Knapp 2,5 Millionen Franken hat die Stadt Dietikon im vergangenen Jahr für die Betreuung von Kleinkindern gezahlt. 149 Familien und Alleinerziehende wurden so durchschnittlich mit je 16'200 Franken unterstützt, damit sie ihre Kinder zu Hause betreuen können, wie aus dem kürzlich veröffentlichten städtischen Geschäftsbericht 2015 hervorgeht. Doch damit ist bald Schluss. Längstens bis Ende September zahlt die Stadt die Kleinkinderbetreuungsbeiträge noch aus – und dies auch nur an Familien, die ein Gesuch um die Unterstützung noch vor Ende April dieses Jahres gestellt haben. Auf dieses Datum hin hat eine Mehrheit des Kantonsrats letzten Herbst die Streichung der Kleinkinderbetreuungsbeiträge beschlossen – da sie unverhältnismässig und überholt seien.

Verschiebung ist gewollt

Dietikons Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP) beurteilt die 1992 eingeführten Betreuungsbeiträge ähnlich. «Sie sind nicht mehr zeitgemäss», sagt er mit Verweis auf familienergänzende Betreuungsstrukturen, etwa Krippenplätze, und einen veränderten Arbeitsmarkt. Auch seien sie mit «neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entwicklung von Kleinkindern» nicht mehr vereinbar.

Als Folge der Abschaffung der Beiträge rechnet die Stadt mit einer weiteren Belastung der Sozialhilfe. So kann gemäss Geschäftsbericht «nicht ausgeschlossen werden, dass ein Teil der Bezügerinnen und Bezüger bei der Sozialhilfe anhängig wird». Insbesondere jene, welche bislang den monatlichen Maximalbeitrag von rund 2800 Franken erhalten haben, dürften nach Einschätzung der Sozialabteilung künftig Sozialhilfe beanspruchen. Laut Bachmann ist diese Verschiebung der Unterstützungsleistung aber durchaus gewollt. «Bedürftige Familien und insbesondere Alleinerziehende sollen wieder über die Sozialhilfe unterstützt und betreut werden», sagt er. So liessen sich geeignete Fördermassnahmen für Kinder und Eltern im Einzelfall verknüpfen.

Laut Bachmann ist Dietikon zum Schluss gekommen, «dass die Stadt mit etwa 500'000 Franken an zusätzlichem Aufwand im Bereich der Sozialhilfe rechnen muss». Die Abschaffung der Betreuungsbeiträge entlaste die Stadtkasse letztlich aber um 1,5 bis 2 Millionen Franken.

Schlieren rechnet mit weniger

Die Stadt Schlieren, die gemäss Jahresrechnung letztes Jahr an 182 Bezüger Kleinkinderbetreuungsbeiträge in der Höhe von 1,2 Millionen Franken ausbezahlt hat, geht von einem geringeren Spareffekt aus. «Wir rechnen damit, dass etwa 50 Prozent der Beiträge eingespart werden können», sagt Christian Meier (SVP), Ressortvorsteher Alter und Soziales. Die anderen 50 Prozent, etwa 600 000 Franken, dürften künftig bei der Sozialhilfe anfallen. Meier begrüsst die Abschaffung der Beiträge ebenfalls. «Auch wenn man gewisse Bedingungen dafür erfüllen musste, wurden die Beiträge nach dem Giesskannenprinzip verteilt», sagt er. Deshalb hätten auch Familien die Beiträge bekommen, die nicht darauf angewiesen seien.

Mehr Subventionsgesuche

Auch in Urdorf rechnet man mit einer Umverteilung zulasten der Sozialhilfe, wie Sozialvorstand Olivier Buchs (FDP) sagt. «Wie hoch diese sein wird, können wir jedoch nicht genau abschätzen.» Die Gemeinde, die vergangenes Jahr 190 000 Franken an Betreuungsbeiträgen gezahlt hat, erwartet laut Buchs aber eine «deutliche finanzielle Entlastung».

Neben der Sozialhilfe könnten nach dem Ende der Beiträge auch die ausserfamiliären Betreuungsangebote stärker beansprucht werden, und damit die städtischen Subventionen für Krippenplätze oder Tagesfamilien. «Wenn Leute aufgrund der wegfallenden Betreuungsbeiträge mehr arbeiten müssen, könnte es einen Anstieg bei den Subventionsgesuchen geben», sagt Fabio Pedretti von der Schlieremer Sozialabteilung. Wie sich die Streichung der Kleinkinderbetreuungsbeiträge letztlich auf die Nachfrage nach subventionierten Betreuungsangeboten auswirke, sei derzeit aber schwierig zu sagen. Auch in Dietikon könne darüber nur spekuliert werden, sagt Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP), der für die subventionierten Betreuungsplätze zuständig ist.