Persönlich

Die S-Bahn spricht auch Englisch

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Gedanken zu einer ungewohnten Durchsage, die mich kurz aus dem Alltagstrott holte.

Ich war auf dem Weg zur Arbeit. Die S-Bahn rollte auf Dietikon zu, als mich eine Durchsage aus dem Alltagstrott holte: «This is the final stop. All passengers are requested to leave the train.» Aus Langstreckenzügen war mir die Durchsage vertraut. Aber auf meiner Pendlerstrecke zwischen Zürich Altstetten und Dietikon hatte ich sie noch nie gehört. Ist Multikulti-Dietikon jetzt schon so international, dass die S-Bahn auch Englisch sprechen muss, fragte ich mich? Oder hat vielleicht sogar die ganze Zürcher S-Bahn im Zuge der Globalisierung auf Mehrsprachigkeit umgestellt?

Auf der Flughafen-S2 gebe es die mehrsprachigen S-Bahnen schon länger, sagte mir ein Sprecher des Zürcher Verkehrsverbundes. Aber zuständig seien die SBB. Bei der SBB-Medienstelle hiess es: Seit kurzem können alle Lokführer manuell eine solche Durchsage abrufen. Die normalerweise von einem lauten Gong eingeleitete Ansage sei Ende 2015 im Rahmen eines Pilotprojekts zur Reduktion der sogenannten Gleisläufer eingeführt worden.

Damit sind Kunden gemeint, die es verpasst haben, an der Endstation auszusteigen und dann durch den Lokführer vom Abstellgleis zum Perron zurückgeführt werden müssen. «Im vorliegenden Fall war eine mehrsprachige Durchsage nicht notwendig und ist demzufolge auch nicht Standard», so der SBB-Sprecher. «Warum der Lokführer die Ansage heute manuell geschaltet hat, können wir leider nicht sagen.»

Gleisläufer. Ein schönes Wort. Leider findet sich dazu in einschlägigen Wörterbüchern kein Pendant auf Englisch.

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