Tanzmusik, Bier und Fleisch vom Grill – das Urdorfer Waldfest hat sich seit seiner ersten Durchführung kaum verändert. Der Popularität tut dies bis heute keinen Abbruch. Im Gegenteil. Dieses Jahr feiert der Anlass bereits seinen 50. Geburtstag. Zu verdanken ist dies unter anderem den treuen Besuchern. «Wir haben Stammgäste, die seit Jahrzehnten regelmässig vorbei kommen. Sogar dann, wenn es in Strömen regnet», sagt Stefan Isenschmid, Präsident der Knabengesellschaft Urdorf, der zusammen mit seinen Vereinskollegen den Anlass organisiert.

Wetterkapriolen waren es denn auch, die dazu führten, dass die Knabengesellschaft das Waldfest 1966 erstmals durchführte. Zuvor hatte der Musikverein bereits ein paar Mal einen Anlass organisiert. Allerdings hatte er wenig Wetterglück und das Ziel, mit dem Waldfest die Vereinskasse aufzubessern, wurde nicht erreicht. «Die Knabengesellschaft fand die Idee jedoch so gut, dass sie den Festbetrieb übernahm», sagt Isenschmid. Damals habe das Buffet nur aus Gerüststangen zwischen den Bäumen und einer Blache darüber bestanden. Im Wald habe man ein Plumpsklo gebaut. «Zur musikalischen Unterhaltung spielte das Handörgeli-Duo Edi & Fredi aus Aesch auf einem alten Holzwagen», so Isenschmid. Ausser der Infrastruktur, unter anderem gibt es inzwischen WC-Anlagen, habe sich seither am Konzept kaum etwas geändert.

Ein Wettkampf zum Jubiläum

Das wird dieses Jahr anders. Zum Jubiläum wird das Waldfest ausnahmsweise in einem grösseren Rahmen stattfinden. Auf der an das eigentliche Waldfestgelände an der Heinrich-Stutz-Strasse angrenzenden Wiese wird ein grosses Festzelt mit Musikbühne und rund 400 Sitzplätzen errichtet. Während den neu drei statt zwei Festtagen werden dort vier verschiedene Live-Bands auftreten, unter anderem die Partyband die «Blaumeisen» am Freitagabend. «Weil das Fest dieses Mal grösser wird, gibt es nicht wie üblich ein Verschiebedatum. Deshalb haben wir eine wettersichere Lösung gesucht und mit dem Festzelt auch gefunden», sagt Isenschmid.

Neu ist zudem, dass der Festbetrieb am Samstag bereits am frühen Nachmittag startet. An den KGU-Games können sich vierköpfige Wettkampfgruppen, bestehend aus je zwei Frauen und Männern, im Hufeisenwerfen, Sackhüpfen, Hindernislauf, Baumstammsägen und Skilaufen messen. Für die kleinen Besucher stehen ein Kinderschminken und eine Hüpfburg zur Verfügung. Am Sonntag wird ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert und anschliessend ein Brunch aufgetischt.

«Mit dem Jubiläumsfest wollen wir neue Besucher ansprechen, aber auch all jenen danken, die uns in den letzten Jahren unterstützt haben», sagt Isenschmid. Zu ihnen gehören etwa die «alten Knaben». Also jene ehemaligen Mitglieder, die aufgrund der Heirat aus dem Verein «geworfen» wurden. Denn Mitglied der Knabengesellschaft kann nur sein wer männlich, ledig und mindestens 18 Jahre alt ist. «Viele ‹alte Knaben› helfen uns noch heute bei unseren Anlässen. Wer einmal in der Knabengesellschaft dabei war, gehört auch nach dem Rauswurf immer noch irgendwie dazu», so Isenschmid. Für einen kleinen Dorfverein – aktuell besteht er aus 13 Mitgliedern – sei diese Hilfe unabdingbar.

Auch an der Fasnacht aktiv

Ein Verein, der wohl der älteste in Urdorf sein dürfte. Erstmals wurde er 1824 urkundlich erwähnt. Aus Eintragungen in der Kirchenrechnung geht hervor, dass die jungen Männer bis Ende des 19. Jahrhunderts in der Neujahrsnacht jeweils die Kirchenglocken läuteten. Auch ein Hochzeitsschiessen für den Pfarrer August Grob aus dem Jahr 1879 ist dokumentiert.
Ebenfalls aktiv waren und sind die jungen Männer bis heute an der Fasnacht. In früheren Jahren entzündeten die Mitglieder der Knabengesellschaft in den Reben ein Fasnachtsfeuer. Und auch ein Umzug gehörte schon vor 100 Jahren zum ausgelassenen Treiben. Jeweils am Fasnachtsmontag zogen die Knaben «auf einem mit Tannästen und Papierblumen bekränzen Wagen von Restaurant zu Restaurant», wie es in der Gemeindechronik «Urdorf in der Geschichte» heisst. Dabei wurden die Persönlichkeiten des Dorfes mit Versen und Reden auf die Schippe genommen. Neben der Teilnahme an der Fasnacht ist der Verein heute auch an der Chilbi dabei.

Allerdings war es nicht der ursprüngliche Zweck der Knabengesellschaften, für ein reges Dorfleben zu sorgen. Die Vereinigungen lediger junger Männer, die in ganz Europa verbreitet waren und ab Mitte des 19. Jahrhunderts verschwanden oder von neuen Jugendverbänden abgelöst wurden, traten als Hüter der Moral ihrer Mitglieder auf. In dieser Funktion standen sie für den Erhalt von Sitten und Bräuchen in ihrem Dorf ein. So belegten Knabengerichte Ehebrecher oder Faulpelze im Ort mit Geld- und Ehrenstrafen. Heiratsfähige Mädchen wurden unter Vormundschaft der Knaben gestellt. Wollte ein Ortsfremder eine Dorfschöne heiraten, erpressten die «Knaben» Geld von ihm.