Restaurant Mühleacker
Die Stadt Schlieren sucht dringend einen Pächter

Wer das Restaurant Mühleacker dereinst übernimmt, kann auf einen Grundstock an rüstigen Kunden zählen. Einige Hindernisse gilt es jedoch zu überwinden, wie die Verantwortlichen einräumen.

Alex Rudolf
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Susanne Tanner, Leiterin Alter und Pflege, mit Stadtrat Christian Meier.

Susanne Tanner, Leiterin Alter und Pflege, mit Stadtrat Christian Meier.

Alex Rudolf

Fast 20 Personen, vornehmlich Seniorinnen und Senioren, haben sich an diesem Mittag im Restaurant Mühleacker eingefunden. Im lichtdurchfluteten Wintergarten werden Fleischvogel und Cannelloni serviert, den Gästen scheint es zu schmecken. In dieser Form wird das Angebot jedoch nicht mehr lange existieren. Die Betreiberin, der Verein Sintegra Zürich, schliesst das Restaurant bereits Mitte Mai, wie es in einem Schreiben im Schaufenster vor der Überbauung heisst. Neu wird das Unternehmen, welches Menschen mit psychischer Beeinträchtigung einen Arbeitsplatz bietet, in Oerlikon wirten.

Sandbühl-Küche ist überlastet

Einen neuen Pächter hat die Besitzerin der Liegenschaft, die Stadt Schlieren, noch nicht. Bereits in der parlamentarischen Fragestunde von Mitte März erkundigten sich zwei Gemeinderäte bei Sozialvorstand Christian Meier (SVP), was denn mit dem «Mühleacker» geplant sei. Dieser erwiderte, dass noch nichts feststehe und man für gute Ideen offen sei. Heute sind die Vorstellungen der Stadt zwar ein wenig konkreter, doch fehlt noch immer ein Interessent. «Dabei handelt es sich um eine komplexe Sachlage», wie Susanne Tanner, Abteilungsleiterin Alter und Pflege der Stadt Schlieren, sagt.

«Entweder es wird zu einem Familienbetrieb, bei dem nicht jede Arbeitsstunde entgolten werden muss, oder aber eine gemeinnützige Organisation übernimmt.»

Christian Meier, Ressortvorstand Alter und Soziales

Denn: Bezieht jemand eine der 20 Alterswohnungen, die in den Obergeschossen angesiedelt sind, ist ein Mittagessen pro Woche im «Mühleacker» inbegriffen. «Doch gibt es auch Senioren, die jeden Tag hier ihre Mahlzeit konsumieren.» Nun, da der Pächter das Restaurant schliesst, wird dieser Service vorläufig von der Küche des Alterszentrums Sandbühl geleistet. Dies soll jedoch nur vorübergehend so laufen. «Denn die Sandbühl Küche ist für das Kochen von 100 Menus konzipiert. Inzwischen sind es aber bereits viel mehr und mit dem neuen Auftrag vom Mühleacker werden es neu rund 150 sein», so Tanner. Für Auswärtige bleibt des Restaurant bis auf weiteres geschlossen, da einfach die Kapazitäten fehlen.

«Ein neuer Pächter müsste für die Mittagsmenus der Mühleacker-Bewohner zuverlässig sorgen», sagt Tanner. Ansonsten sei die Stadt für viele verschiedene Restaurant-Konzepte offen. Abends blieben die Lichter im «Mühleacker» bisher ohnehin gelöscht und die Kochtöpfe kalt. «Schnell fanden die Pächter, dass sich der abendliche Betrieb nicht rentiert», so Meier. Mögliche Gründe könnten etwa die leicht versteckte Lage oder das bereits grosse Gastro-Angebot in der Stadt sein, mutmasst er. Doch sei der Abendbetrieb durchaus denkbar, sagt Meier. So könne sich das Mühleacker eventuell zu einem neuen Quartiertreffpunkt in Schlieren entwickeln.

Familienbetrieb sei denkbar

Für Meier steht fest, dass das «Mühleacker» für zwei mögliche Pächtertypen infrage kommt. «Entweder es wird zu einem Familienbetrieb, bei dem nicht jede Arbeitsstunde entgolten werden muss, oder aber eine gemeinnützige Organisation übernimmt.» Denn meist sei der Ertrag über die Mittagsstunden nicht so hoch, wie es die Personalkosten sind.

Von einem Familienbetrieb erhielt die Stadt zwar bereits eine Anfrage, doch versandete das Interesse scheinbar. Vorläufig werden nun also die täglich zwischen drei und zwölf Menus für die Bewohner der Mühleacker-Alterswohnungen im Sandbühl gekocht und anschliessend geliefert. «Es wäre schon schön, wenn wir bis spätestens Ende Jahr einen neuen Betreiber finden würden», sagt Tanner.