Es gehe ihm nicht um einen Kleinkrieg gegen die Person des Stadthallengenossenschafts-Präsidenten und CVP-Gemeinderats Reto Siegrist. Das stellte FDP-Gemeinderat Martin Romer an der gestrigen Sitzung des Dietiker Stadtparlaments klar, bevor er den Stadtrat in einem Postulat dazu aufforderte, sich um grösseren Einfluss in der Genossenschaft zu bemühen. Was dann folgte, waren aber dennoch happige Vorwürfe aufgrund der Vermietpraxis unter Siegrists Ägide. Die Veranstaltungen, die in den vergangenen Jahren in der Stadthalle durchgeführt wurden, seien «von geringer Qualität», würden die Wohnqualität im Quartier stark mindern und liessen generell «nicht mehr darauf schliessen, dass die Halle einst zur Nutzniessung für die Dietiker Bevölkerung erstellt wurde», erklärte Romer. Zudem würden Anlässe wie die Hanfmesse Cannatrade gar Dietikons Image schaden.

Bereits auf Kritik reagiert

Heute würden zudem wohl «Eventveranstalter aus der ganzen Schweiz» die Halle mieten; ortsansässige Vereine könnten sich die Miete — trotz Preisabschlag — aber kaum mehr leisten. Für Schlagzeilen sorgte vor kurzem der Fall der Stadtjodler, die sich aufgrund der hohen Mietpreise gezwungen sahen, sich einen günstigeren Veranstaltungsort zu suchen. Sie konnten sich dann zwar noch mit der Genossenschaft auf für beide Seiten akzeptable Konditionen einigen. Auch räumt Romer ein, dass die Genossenschaft mit einem Wechsel im Verantwortungsbereich Vermietung auf Kritik reagiert habe.

Dennoch ist dieser Fall für Romer symptomatisch für eine Vermietpraxis, bei der mittlerweile nur noch Geld im Vordergrund stehe: «Wer die Halle zahlen kann, bekommt sie in der Regel auch», so der Gemeinderat. Umso bedauerlicher sei diese Entwicklung angesichts der Tatsache, dass das Stimmvolk sich 2002 mit einer überwältigenden Mehrheit für einen Rahmenkredit von drei Millionen Franken zuhanden der Stadthallengenossenschaft ausgesprochen hat.

Dass Reto Siegrist — der während der Behandlung des Geschäfts in den Ausstand trat — das Genossenschaftspräsidium dieses Jahr niederlege, sei deshalb «die geeignete Schnittstelle» für den Stadtrat, sich gleich selbst um das Präsidium zu bemühen. Die beiden Vertreter der Exekutive in der Genossenschaft, Roger Brunner und Heinz Illi, seien heute nämlich chancenlos im elfköpfigen Vorstand: Ihren Einsitz «könne man sich eigentlich gleich schenken».

Ansonsten könne die Stadt ihre Anteile an der Halle auch verkaufen und «allfällig andere Steuergelder zurückfordern» — so wüssten die Bürger Dietikons und die rund 100 Vereine «wenigstens offenkundig, dass die ehemalige Stadthalle ausschliesslich nach monetären, kaufmännischen Grundsätzen vermietet wird». Der Stadtrat nahm das Postulat entgegen.