Schlieren
Die Schlieremer Wirtschaft fordert mehr Beachtung

Gewerbe- und Wirtschaftsvertreter erarbeiteten ein Strategiepapier, wie sie in der Stadtentwicklung Schlierens beachtet werden wollen. Der Stadtrat will es sich zu Herzen nehmen.

Florian Niedermann
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Garagen und Schreinereien sollen in der Stadt weiterhin Platz haben.ksc

Garagen und Schreinereien sollen in der Stadt weiterhin Platz haben.ksc

Die Schlieremer Wirtschaft sah ihre Anliegen in der Stadtentwicklung der letzten Jahre zu wenig berücksichtigt. Wirtschaftskammer, Gewerbeverein, die Detaillistenvereinigung Pro Schlieren, die IG Rietbach und der Hauseigentümerverband (HEV) erarbeiteten deshalb eine Wirtschaftsstrategie für die Stadt, die sie der Exekutive überreichten. «Wir können den Stadtrat zu nichts zwingen. Aber er soll unsere Anliegen kennen und diese in seine strategischen Überlegungen miteinbeziehen», erklärt Detaillistenpräsident Philipp Locher.

Er hofft, dass die Stadtregierung die Stimme der Wirtschaft auch in das Leitbild einfliessen lässt, das sie für die kommende Legislatur erarbeiten wird.

Die Wirtschaftsvertreter formulierten Begehren zu den Themen Rahmenbedingungen, Stadtentwicklung und Mobilität. In Bezug auf die weitere Entwicklung der Stadt wollen sie vom Stadtrat etwa, dass er das Image Schlierens verbessert, Innovationscluster fördert und das Zentrum aufwertet. Wichtig sei auch, dass die Exekutive bei der weiteren Stadtplanung auf die Anliegen von Gewerbe und Wirtschaft Rücksicht nehme, sagt Locher: «In der Vergangenheit wurde in Mischzonen, in denen neben Wohn- auch Gewerbenutzungen vorgesehen waren, über Gestaltungspläne mehrfach die Bau- und Zonenordnung ausgehebelt. Dadurch wird das Gewerbe sukzessive aus der Stadt verdrängt.»

Die Exekutive soll bei der bevorstehenden Revision der Bau- und Zonenordnung deshalb darauf achten, dass Mischzonen erhalten blieben, so Locher: «Auch Gewerbler sollen auf Stadtgebiet eine Werkstatt oder eine Schreinerei führen können. Ansonsten wird man Handwerker bald nur noch aus dem Aargau oder dem Thurgau anfordern können.»

Mathematik soll gepflegt werden

Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Behörden funktioniere heute gut, schreiben die Wirtschaftsvertreter in ihrer Strategie. Dennoch soll die Exekutive darauf achten, dieses Miteinander weiterhin zu pflegen. Wichtige Rahmenbedingungen seien ausserdem ein attraktiver Steuerfuss bei tiefen Gebühren sowie ein Schul- und Ausbildungssystem, das auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgerichtet ist.

Doch wie soll die Stadtregierung auf das Bildungssystem Einfluss nehmen können, wenn Lehrpläne in der Kompetenz des Kantons liegen? Die Schule solle in ihrem Wirkungsbereich das Möglichste tun, sagt Andreas Geistlich, Co-Präsident der Wirtschaftskammer und FDP-Kantonsrat.

Er verweist darauf, dass etwa bei den letzten Bildungsreformen sprachliche Fächer mehr ins Zentrum gestellt worden seien. «Man kann kein eigenes Schlieremer Bildungssystem aufbauen. Aber im Rahmen der Möglichkeiten sollen in der Sekundarschule zugunsten der Lehrbetriebe auch mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenzen gepflegt werden», sagt er. Gewerbe und Wirtschaft seien zudem auf Lehrlinge angewiesen, die ein gutes Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten mitbrächten.

In Sachen Mobilität stellen die Wirtschaftsvertreter die Forderung, dass das Zentrum sowie die sich neu entwickelnden Gebiete «ausgezeichnet erreichbar und erschlossen» sein müssen – und dies sowohl durch den motorisierten Individualverkehr wie auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ausserdem müssten die Kernzone und die Wohngebiete durch eine Verlagerung des Durchgangsverkehrs mithilfe flankierender Massnahmen entlastet werden, finden die Gewerbevereine und Wirtschaftsverbände.

Stadt will Anliegen berücksichtigen

Der Stadtrat ist laut Stadtpräsident Toni Brühlmann (SP) bereit, die Anliegen in seine strategischen Entscheidungen mit einfliessen zu lassen. Die Wirtschaftsstrategie könne wichtige Impulse bei der Erarbeitung des Leitbildes und der Regierungsschwerpunkte liefern: «In welcher Form die Empfehlungen dabei einfliessen, wird sich noch zeigen.»

Entstanden ist die Wirtschaftsstrategie im Anschluss an die letzte Sitzung des «Forums Wirtschaft» vom Oktober letzten Jahres, bei dem sich die städtische Kommission «Standortförderung» und die Wirtschaftsvertreter austauschen. Dabei habe sich herausgestellt, dass Schlieren noch über keine dokumentierte Wirtschaftsstrategie verfüge, sagt Locher. Man habe sich deshalb dazu bereit erklärt, ein solches Papier zuhanden des Stadtrats zu formulieren. In Dietikon besteht eine Wirtschaftsstrategie, die Vertreter von Stadt und Wirtschaft gemeinsam erarbeitet haben, bereits seit 2010.