Schlieren
Die Stadt erhält wohl ihre letzte Lärmschutzwand

Ein Projekt des Kantons steht im direkten Gegensatz zu den Plänen der Stadt.

Alex Rudolf
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Trennende Wirkung versus Lärmschutz: Stadt und Kanton haben unterschiedliche Auffassungen bezüglich Lärmschutzwänden.

Trennende Wirkung versus Lärmschutz: Stadt und Kanton haben unterschiedliche Auffassungen bezüglich Lärmschutzwänden.

Symbolbild/Chris Iseli

Im Bogen der Kesslerstrasse unweit des gleichnamigen Platzes in Schlieren soll bald eine Mauer erstellt werden. Erstrecken wird sie sich zwischen Kleinzelgli- und Langackerstrasse und die Bewohner der dahinterliegenden Wohnhäuser vor dem Strassenlärm schützen. Hinter diesem kleinen Bauprojekt, das derzeit öffentlich aufliegt, steckt jedoch noch viel mehr. Es zeigt die Probleme auf, mit welchen sich die Planer von Stadt und Kanton herumschlagen, weil ihre politischen Aufträge teils in völlig entgegengesetzte Richtungen zeigen.

Vonseiten der Stadt stehen derzeit nämlich alle Zeichen auf: «Lärmschutzwände, das wollen wir nicht.» Zuletzt im Stadtentwicklungskonzept II war vermerkt, dass diese stets eine trennende Wirkung aufwiesen. Besonders die Wand entlang der Bernstrasse nahe der Engstringerkreuzung kam bei der Präsentation des Konzepts im vergangenen September schlecht weg. Dies weil eines der Fernziele der Planungs- und Bauabteilung ist, die Bernstrasse zu einem attraktiven Stadtboulevard umzuwandeln. Lärmschutzwände haben an einem solchen nichts zu suchen, so der Tenor.

Lärmsanierung

Projekte im Bezirk grösstenteils fertig

Die Lärmsanierung entlang der Staatsstrassen, die der Kanton vollbringen muss, sind bereits heute grösstenteils abgeschlossen, wie Thomas Maag von der Zürcher Baudirektion auf Anfrage sagt. Aufgrund von Grossprojekten wie etwa der Limmattalbahn komme es vereinzelt auch zu Verzögerungen. «Die unterbrochenen Arbeiten in Dietikon können nach Vorliegen der verkehrstechnischen Auswirkungen der Limmattalbahn diesen Sommer weitergeführt werden», so Maag weiter. Aktuell werde zudem auf den Hauptstrassen in Geroldswil und Oetwil Teststrecken mit lärmarmen Belägen realisiert und deren Wirkung gemessen. Noch bis 2022 entrichte der Bund Beiträge an Projekte zur Lärmsanierung. (aru)

Flüsterbelag bevorzugt

Ein Stadtboulevard wird die Kesslerstrasse sicherlich nicht, doch gäbe es auch hier andere Möglichkeiten, den Lärm zu verhindern oder zumindest zu reduzieren, wie der Schlieremer Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) sagt. Von sogenannten Flüsterbelägen bis hin zu Lärmfenstern oder Temporeduktionen sei vieles möglich. Diese Instrumente stehen dem Kanton entlang seiner Staatsstrassen zur Verfügung, wenn es darum geht, den in der Lärmschutzverordnung festgeschriebenen Auftrag zu erfüllen. Dieser hat zum Ziel, die Immissionsgrenzwerte bei Gebäuden entlang der Kantonsstrassen einzuhalten.

Werbung weg, Pflanzen her

Das Misstrauen gegenüber der Lärmschutz-Massnahme an der Kesslerstrasse wurde in der Einwendung des Stadtrates gegen das Vorprojekt deutlich. Anfang März wurde diese veröffentlicht. Demnach habe die Strassengestaltung siedlungsorientiert zu erfolgen. «Eine Lärmschutzwand ist sehr kritisch zu hinterfragen, da solche Anlagen eine erhebliche Höhe aufweisen und konstruktionsbedingt immer trennend wirken», schreibt die Stadt weiter. Diesem Gedanken stehe jedoch der Schutz der nahe an der Lärmquelle wohnenden Einwohner gegenüber. Nach einer Abwägung dieser beiden Faktoren kommt der Stadtrat zwar zum Schluss, dass die Lärmschutzwand hier «ausnahmsweise» infrage kommt.

«Dies darf jedoch nicht als Präjudiz für weitere Wände an Kantonsstrassen missverstanden werden.» Trotzdem verzichtete die Stadt nicht darauf, Einwendungen einzureichen. «Darin sprach sich der Stadtrat gegen die Ausstattung der Wand mit Plakatwänden und für eine Begrünung aus», sagt Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) auf Anfrage. Nun anlässlich der öffentlichen Auflage zeigt sich, dass der Kanton diese berücksichtigt hat. «Das Projekt wurde im Sinne der Einwendungen überarbeitet.» Nach Ende der Auflage Anfang Juni erarbeitet das Tiefbauamt das Bauprojekt und legt dieses erneut öffentlich auf. Laut Sprecher der Baudirektion, Thomas Maag, ist geplant, die Wand bis 2019 zu realisieren.

Ein kleiner Trost dürfte sich in der Vorstudie zur Beurteilung der Machbarkeit von Lärmschutzmassnahmen aus der Baudirektion finden lassen. Darin sind sämtliche Liegenschaften entlang von Staatsstrassen vermerkt, deren Bewohner einer zu hohen Lärmbelastung ausgesetzt sind. Auch die möglichen Massnahmen sind vermerkt. So geht daraus hervor, dass auf Schlieremer Stadtgebiet noch an lediglich zwei Orten der Bau einer Lärmschutzmauer möglich ist. Neben dem Projekt an der Kesslerstrasse handelt es sich dabei um eine mögliche Lärmschutzwand entlang der Engstringerstrasse und Brücke über die SBB-Gleise. Zwar sind drei weitere Strassenabschnitte mit «Schutzwand möglich» beschriftet, doch besteht durchaus die Möglichkeit, dass jene an der Kesslerstrasse die Letzte ist, die in Schlieren gebaut wird.