EHC Urdorf
Die «Stierchen» mit den farbigen Masken: Wie so ein Training in Zeiten von Corona abläuft

Der EHC Urdorf betreibt einen grossen Aufwand, damit der Nachwuchs auch in Zeiten von Corona trainieren kann.

Ruedi Burkart
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Die «Stierchen» mit den farbigen Masken
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Die Kinder dürfen ohne Maske trainieren – die Trainer tragen stets eine. Die Vorfreude ist sichtbar. Die U9-Kids dürfen aufs Eis. Vorschriftsmässig: Dieser U9-Spieler hält sich an die Regeln.
Die Kinder dürfen ohne Maske trainieren – die Trainer tragen stets eine. Die Vorfreude ist sichtbar. Die U9-Kids dürfen aufs Eis. Vorschriftsmässig: Dieser U9-Spieler hält sich an die Regeln.

Die «Stierchen» mit den farbigen Masken

Bilder: Ruedi Burkart

Seit dem 29. Oktober und den vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie ist der Amateursport mehrheitlich zum Erliegen gekommen. Kontaktsportarten dürfen nicht mehr praktiziert werden. Bekanntlich sind alle Meisterschaften unterbrochen worden, auch Mannschaftstrainings sind untersagt.

Einzige Ausnahme: Kinder bis 16 Jahre dürfen auch weiterhin ohne Einschränkungen ihrem Sport frönen. Wettkämpfe sind zwar auch für sie verboten, in den Trainings darf indes Vollgas gegeben werden. Wie läuft so ein Training ab in Zeiten von Corona? Wir haben uns beim Eishockey-Club Urdorf umgeschaut.

Es ist Mittwochabend, 17.30 Uhr. Die Spieler der U11 jagen seit längerem auf dem Eis den Puck nach, die U9-Kids treffen langsam, aber sicher in den Garderoben ein. Daniel Bucher steht auf dem Parkplatz vor dem Eingang zur Kunsteisbahn Weihermatt. Bucher ist ein jovialer Typ, wahrscheinlich lächelt er zur Begrüssung. Doch das kann man nur erahnen, denn der Vereinspräsident der «Stiere» trägt eine Maske. Stilecht in Orange und Schwarz mit dem schnaubenden Urdorfer Stier drauf. «Bis hierhin dürfen die Eltern ihre Kinder bringen», sagt Bucher und deutet auf den Eingang, «dahinter sind Erwachsene nicht mehr erwünscht.»

Hoppla, strenge Sitten, denkt sich der Aussenstehende. Sobald sich die Kinder nicht mehr in der elterlichen Obhut befinden, gilt für sie: Maske auf. Und zwar für alle, auch für jene, die noch nicht das offizielle «Maskenalter» von zwölf Jahren erreicht haben. «Wir haben diese Regel erlassen zur Sicherheit von uns allen», erklärt Bucher, «es ist ein kleiner Beitrag von jedem. Aber so stellen wir sicher, dass wir auch weiterhin trainieren können.»

An diesem Abend stehen den U11- und U9-Spielern insgesamt vier Garderoben zur Verfügung, die Mädchen ziehen sich in den kleinen Schiedsrichter-Garderoben um. «Wir wollen maximal 15 Personen pro Garderobe haben», erklärt Bucher, «aus Sicherheitsgründen.» Ganz generell: Die auf der Kunsteisbahn auch für den allgemeinen Eislauf geltenden Hygienemassnahmen und Abstandsregeln werden peinlich genau eingehalten.

Zwei Mütter helfen beim Binden der Schnürsenkel

Vor dem Eingang zum Garderobengebäude befindet sich ein weisser Container mit einer Tür und Fenstern. Drinnen steht eine Kaffeemaschine. Bänke und ein grosser Teppich mit dem EHC-Urdorf-Logo sorgen für eine gewisse Ambiance. «Den Container liessen wir im vergangenen Frühling aufstellen», erklärt Bucher, «und haben darin eine Garderobe für die Trainer eingerichtet.» 10'000 Franken habe sich der Verein den Spass kosten lassen. Viel Geld, vor allem in der jetzigen unsicheren Situation. «Das stimmt, ja. Aber wir brauchten dringend mehr Platz.» Wie lange das Provisorium stehen bleiben wird, ist noch offen. «Sicher bis nächsten März, bis die Eishockey-Saison zu Ende ist», sagt Bucher.

Weil Eltern nicht beim Anziehen der Ausrüstung helfen dürfen, kommen die jüngeren Nachwuchsspieler mehrheitlich bereits umgezogen ins Training. So müssen sie nur noch die Schlittschuhe anziehen. «Damit das mit dem Binden der Schnürsenkel klappt, helfen zwei Mütter aus», erklärt Bucher. Es sind immer dieselben beiden Frauen, das sieht das Schutzkonzept des EHC Urdorf so vor. Eine von ihnen, Dominique Rüegg, ist bereits seit ein paar Minuten draussen vor dem Garderobengebäude fleissig am Schnüren, es gibt an diesem Abend viel zu tun. «Kalte Hände habe ich jedenfalls keine», sagt sie lächelnd und reibt sich die Finger.

Die Kids schätzen den Service und bedanken sich artig. Dann stapfen sie hinter die Bande und warten sichtlich ungeduldig, bis es endlich losgeht mit dem Training. Noch müssen die U9-Juniorinnen und -Junioren aber ausharren, auf dem «Gletscher» absolvieren die älteren U11-Nachwuchsspieler die letzte Übung. Dann endlich öffnet sich die Bandentür – und kurz darauf stehen die «Stierchen» bereit.

Einer, der seit weit über zehn Jahren im Nachwuchs mithilft, ist René Aeschlimann. In den frühen 1990er-Jahren hütete er beim EHC Urdorf das Tor. Seinerzeit spielten die Limmattaler noch der 1. Liga, der damals dritthöchsten Liga des Landes, in der vorderen Tabellenhälfte mit. Auch an diesem Abend ist Aeschlimann vor Ort und verschiebt Tore, stellt die orangen «Hütchen» an die richtige Stelle und schaut für Ordnung. «Ich helfe gerne mit, die Kinder danken es mit grossem Einsatz», so Aeschlimann.

Dann ertönt das ersehnte Signal – das Training beginnt. Und schon nach ein paar wenigen Minuten wird klar: Motivationsprobleme, weil nur trainiert werden darf und keine Wettkämpfe auf dem Programm stehen, scheinen die jungen Cracks absolut keine zu haben.

Duschen und umziehen in 20 Minuten

Nach rund 75 Minuten ist das Eistraining zu Ende. Müde und verschwitzt marschieren die «Stierchen» in die Umkleidegarderobe. «Geil gsi», sagt einer der Jungs und zeigt hinter dem Schutzgitter seine Zahnlücken. Larifari ist allerdings noch nicht angesagt. «Wir wollen, dass niemand länger als 20 Minuten in der Kabine verbringt. Einfach, um das Ansteckungsrisiko möglichst klein zu halten», gibt Vereinspräsident Bucher die Direktive heraus. So müssen die kleinen Eishockeyaner nach dem kräftezehrenden Training noch in die maximal 20-minütige Verlängerung. Erst danach ist der intensive Abend auf der «Kunschti» Weihermatt für sie vorbei. Wetten, dass niemand Mühe hatte einzuschlafen?

Eishockey trotzt der Pandemie

Beim EHC Urdorf lernen rund 150 Mädchen und Buben das Eishockey-ABC. Die «Stiere» führen fünf Nachwuchsteams von den U9 bis zu den U15 sowie die Hockeyschule für die vier- bis siebenjährigen Kinder. Wirkt sich die Coronapandemie allmählich negativ auf die Mitgliederanzahl im Nachwuchs aus? «Nein, ganz im Gegenteil. Vor allem in der Hockeyschule ist die Tendenz steigend», sagt EHCU-Präsident Daniel Bucher. Nichts zu spüren von einem Corona-Blues? Bucher: «Die Kinder kommen immer mit Freude ins Training. Ich glaube, die würden auch täglich trainieren, wenn sie dürften.» Wichtig sei es in diesen Zeiten, den Jüngsten zumindest im Sport eine gewisse Normalität zu erhalten. «Ich bin froh für alle unsere Juniorinnen und Junioren, dass sie ihr Hobby ausüben dürfen», so Bucher. (rubu)