Mit dem Salmensaal ist Schlieren schon seit Jahrzehnten nicht mehr ganz zufrieden. Von der Lage in einem Wohnquartier über den baulichen Zustand des Gebäudes bis hin zum Verhältnis mit dem Pächter hat die Stadt vieles am «Salmen» zu kritisieren. Bereits im Jahr 2009 wurde dem Stadtrat ein Kauf- oder Mietangebot der Liegenschaft unterbreitet, in der auch die Parlamentssitzungen stattfinden. Er schlug es mit Verweis auf viel zu hohe Kosten aus. Nun wird bekannt, dass die Stadt – sieben Jahre nach der letzten Offerte – die Liegenschaft ab März 2018 mieten will. Da der Pachtvertrag zwischen dem Liegenschafsbesitzer und dem aktuellen Pächter von Saal und Restaurant abläuft, möchte die Stadt dann das Zepter übernehmen.

Den Saal beabsichtigt sie selber zu betreiben, das Restaurant will sie an einen Gastronomiebetrieb vermieten. Dies will sich der Stadtrat jährlich rund 251 000 Franken kosten lassen. Voraussichtlich 100 000 Franken fliessen durch Vermietung des Restaurants und Saalvermietungen wieder zurück in die Stadtkasse, wodurch sich die Höhe des Kreditantrags an das Gemeindeparlament von 151 000 Franken ergibt. Hinzu kommen jährliche Folgekosten von knapp 57 000 Franken, etwa für Reinigung und Unterhalt. Aktuell gibt Schlieren jährlich rund 80 000 Franken für die Benutzung des Salmensaals aus, die Mehrkosten mit der neuen Lösung belaufen sich auf rund 127 000 Franken.

Erneute Namensänderung

Mit diesem Schritt beabsichtigt die Stadt nichts weniger, als den «Salmen» wieder zu dem zu machen, was er während seiner kulturellen Blütezeit in den 1970er- und 1980er-Jahren war: ein Veranstaltungslokal für die Vereine der Stadt. «Er soll aber auch Platz bieten für Delegiertenversammlungen und nationale und internationale Kongresse», schreibt der Stadtrat in seiner Weisung. Renovierungsarbeiten im Umfang von rund 100 000 Franken, die Stadt und Liegenschaftsbesitzer zu gleichen Teilen finanzieren, sollen den Saal fit für die Zukunft machen. So werden der Haupteingang wie auch die Toilettenanlagen aufgewertet.

Damit der Saal in neuem Glanz erstrahlen kann, ist auch eine Namensänderung vorgesehen. Wie der «Salmen» ab April 2018 heissen soll, steht noch nicht fest, doch bereits nach den Sanierungsarbeiten im Jahr 2000 war von einer Namensänderung in «Kongress- und Stadtsaal» die Rede.

Für Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) ist diese Lösung ideal, da sich die Stadt auf diese Weise besser der Lärm- und Parkplatzproblematik annehmen könne, welche die Anwohner derzeit stören würden.

Nachfolger auf dem Stadtplatz?

Vorerst ist der Mietvertrag bis Dezember 2022 befristet, mit Möglichkeit auf eine Verlängerung. «Diese Lösung dient dazu, die Zeit zu überbrücken, bis ein neuer Stadtsaal gebaut ist», schreibt der Stadtrat in der Weisung.

So gab die Exekutive im vergangenen Januar bekannt, dass die Vorzeichen für einen neuen Stadtsaal beim dereinstigen Stadtplatz im Zentrum gut stehen. Der erste Entwurf einer Machbarkeitsstudie sieht dort auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern ein parkgesäumtes Gebäude vor. Dieses soll nebst einem Saal mit rund 600 Sitzplätzen eine Tiefgarage sowie Räume für städtische Mantelnutzungen beherbergen, wie es damals hiess.

Wie Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel auf Anfrage sagt, werde voraussichtlich in den kommenden Wochen der Entscheid bezüglich Betreiber- und Investitionsmodell fallen, woraufhin Ende Jahr der Gemeinderat über den Antrag auf einen Wettbewerbskredit und den Standort entscheidet. Ein Architekturwettbewerb könnte im Herbst 2017 abgeschlossen werden, woraufhin das Geschäft im Jahr 2019 an die Urne käme.

Es folgt Sanierung oder Neubau

Dies ist bereits der zweite Anlauf, das Zentrum mit einer Halle auszustatten. Das im Jahr 2013 vom Immobilienunternehmer Halter vorgeschlagene Kongresszentrum «Destination Schlieren», welches ebenfalls am Stadtplatz vorgesehen gewesen wäre, stiess jedoch auf grossen Widerstand. In einem Stadtentwicklungsworkshop stellte sich heraus, dass die Dimension des Baus – 3000 Sitz- und 6000 Stehplätze – hätte er bieten sollen, den Schlieremern zu gross war.

Und was geschieht – wenn denn der Stadtsaal dereinst im Zentrum steht – mit dem geschichtsträchtigen «Salmen»? Erstmals hätten Zukunftspläne der Eigentümerin in Erfahrung gebracht werden können, wie der Stadtrat in der Weisung schreibt. So hege diese Pläne, die Liegenschaft zu renovieren oder gar ganz abzubrechen und anschliessend einen Neubau zu erstellen: «Allenfalls auch ohne Saal.»

Stiefel hofft, dass der Kreditantrag im Parlament auf Wohlwollen trifft. Dabei stehe nicht einmal der Veranstaltungsort für das Schlieremer Parlament im Zentrum: «Für die Durchführung der Parlamentssitzungen gibt es in Schlieren mehrere Möglichkeiten», sagt sie. «Viel eher wäre ein Nein des Parlaments ein Nein zur aktiven Gestaltung und Mitbestimmung der Stadt für ein kulturell lebendiges Stadtzentrum.»