Oberengstringen
«Die Sprache ist eine Waffe, haltet sie scharf»

Peter Kner und Dani Solimine zeigen in Oberengstringen, wie aktuell Kurt Tucholskys Werk heute noch ist.

Von Cynthia Mira
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Tucholsky Abend Oberengstringen
7 Bilder
Dem Publikum gefällt die spezielle Lesung
Für den Apéro ist gesorgt
Eine Stunde wurden ausgewählte Texte von Tucholsky vorgelesen
Die Veranstaltung fand in der Bibliothek Oberengstringen statt
Die Texte von Tucholsky bieten allerlei Gesprächsstoff
Ein reger Austausch nach der Tucholsky Lesung

Tucholsky Abend Oberengstringen

Cynthia Mira

«Die Sprache ist eine Waffe, haltet sie scharf!», liest Schauspieler Peter Kner aus einem der berühmten Texte des im Jahre 1935 verstorbenen Lyrikers Kurt Tucholsky vor. Für eine Stunde gehört die ganze Aufmerksamkeit der Besucher der Bibliothek Oberengstringen den beiden Limmattaler Künstlern, die in die spannende Welt Tucholskys einführen. Neben dem lebhaft lesenden Kner aus Schlieren, der mitunter im Radio SRF zu hören ist, musiziert Berufsgitarrist Dani Solimine aus Oberengstringen . Hin und wieder bringen einzelne Sätze des berühmten Schriftstellers die Zuhörer zum Lachen oder regen zu einem spontanen Kommentar an. Ansonsten ist es im Publikum ganz still.

«Ich mag Tucholsky und seine zeitlosen Texte sehr», sagt Brigitte Spiess, Leiterin der Bibliothek. Die Kombination von Text und Musik rege zum Nachdenken an – so könne sich das Gehörte noch setzen, meint sie.

Er zeigt die Lage der Welt

Die Idee kam Peter Kner vor zwei Jahren. Seine Kindheit sei bereits von Tucholskys Werken geprägt gewesen und die momentane politische Lage der Welt zeige die Aktualität seiner mitunter gesellschaftskritischen Texte auf. Demokratie sei anstrengend und Tucholsky habe sich in seiner Zeit als Linksdemokrat dafür eingesetzt und gekämpft, bis er feststellen musste, dass seine Texte den grausamen Nationalsozialismus nicht verhindern konnten. «Die künstlerische Tätigkeit Tucholskys endete mit seinem Wegzug nach Schweden, wohl gerade weil er sah, was in seiner Heimat Deutschland kommen wird», sagt Kner.

«Diese Wendung am Lebensende des Autors ist tragisch», betont auch Gabriela Sternberger, die aus Urdorf zum kulturellen Anlass angereist ist. Dennoch könne sie die Lesung sehr geniessen. Besonders gefallen fand sie am ersten vorgelesenen Text «Der Mensch»: «Darin ist alles vereint, was uns Menschen ausmacht», sagt sie. Daniel Künzler, ebenfalls Zuhörer an diesem Abend, lobte das Zusammenspiel zwischen Musik und gesprochenem Wort: «Die Kurzgeschichte, in welcher die Frage aufgeworden wird, woher die Löcher im Käse kommen, hat mich überrascht – besonders zu welch einer Debatte diese an sich simple Frage führen kann», sagt er.

Von Panter bis Hauser

Tucholsky wurde durch seine satirischen und intellektuellen Kurztexte bekannt, die unter zahlreichen Pseudonymen wie Theobald Tiger, Peter Panter oder Kaspar Hauser veröffentlicht wurden. «Eine solche Lesung könnte in Anbetracht seiner zahlreichen Texte jeden Donnerstagabend stattfinden», sagt Solimine. Als grosser Tucholsky-Fan konnte er sich sofort für das Projekt begeistern: «Ich habe seinen Roman Schloss Gripsholm schon rund zehn Mal gelesen und es war sicherlich nicht das letzte Mal.» Würde es seine Texte nicht geben, wäre dies ein grosser Jammer, fasst Peter Kner den Abend zusammen. Die Besucher stimmen dem Schauspieler zu.