Dietikon
Die Stadt bezahlt 70 Prozent der Krippenkosten

Kinder, die eine Krippe besuchen, brauchen später weniger sonderpädagogische Massnahmen. Dies ist ein Grund, wieso die Stadt Subventionen nicht einschränken will.

Bettina Hamilton-Irvine
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Die Stadt subventioniert Kinderkrippen jährlich mit 2,8 Millionen Franken. (Symbolbild)

Die Stadt subventioniert Kinderkrippen jährlich mit 2,8 Millionen Franken. (Symbolbild)

Keystone

Das Ziel der ausserfamiliären Betreuung von Kindern ist nicht nur die Unterstützung der Eltern, damit diese Beruf und Familie besser vereinbaren können. Es ist auch die emotionale, kognitive, sprachliche und soziale Förderung der Kinder. Das schreibt der Dietiker Stadtrat in der Antwort auf eine Interpellation von FDP-Gemeinderat Philipp Müller.

Unter anderem hatte Müller wissen wollen, ob auch Familien, die Sozialhilfe oder eine Rente beziehen, von staatlicher Betreuungsunterstützung profitieren. Es sei «einleuchtend», schreibt Müller in seiner Begründung, dass die Subventionen in solchen Fällen ihr Ziel, nämlich die Förderung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf, «kläglich verfehlen».

Dem widerspricht der Stadtrat. Zwar stehe für einen Grossteil der Eltern, die ihre Kinder fremdbetreuen liessen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Zentrum, schreibt er. Dies habe eine Sichtung der Anmeldungen in den Betreuungsinstitutionen gezeigt. Darüber hinaus könne es aber durchaus auch sein, dass Eltern Wert auf die Förderung ihres Kindes über den Kreis der Familie hinaus legten.

Besserer Schulstart dank Krippen

Aus Sicht des Stadtrats ist das sinnvoll. So habe eine kürzlich durchgeführte Erhebung der Schulabteilung ergeben, dass Kinder, die eine Krippe oder Spielgruppe besucht haben, über bessere Sprachkenntnisse und gefestigtere soziale Kompetenzen verfügten. Diese Kinder hätten in der Volksschule einen «weit besseren» Start und benötigten auch weniger sonderpädagogische Massnahmen. Auf die Frage Müllers, wie noch besser sichergestellt werden könne, dass die Beiträge denjenigen zukämen, die sie am dringendsten brauchen, schreibt der Stadtrat entsprechend, es könne gefolgert werden, «dass die Betreuungsstrukturen denjenigen zugute kommen, die sie dringend benötigen».

Es hat wieder genug Plätze für alle

Dazu, für ein bedarfsgerechtes Angebot an Betreuung zu sorgen, sind die Gemeinden gesetzlich verpflichtet – sowohl im Volksschulgesetz als auch im neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz. Die Stadt Dietikon subventioniert Horte und Mittagstische, Kinderkrippen sowie Tagesfamilien. Nachdem die Schule, die für den Betrieb der Horte und Mittagstische zuständig ist, in den Jahren 2010 bis 2012 mit langen Wartelisten konfrontiert war, ist der Bedarf nun seit zwei Jahren etwa konstant, wie der Stadtrat schreibt: «Die zur Verfügung stehenden Plätze sind ausreichend.»

Zur Verfügung stehen heute in Dietikon 145 Hort-, 136 Mittagstisch- und 260 Krippenplätze. An den Kosten beteiligt sich die Stadt Dietikon substanziell: So werden von den 300 Betreuungsverhältnissen im Bereich Hort und Mittagstisch 203 von der Stadt subventioniert, während in 84 Fällen die Sozialabteilung die Normkosten übernimmt. Zudem subventioniert die Stadt 130 Krippenplätze; die Sozialabteilung belegt weitere 52 Plätze. Ingesamt bezahlen die Schul- und Sozialabteilungen gemeinsam knapp 77 Prozent der Benutzungsgebühren für Horte und Mittagstische, was 1,4 Millionen Franken pro Jahr entspricht. Bei den Kinderkrippen ist die Stadt für knapp 70 Prozent der Beiträge oder 2,8 Millionen Franken zuständig.

Weitere Kriterien sind nicht nötig

Müllers Frage, ob der Stadtrat weitere Kriterien einführen könnte, um das «bedarfsgerechte Angebot» zu beschreiben, erachtet die Exekutive als heikel. Eine Einschränkung des Begriffs über die Vorgaben seiner eigenen Kita-Verordnung hinaus sei «rechtlich umstritten», schreibt er. So könnten einschränkende Kriterien zwar die Subventionen leicht minimieren. Dafür wäre der Aufwand der Verwaltung entsprechend höher.

Die Einführung weiterer Kriterien sei zudem nicht angezeigt, so der Stadtrat, da Betreuungseinrichtungen gerade in Dietikon eine «wichtige gesellschaftliche Funktion» hätten.

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