«Schwangerschaft und Geburt bergen viel grössere Gefahren, als die Einnahme einer Anti-Baby-Pille», sagt Simone Kamm, Frauenärztin am Spital Limmattal. Die Pille sei eines der am häufigsten eingenommenen Medikamente der Welt und habe gleichzeitig sehr wenig gravierende Nebenwirkungen bei gesunden, jungen Frauen.

Und doch sind in Frankreich vier Frauen nach der Einnahme der Pille «Diane 35» gestorben. Vor drei Wochen starb in Olten wieder eine Frau, möglicherweise, weil sie ebenfalls die umstrittene Pille eingenommen hatte. In Frankreich soll die Pille «Diane 35» jetzt vom Markt genommen werden.

«Diane 35 ist keine normale Pille»

«Die Pille Diane 35 ist keine normale Pille», erklärt Kamm. Sie werde vor allem Frauen verschrieben, die unter Akne litten oder Symptome von zu vielen männlichen Hormonen haben. «Die Pille Diane 35 ist mehr als Therapie gedacht und nicht als Verhütungsmittel.» Sie sehe keinen Grund, diese Pille einer Frau zu verschreiben, die sie nur der Verhütung wegen einnehmen will. «Für die meisten Frauen sind die modernen und niedriger dosierten Pillen besser geeignet.»
Bevor Kamm einer Frau die Pille verschreibt, führt sie eine genaue Befragung mit der Patientin durch. «In einem solchen Gespräch stellt sich heraus, ob die Frau Thrombose gefährdet ist und welche Pille am besten zu ihrem Typ passt», erklärt die Frauenärztin. Hat in der Familie jemand Blutgerinnungsprobleme, so ist das Risiko für die Frau grösser, durch die Einnahme der Pille an einer Thrombose oder Embolie zu erkranken. «In einem solchen Fall werden mit der Frau alternative Verhütungsmöglichkeiten besprochen», so Kamm.

Komplikationen treten selten auf

Christine Schmid, Leiterin Sekretariat der Frauenklinik im Spital Limmattal, rät verunsicherten Frauen, Kontakt mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt aufzunehmen. «Zusammen mit der Patientin können alternative Verhütungsmethoden geprüft und Frauen beraten werden, die die Pille absetzen möchten.» Da auch die Pille ein Medikament sei, könnten Nebenwirkungen nie ausgeschlossen werden. Man müsse aber auch die Relationen sehen: «Unglaublich viele Frauen nehmen täglich die Pille. Komplikationen treten nur in ganz seltenen Fällen auf», sagt Schmid.