1998 nahm Daniel Donatsch an seinem ersten Speedskating-Rennen teil. Heute ist der 38-Jährige ein routinierter Speedskater und Präsident des Inline Teams Limmattal. Zur Sportart fand Donatsch über Umwege. In seiner Schulzeit hat er mit seinen Freunden gerne Eishockey gespielt. Da es in Meilen, wo er aufwuchs, jedoch keine Eishalle gab, sind die Jungen auf Inline-Hockey ausgewichen. Auf den Skates fühlte sich Donatsch so wohl, dass er mit 17 Jahren schliesslich an seinem ersten Speedskating-Rennen teilnahm und kurz darauf regelmässig Wettkämpfe bestritt.

Das Inlineskaten verleiht Donatsch ein Gefühl von Freiheit und Genuss. «Wenn die Strasse gut ist, fühlt es sich an, als ob man darüber gleitet. Im Vergleich zum Laufen ist das Inlineskaten so mühelos», sagt Donatsch. Ihm gefalle es besonders, dass man auf den Skates schnell ein hohes Tempo erreichen könne und die Landschaft an einem vorbeifliege. Der Hobby-Sportler sitzt manchmal auch auf dem Rennrad, aber das Gefühl sei nicht vergleichbar. «Beim Inlineskaten gehört das Sportgerät zum Körper dazu. Das ist etwas anderes, als wenn man auf dem Rennrad sitzt.»

20-Jahr-Jubiläum

Mit dem Inline Team Limmattal trainiert Donatsch je nach Wetter einmal in der Woche. Zudem macht man bei schöner Witterung am Wochenende spontane Ausfahrten. Früher hätte das Team noch Trainingslager und Intervall-Trainings durchgeführt, aber der Verein sei mittlerweile älter geworden. «Wir sind Plauschskater», sagt Donatsch über sein Team.

Im Vergleich zu den normalen Skatern, die man in Sommermonaten ab und zu um die Schweizer Seen antrifft, haben die Limmattaler Skater jedoch ein hohes Tempo inne. Auch ihre Rennskates unterscheiden sich von den gewöhnlichen. Wie E-Biker werden die Speedskater von Autofahrern oft unterschätzt. Dabei erreichen sie schnell einmal eine Geschwindigkeit von 25 bis 30 Kilometer pro Stunde. «Die Leute sind nicht daran gewöhnt, dass Inlineskater so schnell unterwegs sind», meint der Speedskater.

Die meisten Mitglieder des Inline Teams Limmattal stammen ursprünglich aus der Region, viele sind aber im Verlaufe der Jahre weggezogen. Donatsch wohnt heute in Zug, dem Limmattaler Verein ist er jedoch treu geblieben. Dieser feiert im Oktober 2019 sein 20-Jahr-Jubiläum. «Eine lange Zeit waren unsere Zahlen eher rückläufig. In den letzten zwei Jahren kamen nun aber endlich wieder neue Leute dazu», sagt der Präsident. Momentan zählt der Verein 30 Mitglieder.

Die Teilnehmerzahlen sinken

Wettkämpfe bestreitet Donatsch meistens in der Halbmarathon- oder der Marathon-Distanz. Er nahm aber auch schon an Wettkämpfen über 100 Kilometer und am 24-Stunden-Rennen in Le Mans teil, das auf dem Konzept des gleichnamigen Autorennens beruht. Der Saisonhöhepunkt findet in Berlin statt und markiert gleichzeitig das Saisonende. Zwölf Mal ist Donatsch mit dem Inline Team Limmattal bereits in die deutsche Hauptstadt gereist, um die berühmte Laufstrecke des Berlin-Marathons zu absolvieren. Nicht zu Fuss, sondern am Tag vor dem Laufwettkampf mit den Inlineskates.

Der Berlin-Marathon ist der grösste und wichtigste Anlass für die Inlineskater und zählt oft sogar mehr Schweizer Teilnehmer als die einheimischen Wettkämpfe. «In der Schweiz ist die Szene leider relativ klein. Der grosse Inline-Boom war um das Jahr 2000. Deswegen gibt es auch heute noch relativ viele Skater in meinem Alter», sagt Donatsch. Damals zählten die grössten Veranstaltungen noch bis zu 4000 Teilnehmer. Heutzutage starten an den Rennen der Swiss Skate Tour nur noch etwa 200 Personen.

Er gehört zu den wenigen Speedskatern der Schweiz.

Daniel Donatsch

Er gehört zu den wenigen Speedskatern der Schweiz.

Weshalb die Zahlen so rückläufig sind, versteht Donatsch selber nicht. «Volksläufe boomen heutzutage ja, die Leute nehmen gerne an Wettkämpfen teil.» Obwohl das Inlineskaten als Freizeitaktivität so beliebt ist, wird die Sportart nur selten hobby- oder gar profimässig betrieben. Als reiner Profi kann man auch gar nicht über die Runden kommen, unter anderem weil das Inline-Speedskating keine olympische Sportart ist. Viele Spitzensportler gehen deshalb im Winter Eisschnelllaufen und nehmen sogar erfolgreich an den Olympischen Winterspielen teil.

Seit das Skateboarden für das Jahr 2020 erstmals ins olympische Programm aufgenommen wurde, sieht Donatsch für das Inlineskating jedoch einen kleinen Hoffnungsschimmer. «Das Inlineskating und das Skateboarden stehen unter dem gleichen Dachverband. Vielleicht gelangt das Speedskating in Zukunft auch ins olympische Programm.»

Grössere Räder bringen Vorteile

Heutzutage sind die meisten Inlineskater polysportiv. Besonders Laufen, Biken und Rennradfahren sind sehr beliebt. «Ein Inlineskater braucht neben Geschicklichkeit und Balance auch sehr viel Kraft und Ausdauer. Letztere trainieren viele auch auf dem Fahrrad oder durchs Joggen», sagt Donatsch. Er selber stand auch schon an Triathlons am Start und fährt des Öfteren Rennrad.

Neben der Kondition muss jedoch auch die Technik trainiert werden. «Es gibt Inlineskater, die körperlich viel weniger fit und trotzdem schneller sind als ich», sagt Donatsch. Um sich verbessern zu können, schauen sich die Mitglieder des Inline Teams Limmattal auf den Ausfahrten gegebenenfalls auf ihre Technik und geben einander Tipps. Zudem machen sie im Frühling vor den Ausfahrten meistens einen kurzen Technikblock.

Nicht nur die Kondition und die Technik, sondern auch das Material an den Füssen spielt bei Speedskating-Rennen eine wichtige Rolle. Da die Grösse der Räder einen entscheidenden Vorteil bringen kann, gibt es eine offiziell festgelegte Limite.

Früher gab es an einem Skate fünf Räder mit einem Durchmesser von maximal 85 Millimetern. Mit den Jahren wurden die Räder jedoch immer grösser. Die letzten Skates hatten vier Räder mit einem Durchmesser von 110 Millimetern und die neuesten haben nur noch drei Räder mit einem Durchmesser von 125 Millimetern.

Für lange gerade Strecken sind grössere Räder nämlich vorteilhaft, da die Geschwindigkeit einfacher gehalten werden kann. Je grösser die Räder sind, desto höher steht man jedoch und desto schwieriger wird es, die Balance zu halten und zu beschleunigen. Deshalb haben den letzten Wechsel auf die Skates mit drei Rädern lange nicht mehr alle mitgemacht.

Freund und Gegner in einem

Auf Spitzensportniveau kann zusätzlich die Wettkampftaktik entscheidend sein. «Beim Inlineskaten kann man viel mehr vom Windschatten seiner Gegner profitieren als beim Radfahren, da man viel näher zueinander aufschliessen kann», erklärt Donatsch. Viele organisieren sich deshalb wie beim Radrennen in Teams, um gegenseitig im Windschatten fahren zu können.

«Man ist einerseits Freund, weil man zusammen arbeitet und so weiterkommt. Andererseits ist man aber trotzdem Gegner, da ein Rennen immer ein Wettkampf bleibt, der im Schlussspurt entschieden wird», sagt Donatsch. Überhaupt nicht leiden könne er die Skater, die in einem Grüppchen hinten mitfahren, um nur vom Windschatten zu profitieren, und dann im Schlussspurt alle überholen müssten. Für den Speedskater ist nämlich klar: «Am wichtigsten bleiben in jedem Sport das Fairplay und der Spass.»