Tattoos

«Die Schweizer sind offener als die Spanier»

Das Tattoostudio Nero Ink ist mit mehreren Tätowierern auf der Ink-Days-Convention. Einer davon ist der Spanier Rober Villanueva. Er erzählt, was Spanier und Schweizer in Sachen Tattoos unterscheidet.

Disneys «Meerjungfrau», «Venom» oder «Wolverine». In Spanien sind Rober Villanuevas Tattoos sehr gefragt. Er ist bekannt für seine Comic-Figuren mit realistischen Effekten. Trotz der grossen Bandbreite ist der 35-Jährige ziemlich frisch in der Tattoo-Szene. Seit fünf Jahren tätowiert Villanueva professionell. Davor war er Elektriker.

Gezeichnet habe er schon immer, auch Graffiti waren sein Hobby. Tätowierer wollte er jedoch nie werden, erst seine Freundin brachte ihn dazu. «Davor habe ich das nie als wirklichen Job angesehen», sagt Villanueva. «Ich bin froh, habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.» Auch in der Schweiz ist er relativ frisch unterwegs: «Vor drei Jahren hat mich ein Schweizer Studio angefragt und seitdem komme ich fast jeden Monat, um hier zu tätowieren», sagt der Spanier. In Madrid hat Villanueva ein eigenes Studio.

Hände- und Halstattoos sind in

Als Tätowierer sieht Rober Villanueva viele Unterschiede zwischen den Schweizern und Spaniern: «Der grösste ist sicher die Haut. Die Hautfarbe spielt beim Tätowieren eine grosse Rolle.» Der Schweizer Hautton sei viel heller als der spanische. Helle Hautfarben seien leichter zu tätowieren, weil sie die Farbe besser annehmen.

In der Schweiz würde Villanueva vermehrt Körperstellen tätowieren, die in Spanien undenkbar wären. «Hände und Hals sind viel gefragte Stellen hierzulande. In Spanien ist es fast unmöglich, einen Job zu bekommen, wenn man diese Tattoos hat. Und die Leute starren dich immerzu an», sagt der 35-Jährige.

Villanueva weiss, wovon er redet, denn er hat selbst viele Tattoos – darunter auch ein Gesichtstattoo. Neben seiner rechten Augenbraue prangt gross der Name Mia in Schnörkelschrift. «Der steht für meine Tochter», sagt er. In Spanien schaue man ihn deswegen immer schief an. «Als wäre ich ein Verbrecher», sagt er. In der Schweiz sei das anders. Hier könne er unbemerkt Bus fahren oder einkaufen gehen. «In Spanien gibt es einen Double-Standard. Als Tätowierten wollen sie dich nicht sehen – ihre volltätowierten Fussballidole feuern sie jedoch ständig an», sagt Villanueva.

In seinen Augen seien die Schweizer viel offener, was Tattoos anbelangt. «Ich merke das alleine schon daran, wie selbstverständlich die Schweizer Kunden in den Laden laufen und sichtbare Tattoos wollen», sagt Villanueva. Auch die Einrichtung der Studios spiele eine grosse Rolle: «In Madrid muss man sich in einen Raum zwängen, da darf es nicht so offen sein wie hier», sagt Villanueva. Das Nero Ink Studio in Schlieren ist ein solches Tattoostudio. Jeder Tätowierer hat sein eigenes offenes Abteil, kann es aber jederzeit mit einem Vorhang schliessen. «So ist es viel besser, alleine schon wegen dem Ambiente», erklärt Villanueva. In der Schweiz fühle er sich wohler, gerade weil Tattoos besser angesehen sind. «In Sachen Tattoos muss Spanien noch viel lernen, die Schweiz wäre da ein wirklich gutes
Vorbild.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1