Dietikon
Die Stadt wandelt sich, das Zentrum aber kränkelt

Dietikon ist im Wandel – neue Stadtteile entstehen, die Bevölkerung wächst, die Weichen stehen auf Zukunft. Im Stadtzentrum ist davon aber wenig spürbar. Der Detailhandel hat einen schweren Stand; Geschäfte schliessen, ziehen weg oder stehen leer.

Katja Landolt
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Drei dieser Firmenschilder werden in den nächsten Monaten aus dem Zentrum verschwinden. Katja Landolt

Drei dieser Firmenschilder werden in den nächsten Monaten aus dem Zentrum verschwinden. Katja Landolt

Limmattaler Zeitung

Diese Entwicklung macht Sorgen. Auch der Stadt – doch ihr Handlungsspielraum ist beschränkt: «Wir können nur die Rahmenbedingungen setzen und vermitteln, aber letztlich entscheidet der Markt, welche Geschäfte sich im Zentrum ansiedeln», sagt Jasmina Ritz, Leiterin Standortförderung der Stadt Dietikon.

Spagat zu gross

Ritz betont aber, dass das «Lädeli-sterben» kein Dietiker Phänomen sei, sondern ein gesellschaftliches. Auch an der Zürcher Bahnhofstrasse würden viele Traditionsgeschäfte verschwinden, so Ritz. Man dürfe nicht zu nostalgisch werden; «aber das Konsumentenverhalten ändert sich, die Kundenloyalität ist rückläufig.» Gleichzeitig sei der Bedarf nach qualitativ guten Läden gross – ein Spagat, der nicht zuletzt auch wegen der riesigen Konkurrenz in Spreitenbach und Zürich anspruchsvoll ist.

«Eine Agglomerationsstadt zu sein ist Fluch und Segen zugleich», sagt Ritz. Dietikon habe zwar den Vorteil verkehrstechnisch guter Anbindungen, für die Geschäfte im Zentrum sei es aber ein Nachteil. Zudem können sich die Ladenbesitzer die hohen Mietpreise nicht mehr leisten. Rund 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen derzeit im Zentrum leer. «Hier wären die Immobilienbesitzer gefragt, den Detaillisten entgegen zu kommen.»

Es fehlt an Attraktivität

Der fehlende Branchenmix – auch in den Augen von Heinz Vogler, Präsident der Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD) und Geschäftsführer von Marka Sport GmbH, eines der grössten Probleme Dietikons. «Es fehlt an Fachgeschäften.» Doch nicht nur: Es mangelt auch an Frequenz, an Laufkundschaft. Und an Attraktivität. «Wenn die Umgebung nicht attraktiv ist, braucht es einen enormen Zeitaufwand und wahnsinnig viel Kraft, um zu überleben. Wir sehen für uns keine Zukunftsperspektive mehr», sagt Vogler. Er und seine Frau Pia haben daraus ihre Konsequenz gezogen: Marka Sport GmbH schliesst per Ende September.

Vogler behauptet sogar, die Attraktivität habe in den letzten Jahren nachgelassen: «Vor zehn Jahren wurde eine Studie zum Thema ‹Was fehlt in Dietikon› herausgegeben. Ein Blick auf diese Studie zeigt, dass wir heute noch die genau gleichen Probleme haben. Mehr noch, sie haben sich sogar verstärkt.» Als Beispiele nennt Vogler den fehlenden Branchenmix, die Verkehrssituation und die Sauberkeit.

Den Schwarzen Peter will und kann Vogler für diese Situation niemandem zuschieben. Einen Schuldigen gebe es nicht, jeder Ladenbesitzer sei für sich selbst verantwortlich. Erschwerend sei aber auch die Tatsache, dass mit der Filialisierung der Bezug zu Dietikon verloren geht.

Innerhalb des VZD habe man sich um eine Verbesserung bemüht, enorme Arbeit geleistet und auch viel erreicht. «Aber ein Patentrezept für eine Kehrtwende gibt es nicht.» Der ernüchternde Eindruck täuscht nicht, wie Vogler bestätigt: Die Stimmung im VZD sei gedämpft. «Die Zukunftsaussichten für den Detailhandel sind nicht optimal.»

Herkulesaufgabe: lebhafte Stadt

Die Attraktivität zu steigern und so mehr Leben in die Stadt zu bringen scheint eine Herkulesaufgabe zu sein: «Ein Patentrezept gibt es nicht. Ich bin aber überzeugt, dass unsere Massnahmen zur Zentrumsaufwertung greifen werden: Das Kronenareal wird neu gestaltet und mit einer fussgängerfreundlichen Zone mit dem Kirchplatz verbunden. Und die Verbindung der beiden Tiefgaragen «Nextra» und Löwenzentrum bringt eine bessere Verkehrsführung.»

Auch die Umgestaltung des Kirchplatzes und die Einführung der Wochen- und Spezialmärkte hätten bereits viel zur Belebung des Zentrums beigetragen. Mit der Wiedereröffnung der Taverne zur Krone habe die Stadt ein Juwel mit regionaler Ausstrahlung. «Wichtig sind auch kulturelle Veranstaltungen im Zentrum, die viele Leute anziehen.»

Die Inbetriebnahme der Limmattalbahn werde ausserdem einen Entwicklungsschub auslösen und Kundschaft ins Zentrum bringen, ist Ritz überzeugt.

«Packen wirs an»

Für die Stadt bedeutet das: gute Planung und eine enge Zusammenarbeit mit den Immobilienbesitzern und dem Gewerbe. Ritz ist optimistisch: «Es braucht Anstrengungen von allen Seiten, denn von einem attraktiven Zentrum profitieren alle. Packen wirs an.»