fasst.

Trainingslager in Österreich

Was dürfen die Urdorfer Fans von der neuen Mannschaft erwarten? «Wir werden ab der ersten Minute Vollgas geben», verspricht Wismer, «mit Kraft und Wille werden wir die Punkte holen.» Aber natürlich sei es schwierig, vorauszusagen, wo seine Mannschaft jetzt, kurz vor dem Saisonstart, stehe. Ein Kurz-Trainingslager im österreichischen Dornbirn, Trainingseinheiten in Zug und Dielsdorf, teilweise spätabends, unzählige Stunden im Kraftraum: Den Sommer hindurch sei gut und seriös gearbeitet worden, so Wismer. «Aber die Wahrheit liegt auf dem Eis», meint der erfahrene Trainer schmunzelnd. Am kommenden Samstag werde man mehr wissen.