Bauern halten eigentlich Milchkühe, da mit diese Kälber gebären und Milch produzieren. Doch die aktuelle Dürre zwingt Limmattaler Bauern zu drastischen Massnahmen. Sie müssen Milchkühe schlachten, weil kein Futter mehr wächst.

«Ich werde am Montag zwei Kühe ‹geben› müssen», sagt Stefan Fahrni, der in Dietikon 40 Milchkühe hat. «Geben» heisst, die Kühe dem Schlachthof zu überlassen. Fahrni sagt: «Sie wären zwar in naher Zukunft zur Schlachtung vorgesehen gewesen, aber es reut mich.» Es trifft genau diese, weil sie weniger Milch geben als die anderen und sie keine Kälber austragen. Fahrni sagt: «Die Situation ist dramatisch. Da ich den Tieren schon die Winterreserve verfüttere, muss ich den Bestand kritischer beurteilen. So unangenehm das ist.»

Das Problem: Bei der momentanen Trockenheit kann kein Futterbau betrieben werden. Die saftigen grünen Wiesen, auf denen die Kühe in früheren Jahren weideten, sind verdorrt und braun. Bewässern kann man sie kaum. Pro Hektar (etwa ein Fussballfeld) bräuchte es täglich 200'000 Liter Wasser. Auch dem Mais, der einen grossen Teil des Futters der Kühe ausmacht, macht die Trockenheit zu schaffen. «Ein kleines Gewitter reicht nicht, um das wieder zu retten», sagt Fahrni. «Mindestens eine Woche anhaltender, gleichmässiger Regen wäre nötig, um die Situation zu entschärfen.»

«Es wächst einfach nichts mehr»

Auch auf Ernst Bosshards Hof in Uitikon mit rund 30 Milchkühen ist die Situation prekär. «Wir mussten diese Woche zwei Kühe metzgen. Sie waren zwar ohnehin dieses Jahr zur Schlachtung vorgesehen, aber wir haben es vorgezogen, weil auf der Weide einfach nichts mehr wächst», sagt Bosshard. «Es ist sehr gut möglich, dass wir den Bestand bald um fünf bis sechs Tiere reduzieren müssen.» Futter zuzukaufen sei sehr teuer. Weil die ganze Schweiz von der Dürre betroffen ist, habe es auch nicht viel auf dem Markt.

Ein wenig besser sieht es auf Benjamin Bühlers Hof in Oetwil mit 100 Milchkühen aus. Bühler sagt: «Wir haben zum Glück noch Futterreserven aus dem letzten Jahr.» Aber auch bei ihm ist klar: «Bei den momentanen Bedingungen schlachten wir eher mal eine Kuh, die nicht so viel Milch gibt.» Es sei eben am Ende eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Bühler schildert das Dilemma, in dem viele Bauern jetzt stecken: «Im Moment haben wir wenig Futter, dafür viele Kühe. Wenn wir sie jetzt schlachten, hätten wir nächstes Jahr wieder viel Futter und keine Kühe mehr.»

Jungvieh wird nicht geschlachtet

Wer Futter einlagern konnte, kann die Dürre also deutlich besser überbrücken. Stefan Gut, der seinen Hof in Birmensdorf hat und für die SVP im Gemeinderat sitzt, ist das im Mai und Juni gelungen. «Deshalb habe ich persönlich genügend Futter für meine Kühe.» Prekär sei die Lage aber für das Jungvieh. Dieses bekommt qualitativ schlechteres Futter als die ausgewachsenen Kühe, weil die jungen Tiere noch keine Milch geben. Vom Jungvieh-Futter hat Gut aber nicht mehr viel. «Wenn es im Winter nicht mehr reicht, würde ich Milchkühe metzgen, die nicht genügend Milch geben, und nicht das Jungvieh», sagt Gut. «Denn die jungen Tiere könnten gutes genetisches Material besitzen. Sie sind die Zukunft.»

Die Milchwirtschaft ist von der Trockenheit am stärksten betroffen, weil man sehr viel Futter braucht, damit die Kühe auf hohem Niveau Milch produzieren. Die Aussichten der Kühe von Kurt Bräm, der in Dietikon Mutterkuhhaltung betreibt, sind besser. Bei der Mutterkuhhaltung werden die Kühe nicht gemolken, sondern sie säugen ihre Kälber. Das Ziel ist also nicht die Milch-, sondern die Fleischgewinnung. Bräm hat ein anderes Problem: seine Obstbäume. «Ich kann die Pflanzen zwar bewässern, aber das ist ein riesiger Aufwand», sagt Bräm. Trotz der Bewässerung wüchsen seine Äpfel, Birnen, und Zwetschgen kaum mehr, weil die Bäume sehr schnell wieder ausgetrocknet sind.