Es ist nicht ganz einfach, zu Julian Bersnak, Yasmin Abbani und Marcel Schlemmer zu gelangen. Der Weg zu ihnen führt an der Turnhalle im Schulhaus Steinmürli vorbei durch eine Tür in eine Garderobe und von dort wiederum durch eine weitere Tür in einen Nebenraum. Dieser ist an diesem Freitagabend gut belegt. Kinder und Jugendliche vom Judo Sportclub Dietikon absolvieren unter Schlemmers Leitung gerade ihr Training. Bersnak und Abbani sitzen auf den Matten am Rand, inmitten von Sporttaschen und Schuhen, und beobachten, was der Nachwuchs so zu bieten hat.

Vor zehn Tagen haben Bersnak und Abbani an den Schweizermeisterschaften im Einzel eine Medaille gewonnen. Abbani holte Bronze in der Kategorie Junioren U21 bis 53 Kilogramm, Bersnak Silber bei den Junioren U21 bis 55 Kilogramm. Bersnak, der im Jahr zuvor in derselben Kategorie noch den Titel gewonnen hatte, hätte jedoch mehr erwartet. «Ich war etwas enttäuscht», sagt der 19-Jährige, der seit 2005 beim Judo Sportclub Dietikon trainiert und in Dietikon aufgewachsen ist. «Es wäre auch Gold drin gelegen.»

Tatsächlich lief der Wettkampf für Bersnak zu Beginn wie geplant: Er gewann seine ersten beiden Kämpfe souverän. Im Final allerdings musste er gegen David Gauch antreten, einen starken Gegner. Bersnak verlor den Kampf, nachdem er von Gauch am Boden fixiert worden war. «Es gab ein paar knappe Entscheidungen gegen mich», sagt Bersnak. Damit musste er sich mit Silber begnügen.

Julian Bersnak (oben) hat alles im Griff.

Für Abbani hingegen war es die erste Medaille an einer Schweizer Meisterschaft. Und diese kam sehr unverhofft. Die 15-Jährige, die in Dietikon wohnt und erst seit 2013 im Verein ist, war zuvor bei den Damen U18, ihrer eigentlichen Kategorie, wegen eines Regelverstosses ausgeschieden. Und das beim Kampf um die Bronzemedaille. «Das hat mich kurz beschäftigt», sagt sie. Doch dann nahm sie die höhere Kategorie U21 in Angriff. Dort verlor sie wie in der tieferen Kategorie zuvor ihren Startkampf, setzte sich jedoch in der Hoffnungsrunde durch und dann auch im Kampf um Bronze.

Zweimal Silber, zweimal Bronze

Vom Judo Sportclub Dietikon konnten jedoch nicht nur Abbani und Bersnak Edelmetall gewinnen. Auch Matthias Pfiffner und Marcel Schlemmer durften sich über Medaillen freuen – beide in der Kategorie Masters Ü30. Pfiffner gewann Bronze, Schlemmer sogar Silber, wobei der Coach vom Judo Sportclub Dietikon Pech mit einem Schiedsrichterentscheid hatte. «Das ärgerte mich massiv», sagt er. «Vor allem, weil man die Szene im Video hätte überprüfen können. Es wäre meine erste Goldmedaille gewesen.»

Auch wenn der 38-Jährige am Ende nicht zuoberst auf dem Podest stand: Die Bilanz der Dietiker ist mit vier Medaillen immer noch sehr gut. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Limmattaler? «Das ist schwer zu sagen», sagt Schlemmer, der seit 1988 dem Verein angehört. «Ich denke, es liegt daran, dass wir die Kinder an die Wettkämpfe begleiten und sie dadurch einen gewissen Ehrgeiz bekommen.»

Yasmin Abbani (rechts) im Einsatz.

Und wie beurteilt er Bersnak und Abbani? «Für mich ist Yasmin ein Naturtalent», sagt Schlemmer. «Sie hat ein gutes Körpergefühl und ist sehr wendig.» Sie müsse allerdings noch lernen, mit mehr Strategie zu kämpfen. «Julian ist dafür ein Kraftpaket, er ist technisch hervorragend», so Schlemmer. «Aber wenn er in Rückstand gerät, bekommt er Selbstzweifel.» Daran könne er noch arbeiten.

Mit der Einzelmeisterschaft ist die Saison für die Dietiker allerdings noch nicht beendet. Heute Samstag und morgen Sonntag finden nämlich die Mannschaftsmeisterschaften in Yverdon statt, an denen die jeweils besten vier Teams der Saison gegeneinander antreten. Abbani kommt dabei beim Damenteam des Judoclubs Uster zum Einsatz. «Wir haben ein junges Team», so Abbani. «Es ist toll, dass wir es in den Final geschafft haben.»

Schlemmer und Bersnak werden für dasselbe Team antreten, nämlich Nippon Bern, das als Geheimfavorit gehandelt wird. Mit Nippon Bern trainieren beide auch phasenweise. Dass die Judoka, die normalerweise Einzelkämpfer sind, an diesem Wochenende in Teams antreten, ist für Bersnak eine willkommene Abwechslung.

«Es ist cool, als Team zu kämpfen», sagt er. «Man verbringt Zeit zusammen und geht nach dem Wettkampf noch etwas essen.» Und wie sehen sie die Chancen auf weiteres Edelmetall? «Es wird schwierig», sagt Schlemmer. «Für mich gibt es keinen Favoriten.»

Auch wenn es mit einem Podestplatz nicht klappen sollte: Medaillen bleiben für Bersnak und Abbani auch in Zukunft das Ziel. «Ich möchte gerne mal Gold gewinnen», sagt Abbani. Und Bersnak, der national schon alle drei Edelmetalle gewonnen hat? «Mein Ziel ist es, international auf dem Podest zu stehen.»