Die Passage im Kapitel der Finanzabteilung im Geschäftsbericht 2012 der Stadt Dietikon macht hellhörig: «Die Zwangsaufnahme von zusätzlichen Asylbewerbern zwang die Stadt dazu, sechs Wohnungsmietern zu kündigen, damit die zugewiesenen Asylbewerberinnen und Asylbewerber untergebracht werden konnten.» Und weiter: Infolge der Umnutzung hätten die alten Wohnungen teilweise saniert und die Wohnungstüren durch Brandschutztüren ersetzt werden müssen.

Keine Ersatzlösung für Mieter

Es handle sich um sechs Wohnungen in zwei älteren, stadteigenen Liegenschaften, schreibt die Finanzabteilung auf Anfrage der Limmattaler Zeitung. Eine Wohnung sei bereits als Notwohnung durch die Sozialabteilung genutzt worden. «Den Mietern wurde ordentlich gekündigt», so die Antwort weiter. Die Kündigungen seien fristgerecht per Ende Juni beziehungsweise September 2012 erfolgt. «Eine Ersatzlösung konnte den Mietern nicht angeboten werden.»

Zwei Kündigungen sind laut Finanzabteilung angefochten und diese Mietverhältnisse aufgrund der speziellen Konstellation erstreckt worden. «Es war zu erwarten, dass die Kündigungen nicht mit Freude aufgenommen würden», sagt Sozialvorstand Johannes Felber. Der Stadtrat habe dafür Verständnis. «Die gewählte Lösung ermöglichte jedoch die schnellste und günstigste Umsetzung, um der Aufnahmepflicht nachzukommen.»

Kontingent von 121 Personen

Der Kanton Zürich hat laut geltendem Verteilschlüssel 17 Prozent aller asylsuchenden Personen aufzunehmen. Von den Durchgangszentren aus werden diese in der Regel nach vier bis sechs Monaten auf die Gemeinden verteilt.

Der Druck des Kantons, das eigene Asylkontingent der Stadt zu erfüllen, sei wegen der hohen Asylgesuchszahlen nach dem Arabischen Frühling hoch gewesen, so der Geschäftsbericht der Sozialabteilung. Mit schweizweit rund 28 600 Asylgesuchen sei der seit 1999 höchste Gesuchseingang verzeichnet worden.
Das wiederum hatte Auswirkungen auf das Aufnahmekontingent von 0,5 Prozent der Wohnbevölkerung, das jede Zürcher Gemeinde erfüllen muss. Für Dietikon bedeutete dies für das Jahr 2012, dass 121 Personen aufgenommen werden mussten.

Die Stadt Dietikon stellt zurzeit für Asylsuchende 13 Wohnungen zur Verfügung. In einer Wohnung werden wenn immer möglich männliche Einzelpersonen untergebracht. In elf Wohnungen leben Familien und in einer Wohnung vier Frauen in einer Wohngemeinschaft.

Nur übliche Renovationsarbeiten

Zu den Arbeiten an den Wohnungen hält die Finanzabteilung fest, dass es sich hauptsächlich um feuerpolizeiliche Massnahmen gehandelt habe. Diese Auflagen seien erst seit kurzem bekannt und hätten nicht weiter aufgeschoben werden können. Auch bei den Renovationsarbeiten seien nur die ordentlichen, bei Mieterwechsel üblichen Arbeiten erledigt worden.