Der Dietiker Stadtrat wird dem Parlament für 2014 eine zweiprozentige Steuerfusserhöhung beantragen. Der Grund: Mit 124 Prozent erreicht die Stadt die zulässige Obergrenze für Steuerfüsse und kann sich aus dem kantonalen Finanzausgleichstopf bedienen. Das Vorgehen wird von den Fraktionen in ersten Stellungnahmen zwar durchwegs als unvermeidlich taxiert und damit begrüsst, doch die Schuld an der Situation schieben sich die Lager gegenseitig zu.

Dem bürgerlich dominierten Stadtrat von Dietikon wird seitens der Grünen vorgeworfen, er habe sich beim 2012 in Kraft getretenen neuen Finanzausgleich über den Tisch ziehen lassen. Er hätte sich besser wehren sollen. Ähnlich tönt es seitens der AL. Der Finanzausgleich sei im Abstimmungskampf vom Regierungsrat mit dem Argument verkauft worden, es werde sich nicht viel ändern. Nun zeige sich das Gegenteil. Auch die SP argumentiert ähnlich. Die SVP hält dagegen, es sei ja der damalige SP-Regierungsrat aus Dietikon gewesen, der innerhalb der Kantonsregierung für den neuen Finanzausgleich verantwortlich zeichnete. Angesichts dieses Vorgeschmacks darf man auf die Budgetdebatte im Dezember gespannt sein.

Das Dietiker Stimmvolk hingegen machte seinen Willen bereits am Wochenende kund, indem es eine Aufwertung des Stadtparks Kirchhalde für 2,9 Millionen als zu teuer ablehnte und dem Stadtrat signalisierte, einen Sparkurs einzuschlagen. Das war noch, bevor die Pläne des Stadtrats publik wurden. Dass 91 Prozent der Abstimmenden gleichzeitig einen Verpflichtungskredit über 270 Millionen Franken für den Neubau des Spitals Limmattal guthiessen, muss kein Widerspruch sein. Der Neubau des in die Jahre gekommenen «Limmi» ist allgemein als notwendig anerkannt. Die Parkaufwertung wurde nicht als vordringlich taxiert.

Der Auftrag der Bevölkerung an Stadtrat und Parlament lautet also: Nur das Nötigste wird finanziert. Das Problem ist aber: Die Finanzaussichten der Stadt sind so schlecht, dass das Geld nicht einmal dafür reichen könnte. Mit fast 40 Millionen Franken kam zuletzt rund ein Fünftel des städtischen Haushaltsbudgets in Form von Ausgleichszahlungen vom Kanton. Diese Quelle wird aber 2017 teilweise versiegen. Die Konsequenz: Der Stadt werden einige Millionen Franken in der Kasse fehlen.

Der Stadtrat hat zwar eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die den Finanzhaushalt unter die Lupe nimmt, mit dem Ziel, diesen zu optimieren. Das alles ist dringlich und richtig und dennoch eine Herkulesaufgabe. Die Rahmenbedingungen sprechen zumindest gegen eine rasche Lösung. Denn die Soziallasten steigen seit Jahren an; Dietikon weist mit über 7 Prozent die höchste Sozialhilfequote im Kanton aus; die Arbeitslosenquote ist ebenfalls traurige Spitze. Umgekehrt sind die Steuereinnahmen aktuell schwer kalkulierbar. Es wird zu Recht befürchtet, dass sich Dietikon aus eigener Kraft nicht mehr aus der vertrackten Situation retten kann.

Längst hat der Stadtrat zu Plan B gegriffen. Der Kanton soll «soziale Sonderlasten» berücksichtigen, wenn es um den Finanzausgleich geht. Seine Argumentation: Die offensichtliche und unabwendbare Konzentration von Menschen in Dietikon, welche die Allgemeinheit stärker fordern, entlaste die Sozialbereiche anderer Gemeinden.

Das mag alles richtig sein, doch es ist nur ein Problem unter mehreren. Längst bereiten nämlich nicht nur die Sozialkosten von Jahr zu Jahr mehr Sorgen. Auch das Bevölkerungswachstum kostet Substanz und löst Millioneninvestitionen aus. Bis die Steuererträge der Neuzuzüger diese zu refinanzieren vermögen, werden Jahre vergehen. Zeit, die Dietikon derzeit nicht zu haben scheint. Der Stadtrat tut folglich gut daran, nicht nur massiv zu sparen. Er muss auch die rasant fortschreitende Stadtentwicklung drosseln.