«Nirgends werden die Mobilfunk-Anbieter kontrolliert, die Anwohner fühlen sich schlichtweg ausgeliefert», sagt Beat Steiger. Der Schlieremer spricht von den undurchsichtigen Methoden, wie Funk-Antennen geplant, erstellt und schliesslich gebaut werden. «Die Aufruhr in der Bevölkerung ist stets gross, doch fehlt es an Mitteln und Möglichkeiten, seriös abzuklären, ob eine Antenne auch wirklich problematisch ist», so Steiger weiter.

Mit einer Einzelinitiative, die er kürzlich einreichte, will Steiger dies nun ändern. Inspiriert dazu hatte ihn die von Silvia Meier lancierte Petition gegen eine Swisscom-Antenne in der Lättenstrasse vergangenen Herbst. Zwischenzeitlich wurde jedoch nicht nur diesem Vorhaben die Baubewilligung erteilt, auch eine Salt-Anlage an der Engstringerstrasse darf gebaut werden. Dies habe Steiger dazu veranlagt, sich vertieft mit der Materie auseinanderzusetzen.

In seinem Vorstoss schlägt er vor, dass die Stadt Schlieren eine unabhängige Institution mit einer umfassenden systematischen Kontrolle von Funkanlagen beauftragt. Diese Kontrollen sollen bei Antennen an sogenannten Orten mit empfindlicher Nutzung – auch Omen genannt – durchgeführt werden. Dabei handelt es sich etwa um Wohngebiete, Schulanlagen sowie Spiel- und Pausenplätze und Spitäler. Am jeweils höchstbelasteten Punkt müsste mindestens einmal jährlich eine Kontrolle durchgeführt werden. Dafür aufkommen soll jedoch nicht der Steuerzahler. «Sämtliche mit den Kontrollen zusammenhängenden Kosten sollen denjenigen Grundeigentümern auferlegt werden, auf deren Grundstück eine Funkanlage betrieben wird», so Steiger.

Landbesitzer sollen zahlen

Steiger betont, dass für das Gemeinwesen durch die Kontrollen keine Kosten entstehen dürfen. Auch sollen Ausnahmen möglich sein. Unabhängige Kontrollen müssten nicht gemacht werden, wenn sich die Antenne in einem Industriegebiet, also fernab der Spiel- und Ruhezonen der Wohnbevölkerung, befindet. Auch wenn die Antenne auf gemeindeeigenem Land liegt und sich der korrekte Betrieb durch das Awel bestätigen lässt oder wenn es sich um schwach strahlende Antennen handelt, sollen solche Kontrollen nicht nötig sein, heisst es in der Initiative. Über sämtliche Anlagen, deren Kontrollergebnisse sowie die sensiblen Orte soll die Stadt Schlieren darüber hinaus ein öffentlich einsehbares Verzeichnis führen, wie Steiger weiter fordert.

Der Initiant hält dies für verhältnismässig. Denn bei den meisten Menschen sorge eine solche Antenne in Sichtdistanz für ein ungutes Gefühl. Die Betroffenen sollen daher wissen, wie stark und gesetzeskonform sie bestrahlt werden. «Wir sollten nicht auf die intransparente Selbstkontrolle der Mobilfunkindustrie vertrauen.» Zudem würden unabhängige Stichproben aufzeigen, dass Antennen in vielen Fällen nicht gemäss Bewilligung betrieben würden.

Er selber profitiert nicht

Wird die Einzelinitiative von der Stadt für gültig erklärt, braucht sie die Unterstützung von mindestens zwölf Stadtparlamentariern, damit das Stimmvolk darüber befinden kann. Wie der Gemeinderat auf seinen Vorstoss reagieren wird, weiss Steiger noch nicht. Er stand erst mit vereinzelten Gemeinderäten in Kontakt. Selber gehört er keiner Partei an. «Ich denke aber, dass meine Initiative mehrheitsfähig ist, denn ich habe die Thematik sauber aufgearbeitet und unterbreite der Öffentlichkeit einen soliden Vorschlag.» Zumindest wäre es fair, wie er sagt, würde das Parlament die Betroffenen – die Einwohner – darüber befinden lassen. Auf prominente Unterstützung kann er bereits zählen. Petitionärin Silvia Meier, die vergangenen März für die SP ins Gemeindeparlament gewählt wurde, sagt auf Anfrage, dass der Initiativtext die Gedanken der Anwohner des Zelgli-Quartiers sehr gut widerspiegele.

«Ob eine Antenne schädigend ist oder nicht, wird noch immer heiss diskutiert. Aber: Niemand verliert sein ungutes Gefühl aufgrund von Kontrollen, die von Mobilfunkanbietern durchgeführt werden», sagt sie. Es müsse nun für Transparenz gesorgt werden – auch vonseiten der Politik. Auch findet sie den Lösungsansatz interessant. «Jene Landbesitzer, die von den Antennen finanziell profitieren, sollen auch die Kosten für die Kontrollen übernehmen. Das ist gut und recht.»

Der Initiant Steiger betont, dass er selbst nicht direkt von solchen Prüfungen profitieren würde. Weil er nicht in einem sogenannten Omen-Gebiet wohnt.