Quer durch die ganze Schweiz reisen und in nur zwei Stunden alle Eigenheiten der Kantone kennenlernen? Wer würde ein solches Angebot ablehnen? Das diesjährige Chränzli mit dem Thema «Quer dur d’Schwiiz» des Turnvereins Urdorf (TVU) machte dies am Samstagabend und Sonntagnachmittag in der Urdorfer Zentrumshalle möglich.

Der 1899 gegründete Verein zählt heuer rund 800 Mitglieder. Für die Show sind 282 Turnerinnen und Turner von klein bis gross auf der Bühne zu sehen. Dabei hat der TVU keine Mühen gescheut.

«Quer dur d’Schwiiz» hiess das diesjährige Thema für den Chränzliabend.

«Unser Aufwand für die Organisation ist aber zu gross, um jedes Jahr ein Chränzli durchzuführen», erklärte der Verantwortliche des Chränzlis, Rolf Loosli. «Zudem ist die Wettkampfsaison für diverse Riegen auch im November noch nicht abgeschlossen und mit den Vorbereitungen fürs Chränzli gehen Trainingszeiten verloren», meinte er weiter.

Das letzte Chränzli fand denn auch im Jahr 2015 statt. Auf die Finanzen müsse das Organisationskomitee zudem ebenfalls achten. Ein Chränzli koste mit Hallenmiete, professioneller Technik für Ton sowie Licht gut 40 000 Franken, so Loosli.

Alle Dialekte vertreten

Um diesen Einsatz des Vereins zu würdigen und auch zu geniessen, sind am Samstag über 700 Besucherinnen und Besucher gekommen. Durch den Abend führte Mutter Helvetia (Bea Castro) mit unterschiedlichsten Schweizer Dialekten und pointenreichen Überleitungen, welche kaum ein Klischee der 26 Kantone ausliess.

Als lediger Bauer, der ein «tüchtiges Frauenzimmer» sucht, das bitte nicht emanzipiert sei, trat der Unterengstringer Schulleiter Beda Durschei auf. Auch einen Gastauftritt hatte Manuela Lachat als Christa Rigozzi.

Schnell schoss Tell den Pfeil durch den Apfel und dem Teufel wurde statt eines Menschen eine Geiss auf die Brücke geschickt. In nur wenigen Minuten wurde die Geschichte Uris von der Jugi auf der Bühne wiedergegeben. Beim Kanton Obwalden, dem Globiland, wanderten kleine Globinen durch Stock und Stein. Waghalsig wurde es in Schwyz. Muskulöse Turner schwangen sich hoch hinauf auf der Poledance-Stange, um eine gute Aussicht aufs Bergpanorama zu erhalten.

Jugi am Chränzli 2018

Jugi am Chränzli 2018

Sie performen ihre Version der Werbung vom Appenzeller Käse

Das Lied «Ufo» von Plüsch tauchte die Bühne in eine romantische Stimmung, die Lichter waren gedimmt und in Neonfarben leuchteten die Tänzerinnen und Tänzer auf. Viele Jöh-Momente bescherten die nächsten Nummern. Kleine Mädchen und Buben verwandelten sich zu Heidi und Geissenpeter und vertraten so den Kanton St. Gallen.

Statt gestandene Herren, wie in der TV-Werbung, verschwiegen drei süsse Buben das Geheimnis des Appenzeller Käses. Appenzell Innerrhoden ist aber auch bekannt für den historischen Umstand, als letzter Kanton in der Schweiz das Frauenstimmrecht 1991 eingeführt zu haben – und dies auch erst aufgrund eines Bundesgerichtsentscheids, welcher durch eine Klage der Frauen provoziert worden war. Die Männer hatten sich nämlich an der Landsgemeinde 1990 noch gegen das Frauenstimmrecht auf kantonaler Ebene ausgesprochen.

Kuto gross am Chränzli

Die Damenriege mit Unterstützung der Geräteturner.

Die Frauenriege setzte dies künstlerisch um, indem sie Plakate tanzend hochhielten, auf denen «Frauenstimmrecht» und «Frauenpower» standen. Mit Salto durch die Luft war der Kanton Genf dynamisch unterwegs. Für den Aargau schwangen die Männer der Aktiven-Riege das Tanzbein, das mit weissen Socken garniert war.

In der Hand hielten sie je eine Müller-Bräu-Harasse, während ein Mensch als Rüebli ebenfalls mitwippte. Als Höhepunkt inszenierte der TVU ein kleines Sechseläuten auf der Bühne, bei dem der Kopf des Zürcher Bööggs in die Luft flog.

TVU am Chränzli 2018

Die Geräteturnerinnen am Chränzli

«Etwas Nostalgie ausgelöst»

«Es war sehr unterhaltsam», lobte die Urdorferin Daniela Frauenfelder. Sehr herzig fand Rita Roland die Darbietungen der Kinder. Es habe etwas Nostalgie in sie ausgelöst, als ihre Kinder noch klein waren und am Chränzli auftraten, sagte Roland. Der Urdorfer SVP-Gemeinderat Adrian Stutz sagte: «Es war eine reichhaltige Reise durch die Schweiz, in der auf kleinstem Raum viele Kulturen Platz haben. Darauf kann man stolz sein».

Markus Fuchs von der Schulpflege hielt fest, dass der TVU ein wichtiger Teil des Urdorfer Vereinslebens und damit auch ein zentraler Bestandteil der Urdorfer Identität sei.