Am Montag ist im Schlieremer Gemeindeparlament eine Motion traktandiert, in der es um diese Zeitung geht. Darum äussern wir uns hier dazu. Mit einem Kommentar, der die Meinung der Redaktion der Limmattaler Zeitung vertritt. Nicht um irgendjemandem vorzuschreiben, wie er oder sie abstimmen soll. Sondern um einige Informationen und Bedenken aus unserer Sicht mit auf den Weg zu geben.

Doch genug der einleitenden Worte. Die Motion von Thomas Grädel (SVP) hat zum Ziel, die Website der Stadt Schlieren zum öffentlichen Publikationsorgan der Stadt zu machen. Heute ist die Limmattaler Zeitung das amtliche Publikationsorgan. Von der Zeitung ins Internet, lautet Grädels Devise. Ihm schwebt insbesondere vor, das Geld einzusparen, das die Stadt Schlieren heute für die amtlichen Publikationen in der Limmattaler Zeitung ausgibt. Zudem könnten die Menschen schneller informiert werden, wenn die Website der Stadt zum amtlichen Publikationsorgan wird, argumentiert Grädel weiter.

Das ganze Volk erreichen

Aber: Digitales und Gedrucktes schliessen sich nicht aus. Zumindest ist die Frage zu stellen, ob man mit den amtlichen Publikationen einen möglichst grossen Teil des Volkes erreichen will, ganz im Sinne des Öffentlichkeitsprinzips. Denn wer das ganze Volk erreichen will, sollte auf beides zu setzen. Denn klar ist: Es gibt auch heute Teile der Gesellschaft, die nicht mit Smartphone und E-Mail-Adresse hantieren und nicht regelmässig im Internet unterwegs sind. Die auf den persönlichen Kontakt vor Ort, das Festnetz-Telefon oder den guten alten Postversand setzen. Insbesondere unter Senioren ist diese Vorgehensweise durchaus noch verbreitet. Genau darum gibt es auch heute, im Jahr 2019, Computer- und Internetkurse speziell für Senioren. Auch im Limmattal bieten engagierte Organisationen solche Kurse an. Ein wertvolles Angebot, das aber längst nicht alle nutzen. Denn so einige entscheiden sich bewusst dagegen, auf den Zug der Digitalisierung aufzuspringen.

Auch wir merken das in unserer täglichen Arbeit. Wenn wir zum Beispiel ein Porträt über eine ältere Person schreiben, kommt es immer wieder mal vor, dass das Gut-zum-Druck nicht via E-Mail einzuholen ist. Da lesen wir dann die Geschichte übers Telefon vor, gehen mit dem ausgedruckten Text vorbei oder die interviewte Person – auch das gibt es – schenkt uns das Vertrauen und wir gehen verantwortungsvoll damit um.

Es ist das gute Recht dieser Senioren, auf digitale Kommunikationsmittel zu verzichten. Ihr Leben lang haben sie gearbeitet, Steuern bezahlt, an der Urne verantwortungsvoll Entscheide getroffen und in ihren Häusern und Wohnungen die heutige Gesellschaft grossgezogen. Sie würden sich freuen, wenn sie auch künftig frei entscheiden dürfen, wie sie kommunizieren und wie sie sich informieren.

Diese Möglichkeit wird ihnen verwehrt, wenn die amtlichen Publikationen nur noch online erscheinen. Nun könnte man einwenden: Natürlich würde die Stadt, wenn sie die amtlichen Publikationen nicht mehr in die Zeitung bringt, diese womöglich auch in einem Schaukasten aushängen. Was aber mehr eine Lösung pro forma wäre, als eine Lösung im Sinne der Senioren. Diese müssten aktiv und regelmässig zum Stadthaus laufen.

Dabei ist der Sinn von amtlichen Publikationen – auch in Zukunft – dass die Bevölkerung über Baugesuche oder wichtige Erlasse, die dazugehörigen Fristen und Einsehmöglichkeiten informiert wird. Wenn die Stadt die amtlichen Publikationen aktiv zu den Leuten bringt, handelt sie eher im Sinne des Volkes und des Öffentlichkeitsprinzips, als wenn sie die Leute dazu veranlasst, sich diese Publikationen immer aktiv einholen zu müssen.

Kurzum: Eine Gemeinde, die mit ihren amtlichen Publikationen auch die Seniorinnen und Senioren erreichen will, ist gut beraten, auch den gedruckten Kanal zu bedienen.

Gemeinden, die auf diesem Weg bleiben, setzen ihr Geld gleich mehrfach gewinnbringend ein. Zum einen erreichen sie jene Einwohnerinnen und Einwohner, die sich für das Geschehen in der Stadt und der Region interessieren und regelmässig diese Zeitung lesen. Zum anderen verschwindet das Geld nicht in der Gewinnkasse irgendeines Unternehmens. Sondern damit wird eine Zeitung mitfinanziert, die nach wie vor einen fairen und verantwortungsbewussten Journalismus betreibt, der zum Beispiel auch über die Heldinnen und Helden der lokalen Feuerwehr, die grosse Freiwilligenarbeit in den lokalen Vereinen und Kulturinstitutionen, die nimmermüden Lebensretter im lokalen Spital oder das wichtige demokratische Engagement im lokalen Parlament berichtet. Dieser Service public der Limmattaler Zeitung, deren erster Vorgänger, «Die Limmat», 1861 erschien, wird in Mitleidenschaft gezogen, wenn ihm Mittel entzogen werden.

Unsere Zeitungsleser interessieren sich nicht hauptsächlich für Schlägereien und andere Negativschlagzeilen. Sie wollen über die relevanten Dinge, die in der Stadt passieren, bestens informiert sein. Dazu gehören auch die amtlichen Publikationen.