Geroldswil
Die richtigen Zutaten für den Erfolg sind branchenunabhängig

Bauunternehmer Walo Bertschinger und der Träger des Alternativen Nobelpreises 2013, der Insektenforscher Hans Rudolf Herren, diskutierten am 15. Forum Wirtschaftsstandort Limmattal in Geroldswil über Erfolgsrezepte.

Sandro Zimmerli
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Forum Wirtschaftsstandort Limmattal in Geroldswil
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Bauunternehmer Walo Bertschingers Erfolgsrezept sind seine Mitarbeiter.
Insektenforscher Hans Rudolf Herren braucht Hartnäckigkeit, um ans Ziel zu gelangen.
Jasmina Ritz, ehemalige Standortförderin Dietikons und nun bei Halter, mit Herbert Jung und Beat Weilemann von der Allianz Suisse
Die Urdorfer Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) begrüsst AZ-Verleger Peter Wanner
... und auch mit Dietrich Pestalozzi versteht sich Johner ausgezeichnet.
Die Mächtigen von rechts der Limmat
Die ehemalige Geroldswiler Gemeindepräsidentin Ursula Hofstetter mit Ehemann Karl (links) und FDP-Kantonsrat Reto Cavegn
Schlieren in Geroldswil
Dietikons Stadtpräsident Otto Müller im Gespräch mit Thomas Roth von der Credit Suisse
Alfred Bachmann und Walter Flory (HEV Dietikon-Urdorf) mit der Dietiker EVP-Gemeinderätin Christiane Ilg
FDP-Kantonsrat und Schlieremer Gemeinderat Andreas Geistlich mit Aurélie Werts (Wincasa) und Armin Rüttimann (Joker Temporär- und Dauerstellen)
Zwar als als letzte eingetroffen, aber mit auffälligsten Outfit

Forum Wirtschaftsstandort Limmattal in Geroldswil

Jiri Reiner

Was braucht es, um Erfolg zu haben? Die Mischung macht es. Und es braucht auch ein wenig Glück. Da waren sich die beiden Referenten am 15. Forum Wirtschaftsstandort Limmattal der az Limmattaler Zeitung einig. Dies, obschon der Bauunternehmer Walo Bertschinger und der Insektenforscher Hans Rudolf Herren in ganz unterschiedlichen Branchen tätig sind. Ihre Erfolgsrezepte, so das Thema des gestrigen Nachmittags, präsentierten sich erstaunlich ähnlich.

Für Bertschinger sind seine Mitarbeiter sein persönliches Erfolgsrezept. «Ohne sie kann ich nichts machen», sagte er. Es sei deshalb wichtig, sich um seine Mitarbeiter zu kümmern, auf sie zuzugehen. Das sei der Schlüssel zum Erfolg. Wie man sich um die Mitarbeiter kümmert, legte er in einem Beispiel dar. «Wenn ich eine Baustelle besuche und die Arbeiter gerade in einer Grube arbeiten, dann macht es keinen Sinn, dass ich alle zu mir bestelle», so Bertschinger. Er steige selber zu den Arbeitern hinunter und spreche während der Arbeit mit ihnen. Das müsse nicht lange dauern, spreche sich aber in der Firma herum.

Eine Firma, die heute 2480 Mitarbeiter beschäftigt und einen jährlichen Umsatz von 600 bis 700 Millionen Franken realisiert. Bertschinger führt das gleichnamige Unternehmen seit 1992 in vierter Generation. Denselben Respekt und dieselbe Wertschätzung wie den Mitarbeitern gegenüber fordert er auch für die Kunden. «Ein Credo heisst: Schritt für Schritt und mit Sorgfalt. Unrealistische und schnelle Aktionen führen nicht zum Ziel», sagte Bertschinger. Qualität und Termintreue seien weitere Erfolgsfaktoren. Gleichzeitig brauche es aber auch die Einsicht, dass nicht alles klappt. «Es braucht Mut, den eingeschlagenen Weg zu hinterfragen», so Bertschinger. Dazu gehöre es auch, Fehler einzugestehen. Das sei schwierig, aber der richtige Weg.

Ausdauer war gefragt

Einen ganz anderen Weg als Bertschinger schlug Hans Rudolf Herren ein. Aber auch er brauchte Mut, Glück und vor allem Hartnäckigkeit, um sein Ziel zu erreichen. In den 1980er-Jahren beschäftigte er sich in Afrika mit biologischer Schädlingsbekämpfung. Damals hatte man dort grosse Probleme mit dem aus Südamerika eingeführten Maniok. Denn gleichzeitig mit der Pflanze fanden auch Schädlinge wie die Schmierlaus den Weg nach Afrika. Bekämpft wurde sie mit Chemikalien, sehr giftigen Chemikalien. Herren zeigte sich überzeugt, dass es anders gehen musste, und zwar mit natürlichen Feinden der Schmierlaus. Einer davon ist die Schlupfwespe. Und so machte er sich an die Arbeit, die Schmierlaus auf natürlichem Weg zu bekämpfen.

Das brauchte viel Ausdauer. «Wir mussten damals viel bei Politikern vorsprechen und unsere Ideen präsentieren», so Herren. Dabei half ihm auch sein Team. «Ich habe Leute gesucht, die die gleiche Philosophie vertreten», sagte Herren. Im Laufe der Tätigkeit in Afrika sei die Gruppe immer stärker zusammengerückt, vor allem deshalb, weil sie sich viel Kritik ausgesetzt sah.

Die Hartnäckigkeit lohnte sich. 1995 wurde Herren mit dem Welternährungspreis ausgezeichnet. Seit 2013 ist er Träger des Alternativen Nobelpreises. Bis heute setzt er sich für nachhaltige Landwirtschaft ein, unter anderem mit der Stiftung Biovision, die er präsidiert. Dort versucht er, Erkenntnisse der Wissenschaft weiter an afrikanische Bauern zu geben. «Das Problem ist, dass die Bauern nicht informiert sind, wie sie nachhaltig arbeiten können», so Herren. Doch nicht nur die Bauern, auch die Konsumenten müssten endlich erwachen und erkennen, dass nachhaltig produzierte Nahrungsmittel nicht nur gesünder sind, sondern auch die Umwelt schonen. «Man muss dafür aber etwas mehr für Lebensmittel ausgeben. Dafür erhält man bessere Qualität.»