Doch zumindest für die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) wäre er die bevorzugte Variante des benötigten Ausbaus der SBB-Linie zwischen Altstetten und Spreitenbach. Er wird denn auch im Regionalen Raumordnungskonzept Limmattal, welches die ZPL-Delegierten am Dienstagabend verabschiedeten (az Limmattaler Zeitung vom 2. November) als «Bestvariante» angepriesen.

«Schlicht unmöglich»

Für ZPL-Fachplaner Heinz Schröder steht fest: «Wir wollen keinen Ausbau der bestehenden SBB-Linie zwischen Altstetten und Killwangen.» Dazu fehle der Platz im Limmattal. Dies sieht auch Otto Müller, Dietiker Stadtpräsident und ZPL-Präsident so: «Es ist schlicht unmöglich, dass man ein 5. oder 6. Gleis durchs Limmattal zieht. Würde man den ganzen Schnellzugverkehr unter den Boden bringen, könnte man eine deutliche Entlastung erreichen.»

Kosten: 3,1 Milliarden Franken

Neu ist die Idee nicht: Bereits im Frühling dieses Jahres tauchte der Honeret-Tunnel in der Vorlage über die Finanzierung und den Ausbau der Bahninfrastruktur auf, die der Bundesrat damals in die Vernehmlassung schickte. Die Rede ist von einem 15 Kilometer langen Tunnel mit zwei Einspurröhren, der Schlieren mit dem Gebiet Gruemet in Mellingen am Westportal des Heitersbergs verbinden soll. Anschliessend soll von Schlieren bis Zürich-Altstetten ein Sechsspursystem mit «zugehörigen Massnahmen zur Verkehrsentflechtung» in Altstetten entstehen. Die gesamte Neubaustrecke würde zusammen mit weiteren Massnahmen «eine markante Fahrzeitverkürzung zwischen Bern und Zürich ermöglichen» und sei daher «einem zweiten Heitersbergtunnel vorzuziehen», heisst es in der Vorlage.

Tatsächlich verfolgt die Bahn den langfristigen Plan, die Fahrzeit zwischen Zürich und Bern von 56 auf 45 Minuten zu verkürzen. Bis es so weit ist, dürfte es jedoch noch dauern: Der Bund will bis 2025 nämlich erst 3,5 Milliarden Franken für den Infrastrukturausbau ausgeben. Projekte wie der Honeret-Tunnel – er würde rund 3,1 Milliarden Franken kosten – sowie auch der Chestenberg-Tunnel zwischen Mellingen und Rupperswil sind zwar unter der Dringlichkeitsstufe 1 eingereiht worden.

Trotzdem wären sie erst für die Zeit zwischen 2025 und 2040 geplant. Und: Aus Sicht der Bahn hat der Chestenberg-Tunnel Priorität. Sie verlangt vom Bund, diesen so schnell wie möglich zu realisieren und notfalls andere Projekte zurückzustellen. Den Honeret-Tunnel hingegen haben die SBB nicht in ihre Forderung nach einer Realisierung bis 2025 eingeschlossen.

Brief an die SBB

Für die ZPL ist der Zeithorizont nicht der entscheidende Punkt. Trotzdem suche man baldmöglichst das Gespräch mit den SBB, wie ZPL-Fachplaner Schröder gestern auf Anfrage sagte: «Wir wollen wissen, wo sie stehen und was genau geplant ist, damit wir mitreden können.» Deshalb habe der ZPL-Vorstand diesen Dienstag einen Brief an die SBB verabschiedet, in dem man um einen Termin bitte. Es sei nicht so, dass man sich die Tunnelvariante unbedingt wünsche, so Schröder. Wichtig sei jedoch, dass es keine Lösung mit einem 5. und 6. Gleis gebe. «Wir können uns einfach nicht vorstellen, dass dies im Limmattal verträglich wäre», so Schröder. Da ein Ausbau jedoch nötig sei, wünsche sich die ZPL, dass dieser zumindest unterirdisch stattfinde.

Mehr Kapazität für Gateway?

Dass die Bahn mit dem möglichen Tunnel nicht nur die Limmattaler Lebensqualität im Auge hat, merkte Hanspeter Haug, Weininger Gemeindepräsident und ZPL-Delegierter, an der Sitzung vom Dienstagabend an. Er habe gehört, so Haug, der Tunnel solle vor allem die bestehende Linie entlasten, um zusätzliche Kapazitäten für den Gateway zu schaffen. Dies wäre nicht erstrebenswert, da der von den SBB geplante Container-Umschlagterminal beim Rangierbahnhof Limmattal in der Region nicht gewünscht werde. Die Möglichkeit, dass Kapazität für den Gateway geschaffen werden soll, sei «nicht ganz von der Hand zu weisen», sagte Schröder. Er könne sich vorstellen, dass dies den SBB entgegenkäme.