Die delikate Knolle lockt die Gourmets von nah und fern an. Viele haben ihre Hunde dabei, denn ohne diese läuft in Sachen Trüffel hierzulande gar nichts. An den Ständen locken Trüffelravioli, Trüffelöl, Trüffelkäse, Trüffelsalz und Trüffelsalami. Es gibt Trüffel in Cognac und wer will, kann sich auch auf das Experiment Trüffelpralinés einlassen. Und natürlich kann man – zum stolzen Preis von rund 65 Franken für 100 Gramm – Trüffel in allen Grössen kaufen, Trüffel aus Bern und Büren am Albis, aus Estavayer-le-Lac und vom Zollikerberg. Denn Trüffel, so hört man, gibt es in der ganzen Schweiz.

Rezepte werden ausgetauscht

Wie es sich für einen richtigen Markt gehört, geht es beim Kaufen nicht nur um den Tausch von Waren. Es werden Rezepte verraten, Empfehlungen abgegeben und Kochanweisungen erteilt. «Das Öl sparsam verwenden, nur für den letzten Schliff», ermahnt ein Händler seinen Kunden und verrät auch, dass ein frischer Trüffel steinhart sein muss.

In einem Topf wartet ein Trüffelrisotto auf die Marktbesucher. Wein, Sauser und Wildschweinbier sorgen für die gute Laune. David Wolfensberger ist aus Zürich angereist. Der Trüffelliebhaber will sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. «Nach einer Kaffeepause werde ich mich auf die goldenen Nuggets stürzen», lacht er. Claudia Schwack aus Killwangen ist mit ihrer Deutschen Dogge hier: «Enes hat eine gute Nase und arbeitet gerne. Ich möchte sie zum Trüffelhund ausbilden», erklärt sie.

Deutsches Fernsehteam dreht Film

Der Trüffelmarkt stösst sogar über die Landesgrenze hinaus auf Echo. Eine Fernsehcrew des Südwestrundfunks ist angereist. «Wir drehen einen Film über die Trüffel, die in Deutschland wiederentdeckt werden», erklärt Michael Hertle. Deutschland sei bis in die Dreissigerjahre des letzten Jahrhunderts eine Trüffelnation gewesen. Heute sei die Trüffelsuche in Deutschland verboten. «Da ist die Schweiz uns voraus», sagt der Reporter und berichtet von einem Projekt zweier Wissenschafter aus Freiburg, die in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich die schwarzen Trüffel erforschen.

Beim Weiher oberhalb von Weiningen demonstrieren derweil Trüffelhunde ihr Können. Die Nase dicht über dem Waldboden sucht Diana systematisch nach der schwarzen Knolle. Denise Stalder, Hundetrainerin und Züchterin, hat sie zuvor für sie vergraben. Auch wenn es meistens ein Hund der Rasse Lagotto Romagnolo ist, mit dem die Trüffel gesucht werden, so ist Stalder überzeugt: «Jeder Hund kann das lernen.» Diana hat inzwischen einen Trüffel gefunden, scharrt sie aus und überbringt sie ihrem Besitzer. Denise Stalder mahnt: «Wichtig ist es, das Loch im Boden zuzudecken, damit dort wieder Trüffel wachsen können.»

Blitz und Donner sollen nach Ansicht der alten Griechen diesen Pilz hervorbringen, und zu Zeiten des französischen Rokoko schrieb man dem Trüffel gar magische Kräfte als Liebesmittel zu. Bleibt die Frage, wer auf die Idee kam, dass sich diese runzlige Knolle essen lässt. Eine Trüfflerin hat die Erklärung: «Wahrscheinlich haben wir es den Wildschweinen abgeschaut.»