In der Stadthalle von Dietikon findet das pralle Leben statt. Wer immer etwas zu zeigen hat, stellte sich in den letzten bald 45 Jahren auf die Bühne der grössten Mehrzweckhalle der Region. Musiker, Sänger, Schauspieler, Kabarettisten, Politiker. Selbst Prominente waren hier: so zum Beispiel der Dalai-Lama, Kurt Felix und Willy Ritschard. In der Halle selbst tobt nicht nur das applaudierende Publikum, sondern finden auch sportliche Wettkämpfe statt: Handball, Turnen, Schwingen.

Zwischendurch wurde es aber auch handfest. In den 1980er Jahren waren Skinheads immer mal für einen Polizeieinsatz gut, zuletzt waren es oppositionelle Eritreer, die ihre Landleute in der Halle angriffen und einen Grosseinsatz der Polizei auslösten. Aber solche Aktionen sind die Ausnahme. Der Spass überwiegt normalerweise.

Und nun das: Die Stadtjodler traten am letzten Samstag mit «Es Fäscht für mis Härz» vielleicht zum letzten Mal in der Stadthalle Dietikon auf. Würden die Kosten für die Nutzung nicht gesenkt, dann werde man nach Wettingen ins «Tägerhard» ausweichen, erklärte der Präsident der Stadtjodler, Hansruedi Weibel. Dietikon sei zu teuer geworden für seinen Verein.

Die Ankündigung liess aufhorchen. Der Präsident der Genossenschaft Stadthalle Dietikon, Reto Siegrist, beeilte sich, den Stadtjodlern die Hand zu reichen. Wie die Limmattaler Zeitung in ihrer Donnerstagsausgabe berichtete, will Siegrist mit den Stadtjodlern nach einer Lösung suchen.

Die Stadthalle Dietikon – soviel ist klar, gehört – zumindest ideell – den Ortsvereinen. Das zeigt ein Blick in die Geschichte der Stadthalle, die lange vor ihrer Eröffnung im Jahr 1970 begann.

Die Vereine und ihr Tempel

Bereits in den 1950er Jahren hatten Ortsvereine immer mehr Mühe, eine geeignete Örtlichkeit für ihre Anlässe zu finden. Gerne wurde die Untätigkeit der Gemeindeoberen an der Fasnacht verspottet: «Mir händ, das isch fatal, in Dietike kein Saal», lautete einer der Schmähverse. Das kulturelle Leben der Gemeinde schien in Gefahr. 1959 wurde der Druck aus der Bevölkerung auf die Politik erhöht: 753 Personen verlangten in einer Petition an die Exekutive unter Präsident Lorenz Wiederkehr, dass ein Gemeindesaal der einzige Ausweg darstelle.

1960 bewilligte die Schulpflege, dass die freistehende Turnhalle II des Schulhauses Zentral für Vereinsanlässe genutzt werden kann – auch mit Alkoholausschank. Doch das alles war eine Notlösung. 1961 besuchte ein Aktionskomitee unter dem Vorsitz von Gemeindepräsident Wiederkehr Hallen in ganz Europa, um einen Eindruck zu gewinnen. Erst 1968 ging es schnell vorwärts. Standort und Hallenart (Mehrzweckhalle) waren bestimmt. Die Genossenschaft Stadthalle als Betreiberin wurde gegründet. Bis heute ist die Stadt Dietikon Mitglied der Genossenschaft. 1970 wurde das Objekt der Begierde endlich eingeweiht. Schnell wurde die Stadthalle ein Wahrzeichen von Dietikon und Mittelpunkt des gesellschaftlichen (Vereins-)Lebens.

Bis zur Nacht vom 6. auf den 7. April 2001, als Brandstifter die Halle abfackelten. Sie wurden nie gefasst. Doch in Dietikon zögerte niemand: Die Stadthalle wurde so schnell als möglich wieder aufgebaut und Ende September 2003 hatten die Ortsvereine ihren Tempel zurück.