Security

«Die Situation vor Nachtclubs lässt sich vergleichen mit Einsätzen bei Krawallen»

Dass sich viele Nachtclubs keine gut ausgebildeten Sicherheitsangestellten leisten wollten, sei ein Problem, sagt Sicherheitsfirmeninhaber René Leuenberger.

Dass sich viele Nachtclubs keine gut ausgebildeten Sicherheitsangestellten leisten wollten, sei ein Problem, sagt Sicherheitsfirmeninhaber René Leuenberger.

Der Kantonsrat will klare Auflagen und besser ausgebildete Sicherheitsangestellte. Der Vorstoss komme zu spät, sagt René Leuenberger, Inhaber einer Dietiker Sicherheitsfirma.

Herr Leuenberger, warum haben Türsteher so einen schlechten Ruf?

René Leuenberger*: Für Sicherheitsangestellte, die als Türsteher arbeiten, gelten andere Massstäbe als beispielsweise beim Verteilen von Bussen. Die Situation vor den Nachtclubs lässt sich vergleichen mit Einsätzen bei Fussballspielen oder Krawallen.

Stark alkoholisierte Personen oder solche auf Drogen sind oft aggressiv und schwer einzuschätzen. Da nützt Deeskalation irgendwann nichts mehr. Der Job ist eine Gratwanderung: Einerseits muss der Arbeitgeber zufriedengestellt werden, indem man unschöne Szenen verhindert, und andererseits ist die eigene Sicherheit und die der Gäste zu gewährleisten.

Haben Sie Mitarbeiter, die dem typischen Bild des furchteinflössenden Türstehers entsprechen?

Nein. Unser Betrieb hält sich mehr oder weniger aus dem Türsteher-Geschäft raus. Unsere rund 50 Mitarbeitenden setzen wir meistens in anderen Bereichen der Sicherheit, wie dem Verkehr oder beim Verteilen von Ordnungsbussen ein.

Obwohl wir unseren Sitz im Kanton Zürich haben, hält sich unsere Firma an die strengeren Richtlinien des Kantons Aargau, wo von Sicherheitsfirmen eine Bewilligung verlangt wird und Mitarbeiter bei ihrem Eintritt von der Kantonspolizei überprüft werden. Allfällige Strafregister-Einträge kämen somit sofort ans Licht. Wir verlangen zusätzlich einen Betreibungsauszug von jedem Mitarbeiter.

Der Kantonsrat hat eine parlamentarische Initiative unterstützt, die fordert, dass Sicherheitsangestellte mit Vorstrafen nicht auf dem Job arbeiten dürfen. Erfüllt Ihre Firma diese Forderung also bereits?

Wir arbeiten seit sechs Jahren mit viel strengeren Richtlinien als von der Initiative gefordert. Meiner Meinung nach kommt der Vorstoss zehn Jahre zu spät und ist zu rudimentär, denn er behandelt nur das Thema der Vorstrafen und verlangt zum Beispiel keine Bewilligung für private Firmen. Der Kanton Zürich hinkt hier anderen Kantonen hinterher.

Strengere Ausbildungs-Auflagen verursachen höhere Kosten für die Firmen. Profitieren diese auch davon?

Gut ausgebildete Mitarbeiter schützen den Ruf der Firma. Im Zusammenhang mit Meldungen über aggressive Türstehern steht oft das Problem, dass sich viele Nachtclubs keine gut ausgebildeten Sicherheitsangestellten leisten wollen.

Ein Betrieb mit weniger als acht Vollzeitangestellten ist im Kanton Zürich nicht dazu verpflichtet, seine Mitarbeiter überhaupt aus- oder weiterzubilden. Diese Firmen bieten ihre Dienste etwa 30 Prozent günstiger an, als Firmen, die sich in Verbänden zusammengeschlossen haben. Clubs stellen oft irgendwelche muskelbepackten Hünen vor ihre Türen, die zwar imposant aussehen, aber keinerlei Training in Deeskalation haben.

Wie trainiert man Deeskalation?

Deeskalation steht bei uns auch in brenzligen Situationen immer an erster Stelle. In der Grundausbildung, die in der Regel 20 Stunden dauert, wird das Auftreten in der Uniform gelehrt. Es soll freundlich, aber bestimmt sein. Weiter werden Eigenschutz sowie Teamarbeit geübt. Mittels Rollenspielen werden schwierige Situation nachgestellt und die Reaktionen unserer Mitarbeiter geschult.

Gilt das Gleiche für Mitarbeiter, die Teilzeit arbeiten?

Die Grundausbildung ist bei allen unseren Mitarbeitern dieselbe. Das Problem mit Weiterbildungskursen ist, dass sie häufig unter der Woche stattfinden, weshalb Teilzeitarbeitende oft nicht daran teilnehmen können. Leute mit wenig Erfahrung schicken wir aber nicht an Anlässe, bei denen die Gefahr von Ausschreitungen besteht.

Die Initiative thematisiert auch die Nationalität von Security-Mitarbeitern. Haben Sie schlechte Erfahrungen mit Nicht-Schweizern gemacht?

Ganz im Gegenteil. Rund 60 Prozent unserer Mitarbeiter haben einen Migrationshintergrund, dabei handelt es sich etwa bei der Hälfte um eingebürgerte Schweizer. Obwohl unsere Mitarbeiter sich ausschliesslich auf Deutsch mit am Geschehen beteiligten Personen unterhalten, kann ein gemeinsamer Hintergrund es in bestimmten Situationen auch vermittelnd wirken.

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