Bohrlärm und dröhnende Bässe aus der Lautsprecherbox der Elektriker empfangen einen, sobald man die Tür des «Gleis 21» aufzieht. Draussen ist davon nichts zu hören. Die Dämmung der Aussenwände und des Bodens war eine Massnahme der Sanierungsarbeiten durch die Stadt Dietikon. Diese sind zurzeit noch in vollem Gange. «Ich mag Baustellen», sagt Carla Hohmeister, Co-Präsidentin des Trägervereins «Gleis 21», beim Rundgang durch die frisch gestrichenen Räume.

In der rund 430 Quadratmeter grossen Liegenschaft der ehemaligen Farbenfabrik Benz entsteht auf zwei Stockwerken ein dynamischer Kulturort (die Limmattaler Zeitung berichtete). Nach wie vor ist die offizielle Eröffnung für den Januar 2019 angedacht. Seine Türen öffnet der Kulturbetrieb aber bereits vorher – wenn auch nur während dreier Tage. Die Sanierungsarbeiten begannen im April 2018 und sollten «zu 95 Prozent auf das Stadtfest abgeschlossen» sein, sagt Daniela Saxer, Projektleiterin der Hochbauabteilung der Stadt, auf Anfrage.

Daniela Saxer, Projektleiterin der Hochbauabteilung

«Dieses charaktervolle Gebäude wollten wir, trotz knappem Budget, sehr sorgfältig sanieren»

Daniela Saxer, Projektleiterin der Hochbauabteilung

Am Stadtfest tritt vor dem «Gleis 21» etwa das Dietiker Trio 3 Cornettis auf. Zudem gibt es ein Formel-E-Rennen in «XXS-Ausgabe», sagt Christian Höhener, Kassier und Teil des Komiker-Duos Lapsus. Auf Wägeli können Besucher ab acht Jahren um das Gebäude flitzen. «Am Stadtfest ist das Gleis 21 die Off-Bühne, mit Strassenmusik und Kunstaktionen und es soll auch eine kleine Ruheinsel sein zum Verweilen», sagt die Dietiker Kulturbeauftragte Irene Brioschi auf Anfrage.

Keine Kostenüberraschungen

Bis dahin laufen die Sanierungsarbeiten im «Gleis 21», das zu einem von Dietikons «kulturellen Leuchttürmen» erkoren wurde, auf Hochtouren. «Bisher verlief die Sanierung plangemäss und ohne Probleme», sagt Saxer. Für die Sanierung hat die Stadt rund eine Million Franken budgetiert. «Wir sind mit den Kosten auf Kurs», sagt Saxer weiter. Das Projekt sollte ohne grosse Kostenüberraschungen abgeschlossen werden können. Man habe sich während der Planung wie auch während der Bauzeit immer das «Ziel einer einfachen Sanierung ohne Luxus» vor Augen gehalten. «Trotz knappem Budget wollten wir dieses charaktervolle Gebäude sehr sorgfältig sanieren», sagt Saxer.

Tatsächlich entdeckt man unter den neuen Gestaltungsmitteln zahlreiche Referenzen zum Industriegebäude von 1928. So wurden die neuen Fenster mit derselben Sprossenteilung bestellt und der Schriftzug wie einst mit Farbe auf die Fassadenblende gemalt. Die Lampen drinnen wie draussen seien zudem eine «Reminiszenz an alte Industrieleuchten», erklärt Saxer. Auch der Anstrich wurde entsprechend ausgewählt: «Wir einigten uns auf eine dezente Farbwahl, die in den 1920er-Jahren durchaus hätte verwendet werden können.»

Die Sanierungsmassnahmen umfassten etwa den Abbruch einzelner Wände und Türen. Dafür wurden neue Mauern errichtet, da zum Teil die Raumaufteilung, insbesondere für die WC-Anlagen, verändert wurde. Das Dach wurde erneuert und begrünt. Zurzeit werden neue Installationen eingesetzt (Elektro, Sanitär und Radiatoren).

Ab nächster Woche soll die Umgebung des Gebäudes eine Aufwertung erfahren. So sollen etwa bessere Zugänge für Personen mit Rollstuhl entstehen. Hohmeister ist zufrieden: «Die Zusammenarbeit mit der Stadt hat gut geklappt.» Den Verein freut auch, dass es keine Einsprachen auf das am 1. März eingereichte Gesuch zur Umnutzung der Gewerberäume gegeben hat. Auch habe man für das Bistro einen Betreiber gefunden. Als Nächstes soll die Offerte für die Lüftung aufgegleist werden, danach der Ausbau der Küche.

Ist die Sanierung abgeschlossen, steht die Innenausstattung an, für die der Trägerverein aufkommt. Dafür rechnet Höhener mit Kosten von zirka 400 000 Franken. Er zeigt sich zuversichtlich. «Wir sind mit Stiftungen und dem Lotteriefonds in Kontakt», sagt Höhener. Sponsorengelder hätten etwa die 10 000 Franken teure Lüftungs-Planung gedeckt. Im Hinblick aufs Stadtfest mischen sich bei Höhener «etwas Schiss, dass alles klappt» und grosse Vorfreude. Denn: Am Fest kann die Bevölkerung das «Gleis 21» erstmals besichtigen.